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Steueraffäre: Zweite Bank im Visier der Fahnder

In der Liechtensteiner Steueraffäre ist Medienberichten zufolge jetzt eine zweite Bank ins Visier der Bochumer Fahnder geraten. Zudem soll der Informant des BND die kopierten Kundendaten auch an US-Behörden verkauft haben.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft hat einem Zeitungsbericht zufolge im Steuerhinterziehungsskandal eine zweite Bank in Liechtenstein im Visier. Wie die "Süddeutsche Zeitung" am Samstag unter Berufung auf Justizkreise berichtete, befinden sich im Besitz der Ermittler Unterlagen mit Kundendaten eines weiteren Kreditinstituts in dem Fürstentum. Der Bochumer Oberstaatsanwaltschaft Bernd Bienioßek bestätigte dem Blatt gegenüber die Ermittlungen. Um welche Bank es sich handelt, ist unklar. Bienioßek schloss dem Bericht zufolge lediglich aus, dass es sich um die Liechtensteinische Landesbank handle.

Bisher war lediglich bekannt, dass die Fahnder über Daten der Fürstenbank LGT Group verfügen. Die Rostocker Staatsanwaltschaft ermittelt dagegen nach eigenen Angaben seit Monaten in einem weiteren Fall, in dem es um gestohlene Kundendaten der Liechtensteiner Landesbank geht.

BND-Informant verkaufte Daten auch in die USA

Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, hat der Liechtensteiner Informant des Bundesnachrichtendienstes (BND) die kopierten Kundendaten, die schon zu den Ermittlungen im Fall Klaus Zumwinkel führten, auch an US-Behörden verkauft. Amerikanische Steuerfahnder hätten im Sommer 2007 mit entsprechenden Ermittlungen begonnen, berichtete das Nachrichtenmagazin am Samstag unter Berufung auf Angaben aus Liechtenstein. US-Steuerfahnder sollen demnach seither in rund 50 Fällen zugeschlagen haben.

Bei dem Informanten handelt es sich dem Bericht zufolge doch um jenen Mann, der in Liechtenstein bereits 2004 im Zusammenhang mit einem Datendiebstahl bei der LGT-Bank verurteilt wurde. Er sei vom BND mit einer neuen Identität ausgestattet worden, nachdem er Wuppertaler Steuerfahndern mehrere DVD übergeben habe, schreibt das Magazin. Das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtete, er habe vom BND zwei Pässe mit falschen Namen erhalten, nachdem das Bundeskriminalamt (BKA) es abgelehnt habe, ihn ins Zeugenschutzprogramm aufzunehmen. Nach übereinstimmenden Informationen beider Magazine war er von der LGT-Bank damit beauftragt, das Papierarchiv zu digitalisieren, und hatte deshalb Zugang zu den Kundendaten.

Das den deutschen Behörden vorliegende Material besteht laut "Spiegel" aus 4527 Datensätzen über Stiftungen und Institutionen, von denen etwa 1400 deutschen Investoren gehören. Rund 65 Prozent der Stiftungen sollen nach Angaben der Ermittler noch heute existieren. Insgesamt sollen die Steuerfahnder bis zu 20 Bankmitarbeiter, Stiftungsräte und Kundenbetreuer in Deutschland und Liechtenstein verdächtigen, an Steuersparmodellen mitgearbeitet zu haben.

DPA/Reuters / DPA / Reuters