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Steuererklärung 2007: Darauf sollten Sie achten

Bis zum 2. Juni haben die Bundesbürger Zeit, ihre Steuererklärung für 2007 abzugeben. Doch es gibt viele Unklarheiten: So stehen die Einschnitte bei Pendlerpauschale und Arbeitszimmer auf dem Prüfstand. stern.de sagt, was sich alles geändert hat - und gibt Tipps zum Ausfüllen.

Die Steuererklärung für das Jahr 2007 steht an - und selten war für Steuerzahler die Unsicherheit so groß: Wie viel Geld sich vom Fiskus zurückholen lässt, kann derzeit niemand genau sagen. Auch für das Gros der Finanzbeamten ist die Lage vertrackt, denn einige "Hängepartien" müssen noch vor Gericht geklärt werden.

Dabei stehen besonders die gekürzte Pendlerpauschale und die Kosten für das heimische Arbeitszimmer auf dem Prüfstand. Zu beiden Punkten laufen Gerichtsverfahren, ob sich die geltenden neuen Regelungen so halten können, ist noch nicht entschieden. Kein Wunder: Für Pendler kann die gekürzte Entfernungspauschale oft ein Minus von etwa 600 Euro in der Jahresabrechnung bedeuten.

Streit gibt es weiterhin um die Frage, ob der durchschnittliche Steuerbürger sich wirklich keinen Steuerberater mehr leisten darf, weil er dessen Kosten seit 2005 nicht mehr komplett als Sonderausgaben absetzen darf. Auch hier wird noch vor Gericht gestritten. Neue Vorteile wie das Absetzen haushaltsnaher Dienstleistungen oder die Steuererleichterungen für Ehrenämter schaffen wohl nicht immer einen Ausgleich. "Die Mehrzahl wird 2007 unterm Strich wohl stärker belastet werden", befürchtet Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

Verschiedene Strategien möglich

Wer das Bestmögliche für seine Steuererklärung 2007 herausholen will, kann den Experten zufolge dennoch ohne Risiken und mit wenig Aufwand einges erreichen.

stern.de gibt einen Überblick über die wichtigsten Änderungen im Steuerjahr 2007 - und welche Strategie bei strittigen Punkten möglich ist.

Claudia Fudeus und Karin Spitra

Abgabefristen

Wer nicht verpflichtet ist, eine Steuererklärung abzugeben (weil er beispielsweise ohne Lohnsteuerkarte Geld verdient oder als Ehepaar die Steuerklassenkombination III/V gewählt hat), hat für seine freiwillige Steuererklärung jetzt noch mehr Zeit. Lag die Frist bisher bei zwei Jahren (für eine 2007er-Erklärung also am 31. Dezember 2009), so gibt der Staat nun vier Jahre lang die Möglichkeit für eine freiwillige Steuererklärung (für 2007 also bis zum 31. Dezember 2011).

Arbeitszimmer

Die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer können nur noch abgesetzt werden, wenn das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit ist, nicht nur ein ergänzender Arbeitsplatz. Das betrifft besonders stark Außendienstmitarbeiter, aber auch Berufstätige wie Lehrer, Richter und alle Bürotätigen, die auch mal Arbeit mit nach Hause nehmen. Laut einem Urteil des Bundesfinanzhofs kommt es dabei allerdings nicht darauf an, an welchem Schreibtisch der Steuerzahler mehr Zeit verbracht hat, sondern darauf, wo er den qualitativ wichtigsten Teil seiner Arbeit erledigt. Passiert das im Arbeitszimmer daheim, kann eine Bestätigung des Arbeitgebers beim Absetzen der Kosten helfen. Dagegen sind Kosten für Büromöbel, Computer und andere Arbeitsmittel weiterhin voll als Werbungskosten absetzbar.

Empfohlene Strategie:

Das Arbeitszimmer unbeirrt wie bisher mit 1250 Euro ansetzen, wenn man überwiegend zu Hause arbeitet, keinen eigenen Schreibtisch im Unternehmen hat oder eine Nebentätigkeit von daheim ausübt, sagt Marlies Spargen vom Neuen Verband der Lohnsteuerhilfevereine (NVL). Die Kosten fürs Arbeitszimmer werden zwar vom Finanzamt gestrichen. Der Steuerzahler kann dann aber mit Verweis auf das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 3 K 1132/07) Einspruch einlegen. Man verliert nichts und kriegt bestenfalls Geld zurück. Außerdem: Sobald zum Thema Arbeitszimmer ein Musterverfahren am höchsten Finanzgericht, dem Bundesfinanzhof, anhängig sei, gebe es eine Chance auf Erfolg, erläutert Stephanie Zipp, Steuerexpertin der Zeitschrift "Finanztest".

Entfernungspauschale

Schlechte Nachrichten für Pendler: Ihre Aufwendungen für Fahrten zur Arbeitsstätte werden in geringerem Maße berücksichtigt als bisher. Der Gesetzgeber hat entschieden, dass die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ab 1.1.2007 nur noch ab dem 21. Kilometer als Werbungskosten anerkannt werden. Die ersten 20 Kilometer zahlt der Bürger also komplett aus eigener Tasche. Ob diese Änderung verfassungsgemäß ist, klärt derzeit noch das Bundesverfassungsgericht. Beruhigend: Wer weiterhin die ganze Strecke im Formular ansetzt, bekommt vom Finanzamt zwar den Wert für die ersten 20 Kilometer abgezogen - alle Einkommensteuererklärungen sind in diesem Punkt bis zur Klärung durch Gericht aber für vorläufig erklärt. Wird die Regelung gekippt, profitiert man auch noch nach Erhalt des Steuerbescheids.

