Wirtschaftspolitik Armutsrisiko geht zurück


Zum ersten Mal seit zehn Jahren geht das Armutsrisiko zurück. Das geht aus zwei Studien hervor, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung vorgestellt hat. Erstmals seit der Wiedervereinigung ist auch die Ungleichheit bei der Einkommensverteilung gesunken.

In Deutschland sind dank der sinkenden Arbeitslosigkeit erstmals seit zehn Jahren wieder weniger Haushalte von Armut bedroht. Das geht aus zwei Studien hervor, die das Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) am Dienstag in Berlin vorgestellt hat.

Der Anteil der als armutsgefährdet geltenden Menschen sei 2006 auf 16,5 Prozent nach 18 Prozent im Jahr zuvor gesunken, heißt es vonseiten des DIW. Dies seien über eine Million Menschen weniger. Das DIW schreibt dies unter anderem den Arbeitsmarktreformen der vergangenen Jahre zu. Arbeitslosigkeit sei weiterhin der Hauptgrund für die Bedrohung durch Armut.

Niedriglohnsektor bleibt konstant

Parallel zum Abbau der Arbeitslosigkeit seit 2006 habe sich auch die Art der Beschäftigung positiv entwickelt, denn der Niedriglohnsektor habe nicht weiter an Bedeutung gewonnen. Der Anteil der Arbeitnehmer in diesem Sektor blieb laut DIW zwischen 2006 und 2007 konstant.

Auch der Trend der immer weiter wachsenden Spanne zwischen hohen und niedrigen Einkommen sei gestoppt, berichtete das DIW. Seit Mitte der Neunzigerjahre sei diese zuvor immer größer geworden.

Dem DIW zufolge bleibt jedoch das Risiko von Dauerarmut weiterhin hoch. So stieg der Anteil derjenigen, die mindestens zwei Jahre unterhalb der Armutsgrenze lebten, von den Neunzigerjahren bis 2006 und 2007 um die Hälfte auf nun 12 Prozent. Als arm gilt, wer als Single weniger als 891 Euro im Monat oder als Paar mit zwei Kindern 1871 Euro einnimmt. Das entspricht 60 Prozent des mittleren Einkommens aller Erwerbstätigen.

Trendumkehr oder doch nur die Auswirkungen der guten Konjunktur?

"Unsere Untersuchungen zeigen: Mehr Wachstum hat seit Beginn des Aufschwungs mit den Arbeitsmarktreformen zu mehr Beschäftigung und damit zu weniger Armut und weniger Ungleichheit geführt", sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann.

Die Wirtschaftsforscher sehen in den Studienergebnissen auch Ansatzpunkte in der Debatte über Arbeitsmarktreformen. Sie ziehen den Schluss, dass weniger Armut und weniger Ungleichheit mit Reformen vereinbar seien. Allerdings sei offen, ob es sich um eine dauerhafte Trendumkehr handele oder nur um die Effekte einer guten Konjunktur.

Die DIW-Studien beruhen auf Daten des Sozioökonomischen Panels (SOEP). Für diese Langzeiterhebung werden seit 25 Jahren jährlich mehr als 10.000 Haushalte befragt. Die jetzt veröffentlichten Untersuchungen basieren auf den Daten einer Erhebung von 2007.

AP/Reuters/AFP AP Reuters

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