HOME

Mieter-Etikette: Fair Play auf dem Balkon

Sommer, Sonne und die WM im eigenen Land - da können auch Mieter ganz schön enthusiastisch werden. Doch bei Grillvergnügen und Torjubel ist ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt - dann klappt's auch mit dem Nachbarn.

Die meisten Deutschen werden die Fußballweltmeisterschaft nicht im Stadion erleben, sondern zu Hause. Aber egal, ob Jubelrufe oder Empörungsschreie: "Jeder Mieter muss Rücksicht auf seine Nachbarn nehmen, das gilt auch während der WM", mahnt Jürgen Michael Schick, Vizepräsident und Sprecher des Immobilienverbands Deutschland (IVD). Fair Play gelte ebenfalls, wenn das Fußball-Spektakel mit Rostbratwürsten und Holzfällersteaks unterfüttert werde.

Keine "unzumutbare Belästigung"

"Grillen ist in den Sommermonaten durchaus üblich", sagt Schick und "gelegentliches Grillen auf der Terrasse, im Garten oder auf dem Balkon in Ordnung, vorausgesetzt, dass die Nachbarn dadurch nicht unzumutbar belästigt werden." Das sehen ebenso Gerichte, beispielsweise das Landgericht Stuttgart (AZ: 10 T 359/96). Mieter müssten aber sicherstellen, dass kein dichter Qualm entsteht, der in die Wohnung der Nachbarn ziehen könne.

"Das ist zum Beispiel möglich, indem sie das Grillgut in Alufolie wickeln oder gleich einen Elektrogrill statt des Kohlegrills verwenden", rät Schick. Außerdem sollte der Grill mit möglichst großem Abstand zur Nachbarwohnung aufgebaut werden (LG München / AZ: 15 S 22735/03). Nach Ansicht des Amtsgerichts Hamburg (AZ: 40 C 229/72) oder des Landgerichts Düsseldorf (AZ: 25 T 435/90) darf auf einem Balkon überhaupt nicht mit offenem Holzkohlefeuer gegrillt werden. Erlaubt ist demnach nur ein Elektrogrill.

Absolute Nachtruhe beachten

Der laut aufgedrehte Fernseher auf dem Balkon, Jubel- oder Trauerschreie: Lärm ist ein weiterer Zankapfel, den der Berliner Rechtsanwalt Ulrich Joerss während der Fußballweltmeisterschaft verstärkt zwischen Mietern aufkommen sieht. "Die Rechtslage ist hier allerdings eindeutig. Zwischen 22.00 und 07.00 Uhr gilt absolute Nachtruhe", sagt Joerss mit Bezug auf das Oberlandesgericht Düsseldorf (AZ: 5 Ss-Owi-149/95). Uneinheitlich ist die Rechtsprechung zu der Frage, ob Nachbarn bei besonderen Party-Anlässen, etwa zu einer WM-Siegesfeier, auch mal bei der Nachtruhe ein Auge zudrücken müssen.

mit DDP