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Rentenversicherungen im Test: Welche Riesterverträge sich lohnen

Die Riester-Rente soll das Mittel gegen Altersarmut sein. Doch viele Produkte sind laut "Finanztest" teuer und intransparent. Bezeichnend: Einige Anbieter weigerten sich, am Test teilzunehmen.

Von Daniel Bakir

Viel ist in den vergangenen Wochen über das Thema Altersarmut diskutiert worden. Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) schockte die Bevölkerung mit Berechnungen, nach denen auch Durchschnittsverdienern Altersarmut droht, wenn sie nicht privat vorsorgen. Ihr kontrovers diskutiertes Gegenmittel ist die Zuschussrente. Dieses erntete selbst in den eigenen Reihen Kritik, die SPD konterte mit einem eigenen Konzept.

Der Grund für den Aktionismus der Politiker: Die Idee, dass die Menschen das Absinken des staatlichen Rentenniveaus durch private Vorsorge ausgleichen, geht nur bedingt auf. Zwar sorgen mittlerweile immerhin rund 15,5 Millionen Bundesbürger mit einer staatlich geförderten Riester-Rente vor. Viele aber haben auch mehr als zehn Jahre nach dem Start von Riester noch Vorbehalte gegen diese Form der Altersvorsorge. Zu teuer, zu unflexibel, zu unübersichtlich sind ihnen die Produkte.

Nur fünf Riester-Rentenversicherungen sind "gut"

Ein Abschnittstext aktueller Vergleich der Zeitschrift "Finanztest" zeigt, dass die Menschen zu Recht skeptisch sind. Die Stiftung untersuchte die Konditionen von 29 Riester-Rentenversicherungen, dem gängigsten Riesterprodukt. Ergebnis: Nur fünf Tarife erhielten das Siegel "gut", wobei Testsieger Huk24 die Note 2,4 erhielt. Alte Leipziger, Debeka, Hannoversche und Hanse Merkur schrammten mit einer 2,5 gerade noch am befriedigend vorbei. Acht Angebote waren in den Augen der Tester nur "ausreichend".

Die Tester kritisierten vor allem die hohen Kosten einiger Tarife. So behält die Barmenia 16,5 Prozent vom Kundenbeitrag und 7,5 Prozent von den Zulagen für sich ein. Andere Versicherer kassieren ähnlich viel, während manche Tarife deutlich günstiger sind. Das wirkt sich direkt auf die garantierte Rente, die sogenannte Rentenzusage aus. Ein 37-jähriger kinderloser Modellkunde, der 30 Jahre lang 1046 Euro einzahlt und die staatliche Zulage von 154 Euro mitnimmt (also insgesamt 1200 Euro pro Jahr einbringt), bekommt im Alter je nach Anbieter zwischen 138 Euro und 161 Euro pro Monat garantiert. Das ist rund 50 Prozent weniger als noch vor zehn Jahren. Damals lag der Garantiezins bei 3,25 Prozent, heute sind es nur noch 1,75 Prozent. Wie viel der Sparer oben drauf bekommt, hängt davon ab, wie gut der Versicherer das Geld des Kunden all die Jahre angelegt hat und welchen Anteil am Überschuss er an den Kunden weitergibt.

Intransparente Kosten als Riester-Dauerärgernis

Die Höhe der Kosten ist laut "Finanztest" meistens völlig intransparent. So bemängelten die Prüfer, dass kein einziger Versicherer im Test deutlich machte, wie viel von allen Einzahlungen bis zum Vertragsende durch Kosten aufgefressen wird. Die Mehrheit der Versicherer halte sich noch nicht einmal an die Empfehlung des eigenen Verbandes GDV, nach der die Anbieter zumindest angeben sollten, wie stark die Rendite des Vertrags durch Kosten gemindert wird. Die Intransparenz der Kosten ist ein Dauerärgernis bei allen Riester-Produkten. Das unabhängige Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) kommt in einer aktuellen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass 58 Prozent aller Anbieter ihre Abschluss-, Vertriebs- und Verwaltungskosten transparent ausweisen. Und das ist sogar als Fortschritt zu werten, denn im vergangenen Jahr tat dies nur ein Viertel.

