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Umstrittene Hedgefonds: Steinbrück dringt auf Lösung

Auf dem nun beginnenden G7-Treffen soll nach Worten von Peer Steinbrück der Umgang mit Hedgefonds geklärt werden. Allerdings ist der Finanzminister skeptisch, dass die umstrittenen Investoren künftig stärker kontrolliert werden.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück setzt bis zum Ende der deutschen G7-Präsidentschaft am Jahresende auf ein konkretes Konzept zum Umgang mit hochspekulativen Hedgefonds. "Ich hoffe schon, dass am Ende der deutschen Präsidentschaft wir in der Tat Schlussfolgerungen gezogen haben, wie wir mit dem Thema umgehen", sagte Steinbrück im Deutschlandfunk.

Auf dem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden Industrieländer (G7) in Essen wolle er eine entsprechende Debatte anstoßen. Die Minister wollten wissen, ob Risiken von den Hedgefonds für das weltweite Finanzierungssystem ausgingen. Dabei gehe es zunächst um einen gegenseitigen Austausch über die Risikolage. "Wir sammeln zunächst mal nur Fakten", sagte er.

"Balance in die Debatte hineinzubringen"

Steinbrück fügte hinzu, er sehe seine Aufgabe darin, "Balance in die Debatte hineinzubringen". Die Aktivitäten dieser Fonds dürften "nicht nur negativ gesehen werden". Die Bereitstellung von Beteiligungskapital sei zur Finanzierung von Unternehmen und für die Effizienz der Finanzmärkte "nicht ganz unwichtig", sagte der Minister. "Es macht keinen Sinn, die alle in ein Horrorszenario zu ziehen."

Steinbrück kündigte an, er werde über das Thema auch persönlich mit Ministerkollegen reden. Zudem sollten die Staatssekretäre beauftragt werden, das Gespräch mit Managern von Hedgefonds zu suchen. Zurückhaltend äußerte sich der Minister zu Einstufungen der Hedgefonds in Form von Ratings. "Das kann alles am Ende einer solchen Debatte stehen." Es komme jetzt jedoch darauf an, nicht gleich mit Folterwerkzeugen zu kommen.

Von dem Treffen in Essen erwartet Steinbrück "ein Prozedere, wie wir uns weiter mit diesem Thema auseinander setzen, um am Ende dann auch zu gemeinsamen Schlussfolgerungen zu kommen".

Hedgefonds verwalten nach brancheninternen Schätzungen weltweit rund 1,4 Billionen Dollar. Um auch bei fallenden Kursen hohe Erträge zu erwirtschaften, setzen sie zum Teil riskante Strategien ein. Dazu leihen sie sich auch Geld bei Banken, den so genannten Prime Brokern. Die Insolvenz eines großen, stark mit Fremdkapital gehebelten Hedgefonds kann andere Finanzmarktakteure unmittelbar beeinträchtigen.

Steinbrück sagte aber, in Deutschland sei die Gefahr solcher Kettenreaktionen aus seiner Sicht nicht so stark, weil die Fonds hier eine geringere Rolle spielten. Gleichwohl bewege wichtige Persönlichkeiten der Europäischen Zentralbank (EZB) die Frage, ob die Hedgefonds als Kreditgeber bestimmte Risiken unterbewerteten.

Reuters / Reuters