Steueroasen Ein unmoralisches Angebot


Wär das nichts? Einfach die sauer verdienten Kröten auf das Konto in den Bahamas überweisen, bevor das Finanzamt seine gierigen Hände ausstreckt?

"Mache Geld. Mache mehr Geld. Mache, dass andere Leute Geld machen." Keine Frage, das Lebensmotto des Scientology-Gründers Ron L. Hubbard trifft den Nerv deutscher Kapitalanleger. In den Zeiten des Zinsabschlags bedarf die Geld-Maximierungs-Maxime allerdings noch einer Ergänzung: "Mache, dass andere Leute nicht an deine sauer verdienten Euro kommen." Wer von jedem erwirtschafteten Euro knapp 30 Cent an den Fiskus abdrücken muss, ist naturgemäß günstigeren Alternativen gegenüber eher aufgeschlossen.

Unmoralische Steuerflucht-Angebote

Das Zauberwort heißt "Offshore": Gelder werden am heimischen Finanzamt vorbei auf ein Konto in einem ausländischen Steuerparadies transferiert. Besonders im Web tummeln sich die Sites mit den unmoralischen Steuerflucht-Angeboten. Diese lassen sich grob in zwei Kategorien einordnen: in unseriöse Seiten und in unseriöse Seiten mit seriösem Anstrich. Kategorie zwei überwiegt bei Weitem.

Nur der Anstrich ist seriös

Häufig glänzen die Schmuddelkinder unter den "Finanzdienstleistern" mit markigen Sprüchen ("Quellensteuer zahlen nur die Dummen!") und leeren Worthülsen. Beispiel gefällig? "J.T. Kaiser: Der neue Informations-Guru" verspricht dem unbedarften User das Heil in Form von Broschüren, die angeblich beim Geldsparen helfen. Doch bevor es ans Sparen geht, muss man die Dinger natürlich erst mit teurem Geld bezahlen. Ob wohl schon jemand das Wissen des "Altmeisters der globalen Information" in klingende Münze verwandelt hat? Zumindest sollte man ein gesundes Maß Skepsis beibehalten.

Ständig neue Versuchungen

Die ist auch bei Dr. Schilling Consulting angebracht. Das "Service- und Beratungsunternehmen" hat keine Broschüren zu verkaufen. Stattdessen bietet es potenziellen Kunden Hilfe bei der Firmengründung in den USA an. Kostenpunkt: Schlappe 950 US-Dollar für die Basisvariante. Erst mal. Weitere Leistungen bedeuten weitere Kosten. Fürs gute Geld gibt es erst mal nicht mehr als ein Versprechen: "Wir beginnen mit der Arbeit sowie uns der gesamte Rechnungsbetrag zur Verfügung steht." Ehrensache.

Maximaler Profit ohne Risiko?

Natürlich werden nicht nur die USA angepriesen. Das Angebot an Steueroasen reicht vom europäischen Nachbarstaat - Luxemburg, Österreich, Schweiz - bis zum exotischen Inselparadies. So unterschiedlich die Auftritte sind, eines haben alle gemeinsam: Jeder Offshore-Anbieter verspricht dem interessierten Steuerflüchtling maximalen Profit bei absoluter Risikolosigkeit. Letztere gilt aber höchstens für den Anbieter. Geld am Fiskus vorbei ins Ausland zu verschaffen, ist nämlich allemal einfacher, als es wieder unbemerkt nach Deutschland zurückzuholen. Das Risiko erwischt zu werden ist hoch, die Strafen sind es auch.

Erleuchtete zahlen weniger

Doch zurück zu Ron L. Hubbard und seiner Scientology-Sekte. Deren deutscher Ableger versucht seit Jahren verzweifelt, als Religionsgemeinschaft anerkannt zu werden. Aus gutem Grund: Kirchen zahlen nämlich selbst in Deutschland keine Steuern. Ein Ansatz für deutsche Kapitalanleger auf der Suche nach Alternativen?

Von Jens Findeisen

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