Große Unterschiede gibt es auch bei der Flexibilität. Da man bei der Kündigung eines Riestervertrags viel Geld verliert, gibt es die Möglichkeit, den Vertrag für eine bestimmte Zeit beitragsfrei zu stellen. Während manche Anbieter einem die alten Konditionen für eine Pause von bis zu sechs Jahren garantieren, gibt es bei anderen eine solche Garantie überhaupt nicht. Wer pausiert, muss den Vertrag dann möglicherweise zu schlechteren Bedingungen weiterführen. Denn auch der Wechsel kann Tücken haben. Laut IVFP bestrafen manche Anbieter ihre fahnenflüchtigen Kunden mit bis zu 866 Euro Gebühr, bei anderen ist der Wechsel kostenlos.

26 Versicherer verweigerten sich dem Test

Nicht gerade Vertrauen erweckend ist auch die Reaktion vieler Anbieter, die sich schlicht weigerten, den "Finanztest"-Prüfern ihre Unterlagen und Daten zur Verfügung zu stellen. Für "Finanztest"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen ein Unding: "Es geht hier um ein Produkt, was mit Steuergeldern gefördert wird. Da kann man sich nicht einfach dem Vergleich entziehen." Insgesamt 26 Versicherer wollten ihr Angebot nicht offen legen. Darunter seien zehn öffentliche Versicherer, die mit den Sparkassen verbunden sind. Während eine Versicherung fehlende Kapazitäten als Entschuldigung angab, erklärten andere, ihnen passten die Prüf-Kriterien der Tester nicht. Tenhagen vermutet einen anderen Grund: "Unsere Erfahrung sagt, dass Anbieter mit einem guten Angebot sich nicht verweigern.“

"Finanztest" empfiehlt, Angebote immer mit nach Hause zu nehmen und in Ruhe mit anderen zu vergleichen. Denn trotz allem sei die Riesterrente wegen der staatlichen Förderung attraktiver als andere vergleichbare Vorsorgeprodukte: "Eine Riester-Rente ist erste Wahl für eine private Altersvorsorge - vorausgesetzt, Sie wählen ein gutes Angebot und können die Beiträge bis zum Rentenalter aufbringen", so das "Finanztest"-Fazit.

Von der Leyen will "verbraucherfreundliches Riestern"

Auch Ministerin von der Leyen hat erkannt, dass es gute und schlechte Angebote gibt. Unter dem Schlagwort "verbraucherfreundliches Riestern" plant sie daher im Rahmen ihres Rentenpakets eine Reihe von Initiativen, um die Anbieter stärker an die Kandare zu nehmen. "Die Produkte müssen transparenter und besser vergleichbar sein", heißt es in einer Mitteilung ihres Ministeriums. Zu diesem Zweck will sie ein standardisiertes Produktinformationsblatt, eine Art "Beipackzettel" einführen, auf dem Risiken, Garantien und Kosten ausgewiesen sind.

Für den Wechsel des Anbieters sollen nicht mehr als 150 Euro fällig sowie Abschluss- und Vertriebskosten beim neuen Anbieter begrenzt werden. Die Überschüsse, die Versicherungen mit dem Geld der Kunden erwirtschaften, sollen künftig zu mindestens 90 Prozent an diese weitergegeben werden, bisher sind es 75 Prozent. Die Finanzaufsicht Bafin soll kontrollieren, dass die Riester-Anbieter sich an all das auch halten. Den Bafin-Aufsehern werden die Versicherer wohl kaum die Auskunft verweigern können.

Die kompletten Ergebnisse des Rieser-Tests gibt es gegen Gebühr unter www.test.de