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Wirtschaftskrise: Höhenflug des Euro macht Sorgen

Nie zuvor hat der Euro innerhalb einer Woche mehr an Wert gewonnen als in diesen Tagen. Für die deutschen Exporteure ist das eine schlechte Nachricht. Sie leiden derzeit ohnehin unter einer schwachen Nachfrage. Europas Zentralbank sieht die Stabilität der Gemeinschaftswährung in Gefahr.

Die deutsche Wirtschaft reagiert besorgt auf den enormen Höhenflug des Euro. "Das kommt zur Unzeit", sagte der Konjunkturexperte des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagebau (VDMA), Olaf Wortmann, am Donnerstag. "Das ist eine zusätzliche Belastung für die gesamte Exportwirtschaft." Sie stehe wegen der weltweit sinkenden Nachfrage ohnehin unter Druck. Auch die Finanzhüter schauen mit Sorge auf die steigenden Eurokurse. Sie fürchten um die Stabilität der europäischen Währung.

Der Euro kletterte am Donnerstagvormittag zeitweise über die Marke von 1,47 Dollar. Er gewann damit in der laufenden Woche um rund acht Prozent an Wert - das ist der kräftigste Anstieg innerhalb einer Woche seit Einführung der Gemeinschaftswährung 1999. Ein hoher Eurokurs verteuert deutsche Ausfuhren in andere Währungsräume - und die deutsche Wirtschaft lebt bekanntlich in erster Linie vom Export.

Leitzinsen auf historischem Tiefstand

"Die Regierungen haben Ausgabenprogramme aufgelegt, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen", nannte EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark der Zeitschrift "manager magazin" einen Auslöser für den raschen Euro-Anstieg. Auch die Geldpolitik sei weltweit massiv gelockert worden und die Leitzinsen auf einem historisch niedrigen Stand. So senkte die US-Notenbank am Dienstag ihren Leitzins praktisch auf null. "Wir müssen sehr aufpassen, dass eine solche Politik nicht zu erneuten Übertreibungen und einer steigenden Inflation führt."

Es gehe dabei vor allem um das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Finanzmärkte in die Solidität der öffentlichen Finanzen und die Stabilität des Euro. Notenbanken und Regierungen müssten schnell auf einen restriktiven Kurs einschwenken, sobald die Krise vorbei sei. "Die Zeit des sehr billigen Geldes kann und darf nicht ewig dauern", forderte Stark.

Exporteure plädieren für weitere Zinssenkung

Dessen ungeachtet forderte der VDMA die EZB zu raschen weiteren Zinssenkungen auf. "Sie täte gut daran, die Zinsen zu senken", sagte Konjunkturexperte Wortmann. "Das könnte die Wechselkurse entspannen." Die EZB könne sich Zinssenkungen angesichts des geringen Preisauftriebs noch erlauben. Der Euro sei klar überbewertet und sorge so für einen Wettbewerbsnachteil für deutsche Exporteure.

Reuters/DPA / DPA / Reuters