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Burnout-Typologie: Risiko-Persönlichkeiten

... und was ihnen helfen kann: der Perfektionist, der Helfer, der Nicht-Nein-sagen-Könner und der Idealist.

Der Perfektionist ...

... ist davon überzeugt, das einzig gültige Lebensprinzip zu vertreten. An jeder Ecke seines Lebens wendet er sein starres Muster an. Im Beruf, im Hobby, sogar in der Liebe. Der Therapeut kann dem Perfektionisten dabei helfen, dieses Weltbild zu hinterfragen. Ein kleines Beispiel: Wenn der Perfektionist Gäste hat, muss alles perfekt sein - der Wein, das Essen, das Licht. Nun lässt sich fragen: Muss das so sein? Ist es nicht viel wichtiger, mit netten Leuten einen schönen Abend zu verbringen? Oft gibt es Lebensbereiche, in denen sich der Perfektionist selbst nicht wohlfühlt mit sich und seiner Welt. Hier lässt sich ansetzen. Viele Perfektionisten haben auf ihrem Lebensweg einen Mangel an Anerkennung erfahren. Es kann helfen, den Perfektionismus als übertriebene Jagd nach Anerkennung zu entlarven. Dann können auch unrealistische Ziele aussortiert werden. Ein wichtiger Schritt dahin ist, dass der Perfektionist lernt, Unzulänglichkeit auszuhalten. Das kann er mithilfe des Therapeuten trainieren.

Der Helfer ...

... macht sich unersetzlich und bringt dadurch andere in eine Abhängigkeit. Er ist zunächst immer verfügbar, hat für jeden ein offenes Ohr. Dabei ist der Helfer sehr manipulativ. Die Manipulation kommt meist als große Freundlichkeit daher, seine eigentlichen Motive hält der Helfer darunter verborgen. Deren gründliche Analyse steht im Vordergrund der Therapie. Der Helfer sollte sich fragen: Was von meinem Verhalten ist Manipulation? Welche eigenen Wünsche und Bedürfnisse vernachlässige ich? Wichtig für den Helfer ist die schmerzhafte Erkenntnis, dass er sein Selbstwertgefühl ausschließlich aus kalkulierter Empathie bezieht. Das ist die Falle des Helfers, die den Burnout begünstigt.

Nicht-Nein-sagen-Könner ...

... haben ihr Verhalten über lange Jahre gelernt. Das sind die Kinder, die nur dann Elternliebe bekommen haben, wenn sie brav waren. Um Nein sagen zu können, ist Stärke nötig. Ein erster Schritt ist es, das Selbstbild zu ändern. Man kann lernen, sich gut zu fühlen, auch wenn man es nicht immer allen recht macht. Um das zu erreichen, muss der Nicht-Neinsagen- Könner seine Bedürfnisse und Interessen kennenlernen. Menschen dieses Typs sind oft sehr unsicher. Der Therapeut kann ihnen dabei helfen, das Neinsagen an kleinen Herausforderungen zu trainieren. Zum Beispiel wird dem Chef der Wochenenddienst nicht gleich ganz ausgeschlagen, sondern wenigstens um eine Woche verschoben. Entscheidend ist aufzuzeigen, dass Neinsagen oft keine schlimmen Konsequenzen hat und - im Gegenteil - persönlichen Nutzen bringen kann. Viele Nicht-Nein-sagen-Könner sind nach ihren ersten Übungen erstaunt, wie viel Spielraum sie haben und wie viel leichter sich ihr Leben anfühlt.

Der Idealist ...

... setzt sich sehr ferne Ziele. Wenn der Keller gerade gebaut ist, fantasiert er über das Dach. Idealisten lassen sich gern von Ideologien oder Träumen leiten. Visionen können eine gute Orientierung sein, aber sie können auch daran hindern, den ersten kleinen Schritt zu tun, den Alltag zu meistern. Die hehren Ziele sollten etwas mit der Realität zu tun haben. Dem Idealisten kann es helfen, die großen Aufgaben, die er sich gern setzt, zu zerlegen, damit er die Detailarbeit besser bewältigen kann. Einfache Frage, die den Idealisten vor Überforderung schützt: Was heißt das für mich heute?

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