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Für Freiberufler und Selbstständige: So funktioniert die Rürup-Rente

Neben dem Riester-Sparen fördert der Staat eine weitere private Altersvorsorge: die Basis- oder Rürup-Rente. Sie kann sich vor allem für Freiberufler und Selbstständige rechnen - hat aber auch einige Nachteile.

Von Joachim Reuter

Selbstständige und Freiberufler dürfen keine geförderte Riester-Rente abschließen, außer sie sind mit einem/r "Riesterberechtigten" verheiratet. Aber es gibt eine andere Möglichkeit, mit besonderer staatlicher Unterstützung für die Altersvorsorge zu sparen. Das Angebot nennt sich Basis- oder auch Rürup-Rente, denn sie geht auf ihren Erfinder, den Wirtschaftswissenschaftler und Regierungsberater Bert Rürup, zurück.

Die Rürup-Rente ist vor allem für Selbstständige und Freiberufler attraktiv, die einen vergleichsweise hohen Steuersatz zahlen und im Ruhestand wegen geringerer Einkünfte mit einem niedrigeren Steuersatz rechnen können. Insofern eignet sie sich auch für angestellte Gutverdiener, die wenige Jahre vor Rentenbeginn größere Summen für die private Altersvorsorge anlegen möchten. Der Dreh dabei: Die Einzahlungen können zu einem größeren Anteil steuerfrei sein als später jener Anteil der Rente, der steuerpflichtig ist - reichlich kompliziert. So empfiehlt sich vor Abschluss einer Rürup-Rente der Besuch beim Steuerberater und/oder bei der nächstgelegenen Verbraucherzentrale.

Wie funktioniert die Rürup-Rente?

Anders als beim Riestern gibt es hier keine direkten staatlichen Zulagen, sondern ausschließlich Steuervorteile. Mit Rürup-Sparen werden allerdings viel höhere Beiträge gefördert als im Rahmen der Riester-Rente. So können Rürup-Sparer im Jahr bis zu 20.000 Euro (Verheiratete: 40.000 Euro) gefördert anlegen. Von ihrem Jahresbeitrag dürfen sie im Jahr 2009 68 Prozent als Sonderausgaben beim Finanzamt geltend machen und so ihr zu versteuerndes Einkommen entsprechend mindern. Der Umfang der Steuervergünstigung in der Einzahlphase steigt in den nächsten Jahren kontinuierlich an. Ab dem Jahr 2025 akzeptiert das Finanzamt dann 100 Prozent der Rürup- Beiträge als Sonderausgaben.

Mit Beginn des Ruhestands werden die Auszahlungen genauso besteuert wie seit dem Jahr 2005 die Zahlungen aus der gesetzlichen Rente: Auch für Rürup-Rentner steigt die Steuerbelastung von Jahrgang zu Jahrgang. Wer in diesem Jahr in Rente geht, muss bis an sein Lebensende 56 Prozent seiner Rürup-Rente versteuern. Für alle späteren Rentnerjahrgänge erhöht sich der zu versteuernde Anteil jährlich anfangs um zwei, später um einen Prozentpunkt, bis 2040 die Rente zu 100 Prozent dem persönlichen Steuersatz unterliegt. Anders als bei der Riester-Rente, für die "Unisex"-Tarife seit Januar 2006 Vorschrift sind, werden Männer und Frauen bei der Rürup-Rente unterschiedlich behandelt: Da Frauen länger leben, fällt ihre lebenslange monatliche Rente bei gleicher Einzahlung um etwa zehn Prozent niedriger aus als bei den Männern.

Was sind die Vorteile?

Die Rürup-Rente ist während der Ansparzeit sehr flexibel. Es gibt keinen Mindestbeitrag. Selbstständige können die Höhe der Zahlungen selbst bestimmen und - zum Beispiel je nach Geschäftsverlauf - einmal im Jahr mal mehr oder weniger zurücklegen. Und: Bei einer Firmenpleite wird die Rürup-Rente nicht in die Insolvenzmasse einbezogen; sie ist unpfändbar. Zudem darf im Falle der Bedürftigkeit das Sozialamt oder die Agentur für Arbeit nicht auf das Ersparte zugreifen (Hartz-IV-Schutz). Der Rürup-Vertrag kann zudem mit einer zusätzlichen Hinterbliebenenversorgung oder Berufsunfähigkeitsversicherung kombiniert werden - das hat allerdings auch seinen Preis.

Was sind die Nachteile?

Das angesammelte Kapital wird nur als lebenslange Monatsrente ausgezahlt, und zwar frühestens mit Vollendung des 60. Lebensjahres. Es darf nicht beliehen, sondern nur für die Rente verwendet werden. Das Kapital ist zudem nicht vererbbar. Stirbt der Sparer, sehen die Angehörigen typischerweise nichts mehr davon - außer es ist eine Hinterbliebenenversorgung vereinbart worden. Im Regelfall kommt das Geld eines verstorbenen Rürup-Rentners den anderen, noch lebenden Kunden des Anbieters zugute.

Welche Anbieter gibt es?

Am rührigsten ist die Versicherungsbranche, die für Rürup-Sparer entsprechende private Rentenversicherungen anbietet und davon bereits Hunderttausende verkauft hat. Der Sparbeitrag geht überwiegend in sichere Zinspapiere, kleinere Teile in Aktien und Immobilien. Achtung: Kunden binden sich lebenslang an die Police, der Wechsel zu einem anderen Anbieter ist nicht möglich. Mit einer Ausnahme: Cosmos Direkt erlaubt den Anbieterwechsel. Rürup-Sparen mit Investmentfonds bietet bislang nur die Sparkassengesellschaft Deka. Hier fließt das Geld in sogenannte Dachfonds, die wiederum in mehrere Einzelfonds investieren. Das ist vergleichsweise teuer: Der Kunde muss nicht nur von jeder Einzahlung einen Provisionsabschlag von 3,5 Prozent entrichten (Fachwort Ausgabeaufschlag). Hinzu kommen noch jährliche Gebühren von 1,2 Prozent sowie weitere 1,5 Prozent für das Investment in die Einzelfonds - diese laufenden Kosten mindern die möglichen Renditevorteile gegenüber gut bewerteten Rürup-Versicherungen.

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