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Bausparkasse: "Schnelle Lösung"

Dietrich Schroeder, Chef der Bausparkasse Badenia, lenkt ein: Er will zahlungsunfähige Käufer von Schrott-Immobilien entschädigen.

Herr Schroeder, stimmen Sie uns zu, dass es jenseits des geltenden Rechts weitere Kriterien gibt für das Handeln eines Vorstandschefs?

Natürlich muss das Handeln des Vorstandsvorsitzenden auch bestimmt werden von Ethik und Moral im Geschäftsverkehr. Ich halte sehr viel davon.

Das erkennt Verbraucherschutzministerin Renate Künast bei Ihnen aber nicht. Im stern hat sie das Geschäftsgebaren der Badenia den Kunden gegenüber als "BSE-Fall im Bankenbereich" bezeichnet.

Der Vorwurf hat mich fassungslos gemacht. Der Vergleich ist schlichtweg ein Skandal, eine Ungeheuerlichkeit einer deutschen Ministerin.

Mehr als 8000 Badenia-Kunden haben Wohnungen als Wohnvorsorge gekauft. Viele der Kunden sind heute bankrott. Sie sitzen auf Schrott-Immobilien, die aufgrund extremer, versteckter Provisionen überteuert waren.

Ihre Wirklichkeit muss ich zurechtrücken. Unzufrieden sind nicht 8000, sondern knapp 2000 Kunden. Die anderen bedienen ihre Schulden ohne Umstände.

Die versteckten Provisionen betrugen bis zu 40 Prozent, frühere Badenia-Mitarbeiter sagen, sie seien noch höher gewesen.

Ich hörte von 30 Prozent.

Und das soll seriös sein? Sie waren früher Vorstand der Leonberger Bausparkasse. Hat man dort auch solche Geschäfte gemacht?

Als Bausparkasse interessiert mich nicht die Provision, sondern nur die Frage: Ist der Preis marktgerecht? Finanziere ich ihn? Wenn Sie mich als Privatmann fragen: Wenn ich als Käufer wüsste, dass da einer 40 Prozent Provision reinrechnet, würde ich sagen, du hast sie ja nicht alle, gib mir 20 Prozent zurück. Aber damit hat das finanzierende Institut nichts zu tun. Das ist eine Rechtsbeziehung zwischen Käufer und Verkäufer.

Sie weichen aus. Wie war das bei der Leonberger?

Die hat solche Geschäfte nicht gemacht. Und die Badenia macht sie jetzt auch nicht.

Nicht mehr?

Sie macht sie jetzt auch nicht mehr - seit ich hier im Hause bin. Als Richter über meine Vorgänger trete ich nicht auf.

Was die angerichtet haben, kann Ihnen nicht verborgen geblieben sein, als Sie im Frühjahr 2002 zur Badenia kamen.

Ich hatte zu keiner Stunde die Erwartung, mich in ein gemachtes Bett zu legen.

Sie haben gedacht, worauf habe ich mich da nur eingelassen?

Das hat meine Frau gedacht, ich nicht. Ich habe mir gesagt: Auf leichte Wege schickt man nur die Schwachen. Meine Arbeit hier ist nicht immer Honigschlecken, aber es hat mir noch keinen Tag leid getan.

Ist zeitweilig vom italienischen Mutterkonzern der Badenia, der AMB Generali, daran gedacht worden, die Bausparkasse in die Insolvenz gehen zu lassen?

Insolvenz ist nie ein Thema gewesen, zu keiner Zeit. Was mich betrifft: Wir haben 1,5 Millionen Kunden, über 99 Prozent sind zufrieden. Gegen eine solche Lösung wäre ich bis zum Papst gezogen. Eine baden-württembergische Bausparkasse, die in die Schieflage gerät, das wäre das Schlimmste. Das darf es im Interesse aller Bausparer niemals geben.

Badenia-Kunden haben mit Ihrem Antritt die Hoffnung verbunden, dass es in Härtefällen großzügige Lösungen gibt. Davon ist wenig zu sehen. Sie pfänden nach wie vor rigoros.

Wir müssen doch erst einmal prüfen, ob der Kunde zahlungsunfähig oder nur zahlungsunwillig ist. Wenn Zahlungsunfähigkeit nachgewiesen ist, suchen wir nach Vergleichen.

Sie pfänden auch Kranke.

Was sollte ich als Kreditinstitut tun? Wenn ich auf Forderungen verzichte, weil einer ernstlich krank ist, dann haben wir neue Spielregeln im Kreditgeschäft. Auch sehr reiche Leute können krank werden. Krank und arm - das heißt: Zahlungsunfähigkeit droht - ist allerdings besonders schlimm. Da helfen wir.

Vier Menschen, die Badenia-Kunden waren, haben Selbstmord begangen, darunter Anja Schüller. An ihrem Totenbett fand man Ihren Pfändungsbeschluss über 70.000 Euro. Fühlt sich die Badenia mitverantwortlich?

Bis heute ist nicht erwiesen, dass die Badenia ursächlich war für die Tat, was ich im Übrigen heftig bestreite. Die Schuldzuweisungen sind unsäglich. Gleichwohl: Ich bedauere den Tod der jungen Frau außerordentlich.

Im Fall der Krankenschwester Schüller war nach anderthalb Jahren Gezerre klar, dass bei ihr nichts mehr herauszupressen war.

Der Fall Schüller ist von vielen Merkwür-digkeiten gezeichnet und vor allem im Jahr 2004 falsch gelaufen.

