STEUERN Finanzamt geht lockerer mit Computerbesitzern um


Der Fiskus beteiligt sich jetzt bei »Schreibtischberufen« auch an PC-Kosten. Vorsicht ist trotzdem geboten - denn er ist nicht überall gleich großzügig.

Deutsche Finanzämter sind neuerdings milder gestimmt, wenn sie sich an den Kosten für den Computer zu Hause beteiligen sollen. Wird ein PC daheim als Arbeitsmittel genutzt, kann sein Besitzer die Anschaffung jetzt auch steuerlich absetzen, wenn die private Nutzung über zehn Prozent liegt. Bislang biss man in diesem Punkt bei Finanzbeamten auf Granit. Allerdings gibt es die neue Großzügigkeit nicht umsonst: Das berufliche und private Arbeiten muss streng getrennt und die jeweiligen Kostenanteile nachgewiesen werden. Etwa wie es bei Fahrten mit einem Dienstwagen auch nötig ist, erläutert dazu die Stiftung Warentest.

Nachweispflicht völlig uneinheitlich

Was kompliziert klingt, ist auch in der Praxis so: Denn über die Feinheiten, das »ob« und »wie« der Nachweispflicht, sind sich die Finanzbehörden der Länder längst nicht einig. Computerarbeiter in Berlin müssen für die steuerliche Entlastung nach Erkenntnissen der Verbraucherschützer beispielsweise richtig lästigen Papierkram erledigen. Die Finanzämter in der Hauptstadt pochen auf die akribische Auflistung beruflicher und privater Arbeitsstunden am Rechner. Wer den Aufwand scheut, hat Pech. Dagegen erscheinen die Behörden in Bremen oder Brandenburg viel lockerer: Dort wird der berufliche Nutzungsanteil auch schon einmal großzügig geschätzt, wie die Tester berichten.

Notfalls Buch führen

Bis der Gesetzgeber seinen Plan umgesetzt hat, die Abzugsfähigkeit häuslicher Computer mitsamt Scannern, Software und Soundkarte neu zu regeln, werden sich die Steuerzahler wohl mit dem bundesweiten Durcheinander abfinden müssen. Die Stiftung Warentest rät allen, die vom derzeitigen Tauwetter in Sachen Computer-Anerkennung profitieren wollen, auf die Vorgaben des Finanzamts zu achten und notfalls Buch zu führen. Immerhin haben jetzt all diejenigen eine gute Chance auf finanzielle Entlastung in Sachen Heim-PC, die auch beruflich regelmäßig am Computer arbeiten. Schlagkräftige Argumente muss sich nur der einfallen lassen, der keinen Schreibtischberuf hat.

Keine Rechnungen für Computerspiele

Wer versucht, die Anschaffungskosten des Heimcomputers in diesem Jahr erstmals steuerlich geltend zu machen, sollte nicht gerade Rechnungen für Unterhaltungsspiele beilegen. Ausgaben für Textverarbeitungs- oder Tabellenkalkulationsprogramme untermauern dagegen die berufliche Nutzung - wie auch Extras zur Sicherung großer Datenmengen, die ein »normaler« PC-Nutzer einfach nicht braucht.

Achtung bei Grafikkarten

Hängen am Rechner daheim Lautsprecherboxen und Soundkarte, spricht das nicht mehr unbedingt gegen eine berufliche Verwendung. Auch das Finanzamt weiß: Solche Dinge gehören inzwischen zum technischen Standard. Vorsicht ist dagegen bei Grafikkarten geboten. Dort setzen Beamte gern den Rotstift an, weil sie eine starke private Mitbenutzung annehmen.

Einspruch nicht vergessen

Erkennt der Fiskus den Computer voll an, kann der Steuerzahler Ausgaben aus diesem Jahr für Rechner, Monitor, Drucker und andere Extras über drei Jahre verteilt abschreiben. Kriegt man einen Korb vom Finanzamt, sollte man aufpassen: Der Steuerbescheid muss in diesem Punkt nach Angaben der Berliner Experten vorläufig ergangen sein. Oder unter dem Vorbehalt der Nachprüfung stehen. Wer einen anderen Bescheid bekommt, sollte unbedingt Einspruch dagegen einlegen.


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