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Teilzeit: Im Land der unkomplizierten Chefs

Teilzeitjobs galten lange als die Lösung, um Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Doch Millionen deutsche Frauen reiben sich auf, um es allen recht zu machen. In Dänemark läuft das anders. Was können die Deutschen von den Nachbarn lernen?

Von Clemens Bomsdorf, Kopenhagen

Fünf Stunden weniger Arbeit pro Woche machen für Anne-Sofie Nielsen den großen Unterschied. "Ich arbeite nur 32 statt 37 Stunden pro Woche. Dadurch habe ich jeden Tag eine Stunde mehr Zeit mit meinen Kindern und ein entspannteres Leben", sagt die 28-jährige Softwareentwicklerin. Nachmittags um drei fährt sie mit dem Rad von der Arbeit zum Kindergarten, um ihre vierjährigen Zwillinge abzuholen, die der Vater morgens gegen halb neun hingebracht hat.

"Wenn ich eine volle Stelle hätte, müsste ich sie bis um vier dort lassen", sagt Mutter Nielsen. "Dann hätte ich weniger Zeit mit den beiden und der Nachmittag würde stressiger." Schließlich wird gegen sechs gegessen und vorher muss Nielsen kochen und will natürlich mit ihren Kindern zusammen sein. "Ich arbeite nicht weniger, um während der gewonnen Zeit Staub zu saugen oder Wäsche zu waschen", sagt die Dänin und ergänzt ein wenig unernst "sehr zum Ärger meines Mannes vielleicht".

Meist arbeiten beide Elternteile

Bei den Nielsens gibt es nämlich eine klare Aufgabenteilung: sie kümmert sich ums Essen, er wäscht und putzt. "Weil mein Mann nicht eine so flexible Arbeitszeit hat wie ich, erledigt er die Dinge im Haushalt, die fast zu jeder Zeit gemacht werden können." Ihr Ehemann ist ebenfalls in der IT-Branche tätig.

Dass die Nielsens weniger verdienen als wenn Anne-Sofie voll arbeiten würde, macht nicht viel aus. Die Steuern in Dänemark sind so hoch, dass Anne-Sofie Nielsen von dem Lohn, den sie für fünf Stunden mehr Arbeit in der Woche bekommen würde, ohnehin nur knapp ein Drittel behalten würde.

Viele reduzieren nur ein bisschen

Auch wegen der hohen Steuern ist es in Dänemark üblich, dass beide Elternteile arbeiten. Teilzeitarbeit ist aber nur bei Frauen die Regel, nicht bei Männern. Während in Dänemark nur fünf Prozent der Männer im Alter zwischen 30 und 54 Jahren Teilzeit arbeiten, ist es bei den Frauen fast jede dritte. Von den Frauen unter 30 Jahren arbeitet sogar jede zweite nicht Vollzeit.

Viele reduzieren wie Anne-Sofie Nielsen ihre Arbeitszeit nur um einige Stunden in der Woche. Dann ist der Einkommensverlust nicht so groß und es schadet auch nicht der Karriere, weil man weiterhin als voller Mitarbeiter wahrgenommen wird. "Bei meiner Firma ist es sicher kein Karrierehindernis, Teilzeit zu arbeiten, aber es gibt natürlich auch Unternehmen, wo das anders ist", so die Softwareentwicklerin, die seit ihrem Studienabschluss im Jahr 2005 bei der IT-Firma Kapow Technologies arbeitet.

Ihr Chef erlaubt ihr sogar immer mal wieder von zu Hause zu arbeiten. "Wenn eines der Kinder krank ist oder ich aus einem anderen Grund zu Hause sein muss, kündige ich das einfach per E-Mail an und komme nicht ins Büro." Das macht die junge Mutter aber nur ungern. "Zu Hause zu arbeiten ist langweiliger als im Büro, wo ich auf meine Kollegen treffe", sagt sie.

Vorbildliches Betreuungssystem

Anders als in Deutschland hat das Leben in Dänemark für Familien einen großen Vorteil: Hier gibt es ein sehr gut ausgebautes, überwiegend steuerfinanziertes Kinderbetreuungssystem. Deshalb ist es normalerweise nicht notwendig auf 20 Stunden pro Woche herunter zu gehen, um sich um die Kinder kümmern zu können.

Zudem ist die Gesellschaft stärker auf Kinder ausgerichtet. Dass Anne-Sofie Nielsen einen so verständnisvollen Chef und einen so engagierten Mann hat, ist in Dänemark keine Ausnahme. Die 28-jährige erwartet noch im Sommer ihr drittes Kind. Vater und Mutter haben in Dänemark gemeinsam Anrecht auf insgesamt ein Jahr Elternzeit. Die ersten zwei Wochen nach der Geburt werden sie und ihr Mann zu Hause bleiben, von der verbleibenden Zeit nimmt er drei Monate und Anne-Sofie den Rest. "Danach werde ich vermutlich wieder mit Teilzeit einsteigen. Das scheint mir das Beste und weil auch mein Chef sagt 'Ich will dich lieber 32 Stunden die Woche als gar nicht' ist das eine gute Lösung für alle. Nicht zuletzt für die Kinder", sagt Anne-Sofie Nielsen.

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.