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Zerstörte Geldscheine: Die Retter der misshandelten Noten

Ob versehentlich geschreddert, angesengt oder mitgewaschen: In der Hauptverwaltung Mainz der Deutschen Bundesbank ist man auf die Restaurierung fast zerstörter Geldscheine spezialisiert. Doch manchmal ist man selbst dort hilflos.

Die Mitarbeiter der Recyclingfirma staunten nicht schlecht, als beim Schreddern alter Möbel plötzlich Geldscheinfetzen durch die Luft flatterten. Irgendwer hatte die Banknoten in den Möbeln versteckt, doch woher das Mobiliar stammte, ließ sich nicht mehr klären. Also wurden die von der Maschine zerrissenen Scheine Eigentum der Firma, die nun ein Problem hatte: Wer setzt die Noten zusammen und tauscht sie in neue um? Hilfe fand die Firma bei der Hauptverwaltung Mainz der Deutschen Bundesbank. Sie beherbergt ein bundesweit einzigartiges Analysezentrum, das auf die Untersuchung von beschädigtem Geld spezialisiert ist.

Die Abteilung bekommt mitunter Erstaunliches zu hören: "Geld wird von Tieren gefressen, Geld wird gewaschen - in Waschmaschinen ganz konkret", zählt Bundesbankdirektor Helmut Rittgen einige Beispiele auf. Doch die Hauptverwaltung hat noch andere Spezialaufgaben: Sie "hortet" das neu gedruckte Geld, bevor es unter schwerer Bewachung an die acht anderen Hauptverwaltungen im Bundesgebiet verteilt wird.

Arbeit hinter verschlossenen Türen

Im Gegensatz zu den Kollegen von der "Falschgeld-Stelle" sitzen die mit beschädigtem Geld befassten Mitarbeiter hinter verschlossenen Türen. Kein Wunder: Sie hätten - anders als die Falschgeldexperten - mit echten Werten zu tun, erklärt Rittgen. Und die Beträge sind mitunter beträchtlich: Stolz präsentieren die Mitarbeiter der Abteilung mehrere Stapel 100-D-Mark-Scheine, die sie in wochenlanger Arbeit aus blauen Schnipseln zusammengepuzzelt haben: Es ist das Geld aus der Recyclingfirma. Bislang ist ein fünfstelliger Betrag zusammengekommen. Ersetzt werden grundsätzlich nur Scheine, von denen mehr als die Hälfte vorliegt.

22.500 Fälle von beschädigtem Geld hatten die 12 Mitarbeiter der Abteilung im Jahr 2006 zu bearbeiten. Nicht alles ist problematisch: Häufig geht es nur darum, dass eine Banknote mehrmals durchgerissen wurde. Schwieriger wird es, wenn Scheine in einen Reißwolf wanderten, was schon bei Kindern und verwirrten Menschen vorkam. So wird in der Abteilung seit mehreren Tagen an Reißwolf-Schnipseln gearbeitet, die im Nachlass einer alten Dame von deren Erben entdeckt wurde. Die Detektivarbeit brachte an den Tag, dass es sich um D-Mark- und Euro-Noten im Wert eines fünfstelligen Eurobetrages handelt. Weshalb die Dame das Geld zerstörte, ist unklar.

Bei der Rekonstruktion der Noten orientieren sich die Mitarbeiter an bestimmten Merkmalen, zu denen aus Sicherheitsgründen keine Angaben gemacht werden. Haben sie es mit verbranntem Geld zu tun, hilft mitunter ein Blick durchs Mikroskop: In jede Note sind Linien und Schriftzeichen eingearbeitet, die auch in der Asche noch zu erkennen sind. Vor allem bei Wohnungsbränden geht Geld in Flammen auf, aber auch zur Weihnachtszeit, wenn Scheine zu nah am Adventskranz liegen. Besonders viel Arbeit hatte die Abteilung mit einem Geldautomaten, den Unbekannte sprengen wollten.

Laminieren zerstört die Banknoten

Derzeit macht ein neuer Trend den Bankern zu schaffen: Das Einschweißen (Laminieren) von Geldscheinen in Folie zu Schmuck- oder Bastelzwecken. "Diese Folie verbindet sich mit der Note - die wird ja heiß gemacht und schmilzt - und man bekommt die Note nicht mehr rausgelöst", erklärt Rittgen. Er weist darauf hin, dass es keinen Ersatz gibt, wenn Geld mutwillig zerstört wird. An eine Grenze stößt auch schnell, wer sich für den Tresor der Hauptverwaltung interessiert. Rittgen sagt nur dies: "Das Geld wird auf Paletten gelagert, es sind sehr, sehr große Einheiten. Man kann es sich vorstellen wie ein industrielles Lager."

Die Vorrangstellung der Europäischen Zentralbank hat nach seiner Darstellung nahezu keine Auswirkungen auf die Aufgabe der Bundesbank, neues Geld auszugeben und altes einzuziehen: Die EZB treffe zwar die geldpolitischen Entscheidungen, mit dem operativen Geschäft habe sie aber so gut wie nichts zu tun. "Die Geschäfte sind weitgehend den nationalen Zentralbanken erhalten geblieben." Ein Teil der Arbeit, etwa das Aussortieren von unbrauchbaren Scheinen und die Falschgelderkennung, soll künftig neben der Bundesbank auch von Banken und Wertdienstleistern mit von der Bundesbank zertifizierten Maschinen erledigt werden können.

Jasper Rothfels/DPA / DPA