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Übernahme: Die Zukunft der Postbank bleibt ungewiss

Das zum Verkauf ausgelobte Paket der Postbank erregt Begehrlichkeiten: Angeblich erwägt die Deutsche Bank eine Übernahme für rund sechs Milliarden Euro. Doch eine Übernahme wird von Analysten nicht nur wohlwollend beurteilt.

Die Zukunft der Postbank ist weiter ungewiss. Nach Medienberichten erwägt die Deutsche Bank eine Übernahme für rund sechs Milliarden Euro. Der Vorstand der größten deutschen Bank beschäftigte sich am Dienstag in Frankfurt mit einem möglichen Einstieg bei der Postbank. Aus der regulären Sitzung drang bis zum Nachmittag kein Ergebnis nach außen. Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte: "Zu Marktgerüchten nehmen wir keine Stellung." Die Post hatte am Vortag Gespräche mit der Deutschen Bank dementiert.

Imageschaden befürchtet

Nach Angaben von Insidern hält der Deutsche Bank-Vorstand mehrheitlich den Preis von sechs Milliarden Euro für zu hoch. Man fürchte zudem einen Imageschaden, da die Deutsche Bank gleichzeitig als Konsortialführerin die Postbank beim geplanten Börsengang berät, verlautete aus den Bankentürmen. Die Gewerkschaft ver.di forderte schnelle Klarheit und fürchtet im Fall einer Übernahme den Verlust von tausenden Arbeitsplätzen.

Laut Finanzkreisen erwägt die Deutsche Bank ein Barangebot. "Die Übernahme macht nur Sinn, wenn die Deutsche Bank die Mehrheit besitzt und über die Strategie der Postbank bestimmen kann", sagte Olaf Kayser von der Landesbank Rheinland-Pfalz. Die Deutsche Bank würde durch den Kauf der Postbank mit ihren 11,5 Millionen Privatkunden ihre Kundenbasis von 8,5 Millionen mehr als verdoppeln. "Das ist ein enormes Potenzial für den blauen Riesen", findet der Analyst. Sollte sich die größte deutsche Bank für ein Angebot entscheiden, müssten die Vorbereitungen für den Börsengang der Postbank abgebrochen werden. Die Postbank will nach den Planungen am 21. Juni an die Börse gehen.

Post geht weiter von Börsengang aus

Ein Scheitern des Börsengangs wäre nach Ansicht des Banken- und Börsenfachmanns Prof. Wolfgang Gerke ein schlechtes Signal für die deutsche Börsenlandschaft. "Wir können es uns nicht leisten, dass in England und den USA ständig neue Unternehmen an die Börse gehen, während bei uns der Markt austrocknet", sagte Gerke am Dienstag in einem dpa-Gespräch in Nürnberg. "Eine erfolgreiche Neuemission könnte dagegen das Emissionsgeschäft, das fast völlig zum Erliegen gekommen ist, wieder beleben", sagte der Lehrstuhlinhaber für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg.

Die Bundesregierung und Post-Konzernchef Klaus Zumwinkel gehen ungeachtet der Übernahmespekulationen offenbar weiterhin von einem Börsengang aus. "Der Börsengang läuft exakt wie geplant", hatte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post AG am Montag in Schanghai gesagt. Zu den Einnahmen aus dem Börsengang sagte Zumwinkel am Dienstag der dpa während einer Asienreise: "Die Einnahmen bleiben zu 100 Prozent bei uns." Die Erlöse sollen für den Schuldenabbau, Pensionsrückstellungen, die Geschäftsentwicklung in Europa und den Ausbau des Briefgeschäfts eingesetzt werden. Die Postbank hüllte sich am Dienstag in Schweigen.

Begehrt: "Zweitkunden-Beziehung"

Gerke äußerte zudem Zweifel, dass Deutsche Bank und Postbank gut zusammenpassen würden. Die Kundengruppen seien sehr unterschiedlich. So habe die Postbank sehr viele "Zweitkunden-Beziehungen". Ihre Kunden seien stark an standardisierten Produkten interessiert und fragten im Schnitt nicht einmal 1,5 Bankprodukte nach. Bei den Kunden der Deutschen Bank gebe es dagegen ein Bedürfnis nach ausgefeilteren Produkten. "Es dürfte sehr schwer sein, die beiden Kundengruppen zu vermengen", sagte Gerke. Zudem sei die Postbank für ihre Kunden gerade durch die Zweigstellen in der Post interessant.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di rief Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann auf, die Gerüchte endlich zu dementieren. "Wir haben dem Börsengang der Postbank in den Aufsichtsräten unter der Voraussetzung zugestimmt, dass die Post die Mehrheit an der Postbank behält", sagte Rolf Büttner, ver.di-Bundesvorstandsmitglied und Mitglied im Aufsichtsrat der Deutschen Post, die bisher 100 Prozent der Postbankaktien hält. "Für einen Verkauf der Postbank gibt es unsere Stimme nicht." Bei einer Großfusion seien etliche tausend Arbeitsplätze sowohl bei den Banken als auch in den Filialen der Post gefährdet.

DPA