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Werbungskosten: Nicht alles ist absetzbar

Immobilieneigentümer rätseln beim Ausfüllen ihrer Steuererklärung gerne darüber, welche Ausgaben als Werbungskosten abgesetzt werden können. Ein Überblick über die neuen Gerichtsurteile.

Als Faustregel gilt: Immer dann, wenn Einnahmen gesichert oder erhalten werden, entsteht ein Anspruch auf Werbungskostenabzug. Nach Angaben des Infodienstes Recht und Steuern der LBS gibt es eine Reihe von Gerichtsurteilen, aus denen hervorgeht, wann der Staat mithilft und wann nicht. So entschied das niedersächsische Finanzgericht, dass Werbungskosten für ein Arbeitszimmer im eigenen Haus auch während der Babypause absetzbar sind (AZ: 9 K 505/99). In dem Fall hatte das Finanzamt die Ausgaben einer zu Hause arbeitenden Personalreferentin für ein Arbeitszimmer im eigenen Haus nicht mehr als Werbungskosten anerkannt, weil sie während der einjährigen Pause nichts verdient habe. Nach Auffassung des Gerichts hatte die Frau jedoch glaubhaft geltend gemacht, dass sie sich während ihrer Babypause im Beruf fortbilde und den Beruf danach wieder aufnehmen wolle.  

Berufsbedingter Umzug

Ebenso sind die Kosten für einen beruflich bedingten Umzug im Prinzip von der Steuer absetzbar. Dazu zählt aber nicht der Kauf eines Hauses. Auch für im Nachhinein entstandene Verluste haftet der Fiskus nicht, wie aus einem Urteil des Bundesfinanzhofes hervorgeht (AZ: VI R 28/97). In diesem Fall hatte sich ein Arbeitnehmer, der auf Wunsch seiner Firma einen Ortswechsel vornahm, ein Einfamilienhaus gekauft. Dann überlegte es sich der Arbeitgeber anders und der Beschäftigte musste wieder zurückkehren. Seine Verluste beim Verkauf des Hauses wollte er steuerlich geltend machen. Der Fiskus und in letzter Instanz der Bundesfinanzhof entschieden aber, dass Kauf und Wiederverkauf einer Immobilie im Gegensatz zu den reinen Umzugskosten zu den Ausgaben der privaten Lebensführung gehörten. An diesen beteiligt sich der Staat nicht.

Die Umzugskosten können auch nur einmal geltend gemacht werden. Wer also an seinem neuen Arbeitsort erst in eine Mietwohnung zieht und ein Jahr später in ein Einfamilienhaus, hat keinen Anspruch auf einen staatlichen Zuschuss, urteilte das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (AZ: VI R 6/01). Einmal Werbungskosten sei genug, entschieden die Richter, zumal die erste Wohnung durchaus dem bis dahin üblichen Lebensstandard des Mannes entsprochen habe.  

Werbungskosten müssen nicht zurückgezahlt werden

Aus einem weiteren Urteil des Bundesfinanzhofes geht hervor, dass einmal gewährte Werbungskosten nicht zurückgezahlt werden müssen (AZ: IX R 55/02). In dem Fall war das Finanzamt davon ausgegangen, dass eine gekaufte Wohnung vermietet wird. Der Käufer war dann aber doch selbst eingezogen. Laut Urteil darf der Steuerzahler trotz seines Sinneswandels nicht mehr nachträglich zur Kasse gebeten werden, wenn er glaubhaft machen kann, dass er ursprünglich vermieten wollte.   Bei der Vermietung von Immobilien an Verwandte können wie bei einem Vertragsverhältnis mit Fremden Werbungskosten veranschlagt werden. Doch raten die LBS-Experten zur Vorsicht: Die Miete sollte nicht zu niedrig sein. Nur dann, wenn mindestens 75 Prozent der ortsüblichen Miete verlangt werden, ist ein voller Genuss der steuerlichen Vorteile möglich. Das geht aus einem Urteil des Bundesfinanzhofes hervor (AZ: IX R 48/01). Bei geringeren Zahlungen sei folglich nur ein anteiliger Abzug der Werbungskosten möglich.

Michael Wojtek/DDP / DDP
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