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ARD-Experiment: Wie man eine verschimmelte Bruchbude als Traum-Immobilie verkauft

Der Immobilienmarkt ist überhitzt, das nutzen manche Verkäufer schamlos aus. Die ARD zeigt in einem Experiment, wie leicht man Wohnungskäufer mit Schrott-Immobilien übers Ohr hauen kann.

Alles nur Fassade: Schrott-Immobilie vor und nach der Billig-Sanierung

Alles nur Fassade: Schrott-Immobilie vor und nach der Billig-Sanierung

Wer eine Immobilie kaufen will, sollte den Zustand des Objektes eigentlich vorher genau prüfen - am besten von einem Bausachverständigen. Doch vielerorts ist der Wohnungsmarkt so überhitzt, dass eine ordentliche Prüfung ausfällt. Der Verkäufer macht Druck, alles soll ganz schnell gehen, sonst bekommt eben ein anderer Interessent den Zuschlag. Wer Pech hat, fällt auf eine Schrott-Immobilie herein.

Die ARD-Sendung "Vorsicht, Verbraucherfalle" zeigt in einem Experiment, wie leicht geübte Trickser Wohnungsmängel überdecken können, um eine Bruchbude als vermeintliche Traumimmobilie zu verkaufen.

Nikotingestank und schimmelige Wände

Eigentlich ist die 54-Quadratmeter-Wohnung in einem Karlsruher Hinterhaus ein ganz schlimmes Loch. Der Putz blättert von den Wänden, an der Decke sind Rußflecken, alles steht voller Gerümpel. Der beißende Nikotingeruch des langjährigen Mieters ist tief ins schimmelige Gemäuer gezogen. Um die Bruchbude wieder herzurichten, sind 100.000 Euro nötig, schätzt ein Bausachverständiger. 

Alles einmal überstreichen. War hier irgendwo Schimmel?

Alles einmal überstreichen. War hier irgendwo Schimmel?


Das ARD-Team geht stattdessen in den Baumarkt und kauft ganz billig ein: Keine 2300 Euro kosten die Materialien, die eine teure Sanierung vortäuschen sollen. Anschließend geht's ans Werk. Die morsche Decke verschwindet hinter billigen Spanplatten. Der günstigste Teppich von der Stange kommt auf den abgenutzten Boden. Die vergilbten Türen werden übermalt, Risse an den Wänden notdürftig kaschiert und auch der Schimmel einfach übergestrichen. Die hässlichen grünen Fliesen im Bad bleiben ebenfalls erhalten. Stattdessen: einfach Farbe drüber. Toilette und Waschbecken sind neu, aber nicht angeschlossen.

Noch ein bisschen Deko in die Regale und schon sehen die Zimmer aus wie aus dem Ikea-Katalog. Mit ein bisschen Bildbearbeitung macht ein Profifotograf aus der dunklen Bude eine lichtdurchflutete Wohnung.

Die Käufer beißen an

Ein Sachverständiger hatte den Wert der Wohnung angesichts des heruntergekommenen Zustands auf 75.000 Euro geschätzt, nach der kleinen Baumarkt-Renovierung soll sie nun 185.000 Euro kosten. Auf die Wohnungs-Anzeige melden sich 70 Interessenten.

Eine ARD-Reporterin spielt die Maklerin, kurz vor der Besichtigung versprüht sie noch ein bisschen Raumspray gegen den hartnäckigen Nikotingeruch. Den ahnungslosen Interessenten fällt überhaupt nicht auf, dass sie in einer totalen Bruchbude stehen. Eine Familie aus der Nachbarschaft will die Wohnung für die Schwiegereltern kaufen und füllt noch vor Ort eine Selbstauskunft aus, ein anderer Interessent möchte ein Büro daraus machen.

Dann löst das ARD-Team den Fake auf. Statt der überteuerten Schrott-Wohnung bekommen die Interessenten einen Gutschein für einen Bausachverständigen. Damit sie bei der nächsten Besichtigung nicht auf versteckte Mängel hereinfallen.

Was das ARD-Team mit der Wohnung angestellt hat, ist natürlich strafbar. Ein Immobilien-Verkäufer darf ihm bekannte Mängel weder kaschieren noch verschweigen. Bei weniger offensichtlichen Fällen haben es Käufer aber meist schwer nachzuweisen, dass der Verkäufer den Mangel tatsächlich bewusst verschwiegen hat.

Die Sendung "Vorsicht, Verbraucherfalle" ist in der ARD-Mediathek abrufbar.

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