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Fünf-Pfund-Note: Britische Vegetarier flippen wegen Geldschein aus

Gerade einmal etwas mehr als zwei Monate ist der neue Fünf-Pfund-Schein im Umlauf. Fälschungssicher und stabiler solle er sein. Doch britische Vegetarier sind außer sich.

Das Design des neuen britischen Geldscheines aus Kunststoff bei seiner Präsentation 2013

Das Design des neuen britischen Geldscheines aus Kunststoff bei seiner Präsentation 2013

Annie Walker wollte Klarheit. Der Britin waren Gerüchte zu Ohren gekommen, dass in den neuen britischen Fünf-Pfund-Noten Talg enthalten sei. Die Bank of England klärte nutzerfreundlich via Twitter auf: "Hi Annie, in dem für das Basismaterial der Fünf-Pfund-Noten verwendeten Kunststoff ist eine Spur von Talg", zwitscherte das Geldinstitut. Am Montag war das. Und der Ärger nahm seinen Lauf.

Er sei "schockiert, dass Vegetarier und Veganer mit Tierfett im Geldbeutel" herumlaufen müssten, kommentiert etwa ein Nutzer. "Zieht die Scheine sofort aus dem Verkehr. Das ist abstoßend und widerlich für alle Veganer und Vegetarier", findet ein anderer. "Ein neuer, moderner Geldschein, gemacht aus toten Tieren, die 50 Prozent der weltweiten Treibhausgase ausstoßen? Welches Jahrhundert haben wir?", echauffiert sich der nächste. Und: "Ich bin sprachlos. Geld ist soeben noch ein bisschen schmutziger geworden."


Talg in vielen Konsumgütern

Talg ist ein Nebenprodukt der Fleischproduktion. Es wird durch das Schmelzen von Rind- oder Hammelschlachtteilen gewonnen. Der Stoff wird unter anderem für die Herstellung von Kerzen, Seifen und anderen Kosmetika verwendet. Ob der gestiegenen Sensibilität für das Thema bieten viele Firmen aber mittlerweile Produkte oft auch fleischfrei an. In den Geldscheinen soll der Talg offenbar Schmutz und Wasser abweisen und die Oberfläche etwas geschmeidiger machen.

Erst im September wurde die neue Banknote mit dem Konterfei von Winston Churchill eingeführt. Fälschungssicher und stabiler sollte sie sein. Auch einen Waschgang könnte sie überleben und sei daher umweltfreundlicher als ihre Vorgänger aus Papier. Schließlich habe sie eine deutlich höhere Lebenszeit. So pries es damals der englische Notenbankchef an.

Hersteller: "Wissentlich keine tierischen Produkte"

Tierfreundlich ist der neue Schein aber offenbar nicht. Die Gegner haben bereits eine Petition zu dessen Abschaffung ins Leben gerufen. Fast 90.000 Unterschriften hatten sich bis Mittwochmittag darunter gesammelt. Die Petition möchte nicht nur Veganer und Vegetarier als Unterstützer gewinnen. Auch für Hindus, Sikhs und Jainisten sei der Schein "unakzeptabel". Diese drei Religionsgemeinschaften sind insbesondere in Indien verbreitet. Ihnen gilt die Kuh als heilig.

Ob in dem Schein aber überhaupt Talg drin ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Firma Innovia, die den Kunststoff für die Scheine liefert, teilte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit, man verwende wissentlich grundsätzlich keine tierischen Produkte. Ob sich tatsächlich eine geringe Menge Talg in dem zugekauften Rohmaterial für den Kunststoff befinde, werde derzeit untersucht. Man sei offen dafür, einen nicht-tierischen Ersatzstoff zu verwenden, der dieselben Eigenschaften garantiere. Das werde aber sicherlich "nicht über Nacht" zu bewältigen sein, sagte eine Sprecherin.

fin