Empfohlene Strategie:

Die Kürzung bei der Entfernungspauschale nicht berücksichtigen. Für die gut 15 Millionen Pendler heißt das: Den Weg von der Wohnung zur Arbeit wie früher mit 30 Cent vom ersten bis zum letzten Kilometer angeben. Die Erfolgsaussichten in letzter Instanz stünden gut, ist Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband zuversichtlich.

Formulare

Die Anlage N (für angestellte Arbeitnehmer) und die Anlage Kind umfassen in diesem Steuerjahr erstmals drei statt zwei Seiten.

Handwerkerleistungen

Mit dem Absetzen haushaltsnaher Dienstleistungen können Mieter wie Eigentümer ihre Steuerlast drücken - wenn 2007 Handwerker, Garten-, Pflege- oder Putzhilfen in ihrem Auftrag auf Rechnung gearbeitet haben.Oder wenn sie Betriebskosten für Hausmeister- oder Handwerkerdienste geltend machen. Besonders erfreulich: Das geht jetzt richtig unkompliziert. Statt Originalrechnung reichen nun die detailliert ausgewiesenen Positionen in der Nebenkostenabrechnung des Verwalters. Bis zu 3000 Euro Kosten berücksichtigt die Behörde, 20 Prozent davon können als Steuerrabatt anfallen.

Spenden und Ehrenamt

Bürger, die sich gesellschaftlich engagieren, sollen belohnt werden - das zeigt auch eine Veränderung im Steuerrecht. Der Steuerfreibetrag für Einnahmen aus nebenberuflichen Tätigkeiten im Ehrenamt, zum Beispiel als Übungsleiter oder Trainer im Verein, ist auf 2100 Euro im Jahr gestiegen (bisher 1848 Euro). Auch Funktionäre in Vereinen können bis zu 500 Euro jährlich steuerlich begünstigt dazuverdienen.

Spenden für mildtätige und gemeinnützige Zwecke können nun in doppelt so hohem Maß berücksichtigt werden - die Höchstgrenze für den Spendenabzug wurde einheitlich auf 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte angehoben (vorher 10 Prozent). Der Bareinzahlungsbeleg oder die Buchungsbestätigung eines Kreditinstituts genügen nun als Nachweis bei Zuwendungen bis zu 200 Euro (vorher 100 Euro).

Sparerfreibetrag

Kürzungen gab es auch beim Sparerfreibetrag: Alleinstehende können 2007 nur noch 750 Euro, Verheiratete 1500 Euro durch Zinsen und Dividenden einnehmen. Berücksichtigt man den Werbungskostenpauschbetrag von 51 Euro pro Person in diesem Bereich, so bleiben 801 bzw. 1602 Euro steuerbefreit. Dadurch wird es in diesem Bereich noch interessanter, detailliert Werbungskosten geltend zu machen. Dazu können Fahrten zur Hauptversammlung als Aktionär ebenso gehören wie Depotgebühren oder Fachliteratur für Anleger.

Steuerberater

Mit den Steuerberatungskosten ist es so eine Sache: Wer bald seine Steuererklärung machen muss, ist häufig unsicher, ob er die Hilfe vom Fachmann noch von der Steuer absetzen kann. Und wenn ja, wie viel davon? Seit 2006 ist die komplette Abschreibemöglichkeit der Aufwendungen für Steuerberater und Lohnsteuerhilfe für Privatleute nämlich abgeschafft - nach 40 Jahren. Seither sind nur noch Teile abziehbar, die beruflich bedingt sind, nicht privat - und wegen dieser Trennlinie gibt es immer wieder Ärger mit den Finanzbehörden. Neuerdings kommt der Staat Millionen verunsicherten Steuerzahlern einen Schritt entgegen, was die Absetzbarkeit angeht. Bis zu 100 Euro können jetzt in der Steuererklärung auf jeden Fall geltend gemacht werden. Diese 100-Euro-Vereinfachungsregel hat das Bundesfinanzministerium Ende Dezember 2007 erlassen (IV B2 S2144/07/0002).

Jetzt ist wenigstens geklärt: Steuerfachliteratur, Software oder die Mitgliedschaft in Lohnsteuerhilfevereinen sind beruflich bedingt - ergo absetzbar. Diese Posten dürfen nun bis zu 100 Euro komplett als Werbungskosten einfließen. Belege müssen dafür aber vorhanden sein.

Auf jeden Fall abgesetzt werden können Steuerberatungskosten, wenn sie die Ermittlung der Einkünfte aus einem Arbeitsverhältnis betreffen, die Einnahmeüberschussrechnung von Freiberuflern, die Buchführung, das Aufstellen von Bilanzen, die Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung sowie Kapitalvermögen. Abzugsfähig ist auch die Beratung rund um Steuerthemen wie Gewerbe-, Umsatz- oder Grundsteuer.

Empfohlene Strategie:

Auch die Einschnitte bei den Steuerberatungskosten könnten ignoriert werden, erläutert Markus Deutsch vom Deutschen Steuerberaterverband. In die Steuererklärung sollten ruhig sämtliche Beratungskosten wie bislang üblich geschrieben werden. Zückt der zuständige Finanzbeamte wiederum den Rotstift, dürfe der Betroffene gleich wieder Einspruch einlegen, zunächst einmal unter Verweis auf das Finanzgericht Niedersachsen (Aktenzeichen 10 K 103/07). Außerdem können Steuerzahler, die sich einen Steuerberater zur Seite holen, hoffen. Denn vor dem Finanzgericht Baden-Württemberg ist eine Musterklage des Bundes der Steuerzahler anhängig. Ihr Ziel: Die komplette Abzugsmöglichkeit wieder zu erreichen.