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Schöne, neue Welt: Rausschmiss per SMS

Ein britisches Unternehmen hat 2500 Beschäftigte entlassen - den überwiegenden Teil per SMS. Andere bekamen die Kündigung per E-Mail.

Ein britisches Unternehmen hat 2500 Beschäftigte entlassen - den überwiegenden Teil per SMS. Andere bekamen die Kündigung per E-Mail. In einer der SMS-Botschaften wurden die Arbeitnehmer aufgefordert, eine bestimmte Nummer anzurufen. Dort teilte ihnen ein Anrufbeantworter mit, dass sie mit sofortiger Wirkung ihren Job verloren hätten. Eine weitere Textmessage unterrichtete sie: "Unglücklicherweise werden keine Gehälter mehr gezahlt - bitte rufen Sie nicht im Büro an." Stattdessen sollten sie schon einmal ihre Büroschlüssel und Firmenwagen zur Abgabe bereithalten.

Wie die "Times" und der "Guardian" am Samstag berichteten, waren viele Beschäftigte daraufhin so wütend, dass sie die Büros des Unternehmens in Manchester, Birmingham und Liverpool plünderten. Unter anderem nahmen sie Computer, Kopierer und Kaffeemaschinen als "Schadensersatz" mit. Das Unternehmen, die Accident Group, rechtfertigte ihr Vorgehen damit, dass seine Muttergesellschaft am Freitag zahlungsunfähig geworden sei. Die Ereignisse hätten sich dadurch so überschlagen, dass es nicht mehr möglich gewesen sei, die Beschäftigten in persönlichen Gesprächen zu informieren. Die für ihre aggressiven Geschäftsmethoden bekannte Accident Group hatte sich darauf spezialisiert, für Unfallgeschädigte auf Schadensersatz zu klagen.

Schon lange ist es in Großbritannien nicht mehr selbstverständlich, dass man die Hiobsbotschaft des Stellenverlustes von seinem Chef persönlich bekommt. Ein Autohersteller gab vor drei Jahren Entlassungen im Lokalradio bekannt. Eine Bank ließ sich bei einem internen "Selektionsprozess" anscheinend von der britischen Originalausgabe von "Deutschland sucht den Superstar" inspirieren: Wer am Ende gefeuert wurde, bekam die Nachricht in einem hässlichen Kongresszentrum, wer bleiben durfte, wurde ins Hilton geladen.

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