Währung Euro-Höhenflug ungebrochen


Der Euro hat seinen Höhenflug am Mittwoch beschleunigt fortgesetzt und mit 1,2127 Dollar die vierte Höchstmarke zum Dollar innerhalb von nur vier Handelstagen erreicht.

Der Euro hat seinen Höhenflug am Mittwoch beschleunigt fortgesetzt und die vierte Höchstmarke zum Dollar innerhalb von nur vier Handelstagen erreicht. Auch mit dem jüngsten Sprung auf 1,2127 Dollar ist nach Einschätzung von Devisenexperten kein Ende der Dollarschwäche abzusehen. Angesichts der enormen Verschuldung der USA und des damit einhergehenden immensen Kapitalbedarfs rücke das kräftige Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt derzeit am Devisenmarkt in den Hintergrund.

Neue Höchstmarken im Tagesrhythmus

Im Tagesrhythmus schwingt sich die Gemeinschaftswährung seit vergangenem Freitag trotz positiver Konjunkturdaten aus den USA immer wieder auf neue Höchstmarken. Seit dem 6. November hat der Euro rund 7,5 US-Cent gewonnen. Devisenexpertin Antje Praefcke von der Landesbank Hessen-Thüringen macht eine regelrechte "Kaufwut" aus. Für Chefstratege Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank ist dies aber nicht der Beginn eines Dollar-Crashs. Auch 2004 sei keine Dollarkrise zu erwarten, sondern lediglich eine allmähliche Abwertung des Dollar. Mit dieser Einschätzung stimmt Hellmeyer mit den Prognosen der DekaBank und von Morgan Stanley überein.

Allmählicher Dollarverfall

Ausgedehnte Stützungskäufe asiatischer Notenbanken dämpften derzeit den unvermeidlichen Dollarverfall, sagte Hellmeyer. Für die USA sind die asiatischen Notenbanken derzeit der Hauptkapitalgeber. Gründe für eine anhaltende Dollarschwäche sieht der Experte im grundlegenden Scheitern der USA in ihrer Außen-, Handels-, Konjunktur-, und Fiskalpolitik. "Insbesondere die Haushaltspolitik in den USA ist außer Rand und Band geraten", sagte Hellmeyer. Angesichts dieses insgesamt "außerordentlich giftigen Cocktails" rechnet Hellmeyer mit einem weiteren Euro-Anstieg auf 1,23 bis 1,25 Dollar bis Dezember. Und ein Ende des Höhenfluges sei damit noch nicht abzusehen. Im kommenden Jahr dürfte der Euro bis auf 1,40 Dollar steigen. Allerdings seien zwischenzeitliche Rückschläge wahrscheinlich.

Zwei Schritt vor, ein Schritt zurück

"Mit zwei Schritte vorwärts und wieder ein Schritt zurück" beschreibt Devisenexperte Tim Stewart von Morgan Stanley das Muster des Kursrutsches des Dollar. Mittelfristig dürfte der Dollar weiter zur Schwäche tendieren. Ein regelrechter Dollar-Crash sei 2004 aber nicht zu erwarten. Denn an einem Dollar-Verfall mit weit reichenden Wirkungen für Aktien- und Anleihemärkte habe niemand ein Interesse.

Kein Dollar-Crash erwartet

Auch DekaBank-Chefvolkswirt Michael Hüther rechnet nicht mit einem Dollar-Crash. Ein solches Szenario sei nicht wahrscheinlich. Gleichwohl könnte eine zu starke Aufwertung des Euro zum Dollar «die Konjunktur weltweit aus den Angeln heben». Ende 2004 dürfte der Euro bis auf 1,25 Dollar klettern. Eine weitere Abschwächung des Dollar erscheine unabhängig von dem weiter vorhandenen Wachstumsvorsprung der US-Wirtschaft wahrscheinlich. Nach Einschätzung des Devisenexperten Carsten Fritsch von der Commerzbank stehen derzeit in erster Linie Dollar belastende Faktoren im Fokus, während positive Nachrichten ignoriert würden. Auch für Volkswirt Thomas Amend vom Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt steht die Richtung fest: "Der Euro wird den Höhenflug fortsetzen."

Johannes Haller DPA

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