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Angehörigenunterhalt: Steuern sparen mit Familienhilfe

Wer bedürftigen Angehörigen finanziell hilft, hat außer einem guten Gewissen auch steuerliche Vorteile: Denn solche Unterhaltsleistungen können als außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden. Allerdings hat das Finanzamt der Hilfe gewisse Grenzen gesetzt.

Familienmitglieder müssen für einander einstehen - auch finanziell

Familienmitglieder müssen für einander einstehen - auch finanziell

Die steuerlichen Vorteile von Ehegatten und Kindern sind größtenteils bekannt, aber es gibt innerhalb der Familienbande noch andere Möglichkeiten, mit Unterhaltsleistungen Steuern zu sparen. Unterhaltsleistungen können als außergewöhnliche Belastung abgesetzt werden, wenn unterhaltsberechtigte Personen unterstützt werden. Und der Begriff der Unterhaltsberechtigung ist zunächst einmal weit gefasst.

Kinder müssen für die Eltern zahlen

Neben dem Ehegatten sind das auch der Partner einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft, wenn der durch das Zusammenleben den Anspruch auf staatliche Leistungen verliert. Außerdem sind auch Kinder den Eltern gegenüber zum Unterhalt verpflichtet, und auch Großeltern und Enkelkinder sind (wenn auch nachrangig) unterhaltsberechtigt, weil sie Verwandte in gerader Linie und damit unterhaltsberechtigt sind.

Bei weiter entfernten Verwandten wie Geschwistern, Tanten oder Cousins sieht die Lage anders aus. Bei diesen Personen sind Unterhaltsleistungen grundsätzlich nicht absetzbar. Eine Ausnahme wird zum einen gemacht, wenn ein naher Angehöriger in einem Notfall unterstützt wird, weil er oder sie sich nicht mehr selbst helfen kann. Das kann etwa der Fall sein, wenn man Krankheits-, Beerdigungs- oder Prozesskosten übernimmt oder nach einem Hausbrand bei der Beschaffung neuen Hausrats finanziell behilflich ist.

Höchstbetrag wird selten angerechnet

Absetzbar sind die Kosten bis zum Unterhaltshöchstbetrag von derzeit 7680 Euro jährlich. Allerdings können die vollen 7680 Euro selten angerechnet werden. Denn zum einen wird der Betrag um jeweils ein Zwölftel für jeden Monat gekürzt, in dem die Voraussetzungen für die Unterstützung nicht vorliegen, weil zum Beispiel kein Unterhalt gezahlt wird. Außerdem wird auch eigenes Einkommen von demjenigen angerechnet, der den Unterhalt bekommt. Hierzu zählen alle Bezüge, die den so genannten Anrechnungsfreibetrag von 624 Euro übersteigen. Voll angerechnet werden Ausbildungsbeihilfen aus öffentlichen Mitteln, die als Zuschuss gezahlt werden - hier kann der Empfänger nur eine Pauschale von 180 Euro abziehen. Problematisch ist auch, wenn der Leistungsempfänger eigenes Vermögen besitzt. Denn Unterstützungsleistungen als Unterhalt können nur abgesetzt werden, wenn sie als "zwangsläufig" anzusehen sind. Und das heißt, die unterstützte Person darf nur ein geringes Einkommen und ebenso nur ein geringes Vermögen besitzen. Neben einem angemessenen Haus darf Vermögen im Wert von 15.500 Euro vorhanden sein - der Betrag verdoppelt sich bei Zusammenlebenden. Dazu kommt so genanntes "Schonvermögen", das nicht angerechnet wird, etwa weil die Gegenstände zum Hausrat gehören oder für die Ausbildung oder den Job gebraucht werden.

Finanzamt pocht auf Opfergrenze

Entscheidend für den Unterhaltszahler ist auch die so genannte Opfergrenze. Denn selbstlose Hilfe wird vom Finanzamt nicht anerkannt, ganz im Gegenteil. Wer mehr Unterhalt zahlt, als er eigentlich zu leisten imstande ist, der kann diesen Unterhalt nicht oder nur teilweise absetzen. Die Opfergrenze beträgt ein Prozent je volle 500 Euro Nettoeinkommen, bei 21.000 Euro Nettogehalt im Jahr also 42 Prozent, wobei die Grenze nach oben bei 50 Prozent liegt. Für den Ehegatten und jedes unterhaltsberechtigte Kind werden fünf Prozent abgezogen, unter 25 Prozent darf die Grenze jedoch nicht rutschen. Bei einem Nettoeinkommen von 21.000 Euro läge die Grenze eines verheirateten Familienvaters also bei 27 Prozent, sodass im Beispielmaximal 5670 Euro Unterstützungsleistung anerkannt werden würden.

Oliver Mest/DDP / DDP
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