Falsch gelaufen, das klingt zynisch.

Es ging am Ende um einen Betrag von 15.000 Euro. Man hätte sich zusammensetzen müssen, um zu klären, was sie denn nun verkraften kann. Dazu ist es leider nicht gekommen. Hat der Vater geholfen, dieses Joch von ihren Schultern zu nehmen? Haben ihre Anwälte ihr geholfen? Wer ist denn nun schuld an diesem Geschehen?

Vater Schüller wollte im Rahmen einer Demonstration vor der Badenia mit Ihnen sprechen. Sie haben das Haus abschließen lassen. Weshalb haben Sie sich gedrückt?

So etwas geht doch nicht auf der Straße und vor Zuschauern. Wenn Herr Schüller den Wunsch geäußert hätte, mit mir zu sprechen, und zwar am besten vor dem Tod seiner Tochter, dann hätte ich das getan! Bitte sehen Sie es mir nach: Ich möchte mich hier über die unseligen Details dieses Falls nicht mehr äußern.

Bis heute behauptet die Badenia, sie habe die Verkäufe der Schrott-Immobilien nur finanziert, nicht vermittelt. Dumm für Sie, dass ein Gutachten der Wirtschaftsprüfer Price-Waterhouse-Coopers (PWC) unter anderem feststellt, dass die Vermittlerfirma Heinen & Biege "nur noch als Strohmann fungiert hat".

Wir haben wirklich nur finanziert. Der Strohmann-Vorwurf wird abgeleitet aus einer Beziehung des Herrn Agostini zu den Herren Heine und Biege…

Herr Agostini war Badenia-Finanzvorstand!

…deswegen sage ich: Lasst die Gerichte darüber befinden.

Das Oberlandesgericht in Karlsruhe hat in einem Urteil massive Betrugsvorwürfe gegen die Badenia erhoben.

Das OLG ist das einzige Gericht, das einen Betrugsvorwurf erhebt. Wir sind in Revision gegangen, denn es gab keinen Betrug. In 84 anderen Fällen haben die Gerichte zu unseren Gunsten geurteilt.

Die PWC-Bewertung des Badenia-Verhaltens wird von Ihnen unter Verschluss gehalten. Sie gehen sogar gegen die Mannheimer Staatsanwaltschaft vor, um zu verhindern, dass sie auf den Markt kommt.

Weshalb sollte ein Vorstand eines Kreditinstituts interne Papiere auf den Markt tragen? Was in Prüfungsberichten und Sonderprüfungsberichten steht, ist bei allen Unternehmen und insbesondere natürlich bei Kreditinstituten Geschäftsgeheimnis.

Weshalb unternehmen Sie nichts gegen den bekannten Strafrechtsprofessor Günter Kohlmann, der ebenfalls behauptet, dass hier ein in Mittäterschaft begangener Betrug der Badenia vorliegt?

Das haben wir natürlich prüfen lassen. Es ist lediglich eine persönliche Wertung von Herrn Kohlmann. Andere mit dem Fall befasste Juristen sehen das anders.

Halten Sie als jetzt amtierender Vorstandschef das Geschäftsgebaren der Badenia für in Ordnung?

Vom ersten Tag an sorge ich dafür, dass es solche Fälle in der Zukunft nicht mehr gibt. Reicht Ihnen diese Antwort?

Nein. Die Badenia ist durch Ihre Vorgänger ins Zwielicht geraten. Sie gehen aber nicht klar auf Distanz dazu.

Ich werde mich in der Öffentlichkeit nicht gegen ausgeschiedene Vorstandsmitglieder wenden. Ich drücke die Distanz doch dadurch aus, dass ich jeden Tag, den Gott werden lässt, etwas anderes vorlebe.

Aber Sie distanzieren sich nicht von den üblen Praktiken.

Als Vorstand bin ich Sachwalter fremden Vermögens, das ich in jedem Fall schützen muss. Das ist in der Vergangenheit nachweislich nicht immer gelungen.

Würden Sie uns darin zustimmen, dass die Badenia den Gedanken des Bausparens in Deutschland diskreditiert hat?

(Schweigt lange.) Tja, das hat dem Gedanken mit Sicherheit nicht genutzt. Die Art der Finanzierungen, die gemacht worden sind, hat uns nicht zum Vorteil gereicht.

Dann geben Sie bitte eine klare Antwort auf die Frage: Wird es künftig leichter und schneller Vergleiche geben mit Badenia-Kunden, die klamm geworden sind?

Darauf antworte ich mit einem klaren Ja, weil das auch im wohlverstandenen eigenen Interesse ist. Wenn sich abzeichnet, dass ein Kunde zahlungsunfähig ist, da will ich eine schnelle und überzeugende Lösung des Problems. Es wird angemessene Kurskorrekturen geben.

Was heißt das konkret?

Unsere Strategie ist es nicht, die Kunden wie Zitronen auszupressen. Ich lasse mich nicht in die Jacke des Shylocks stecken. Aber wir wollen und können auch nicht als die Silbersäcke von Karlsruhe dastehen, die ihr Geld nicht schnell genug verschenken können.

Die Bedrängten können hoffen?

Ja! Ganz sicher! Aber nur die und nicht die Zahlungsunwilligen. Und auch nicht diejenigen, die mit diesen ihr Geschäft zu machen trachten.

Interview: Rainer Nübel/Hans Peter Schütz

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