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Berlin: Aktion gegen hohe Mietpreise: Unbekannte richten Büro in leerem U-Bahn-Tunnel ein

In einem verlassenen U-Bahn-Tunnel in Berlin haben Unbekannte ein Büro eingerichtet. Die Installation bezieht sich vermutlich auf den Umzug des CDU-Hauptstadtbüros. Die Regierungspartei muss wegen zu hoher Miete umziehen.

In Berlin haben Unbekannte in einem leeren U-Bahn-Schacht der Linie U9 ein Büro eingerichtet. Der stillgelegte Tunnel befindet sich zwischen den U-Bahn-Stationen Schloßstraße und Rathaus Steglitz. Die Unbekannten verlegten blauen Teppich, strichen die Wände weiß und bauten Bürogegenstände auf: einen Schreibtisch, zwei Stühle, Monitore, Drucker und eine Leselampe. An den Wände hängten sie eine Karte der Hauptstadt sowie ein vermeintliches Wahlplakat des CDU-Bundestagsabgeordneten aus Tempelhof Schöneberg, Jan-Marco Luczak. Das ist auf einem Foto zu sehen, das das Künstlerkollektiv "Rocco und seine Brüder" auf Instagram gepostet hat. Auf dem Plakat steht "Gegen Mietendeckel klagen", das Wort "gegen" ist jedoch rot durchgestrichen.

Die Installation des Büros bezieht sich vermutlich auf den Umzug des CDU-Büros in Berlin, wie "Der Tagesspiegel" berichtet. Die Miete für das Büro in der Kleiststraße in Tempelhof-Schöneberg ist der CDU zu teuer geworden. Das Büro liegt in dem Bezirk, in dem Luczak sein Bundestags-Direktmandat gewonnen hat. Die BVG hat das Büro umgehend entfernen lassen. Nun werden Videoaufnahmen ausgewertet, um die Unbekannten zu finden.

2016 gab es eine ähnliche Aktion

Die "Bild"-Zeitung zitiert einen angeblichen Mitarbeiter der BVG, Norbert Schmidt, der das Büro im U-Bahn-Schacht entdeckt haben soll. "Man trifft Obdachlose, dann verrückte Kunstwerke, herumrennende Graffiti-Sprayer. Da wird schon jede Schicht zum Abenteuer." Eine ähnliche Aktion hatte es an der gleichen Stelle des Tunnels schon 2016 gegeben. Damals hatte das Künstlerkollektiv ein Schlafzimmer eingerichtet. Auch da soll Norbert Schmidt das Schlafzimmer gefunden haben. Die Sprecherin der BVG, Petra Nelken, sagte dem "Tagesspiegel", dass es keinen Mitarbeiter mit diesem Namen bei der BVG gäbe. Auf Anfrage des "Tagesspiegels" antwortete das Kollektiv, bei Fragen zu der Aktion solle man sich an die Vormieter wenden. "Die wurden ja verdrängt. Genau wie die CDU'."

Das Plakat ist eine Fälschung

Das Plakat des CDU-Politikers Luczak soll es nach Angaben seines Sprechers in dieser Form nie gegeben haben. Der Slogan "Gegen Mietendeckel klagen" verwendete das Büro von Luczak jedoch für eine  Social-Media-Kampagne. Das Plakat und die gesamte Installation scheinen somit auf die Debatte um den Mietendeckel zu verweisen. Die Wohnunsgnot in der Hauptstadt wird immer größer und die Mieten steigen enorm. Damit muss momentan auch die CDU in Berlin Erfahrungen machen. Die Partei muss ihr Büro in Tempelhof-Schöneberg verlassen, weil die Miete zu teuer geworden ist. Wie "Der Tagesspiegel" berichtet, soll sie sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht haben.

Quellen: "Der Tagesspiegel", "Bild"

fis