"Sale"-Fieber Hohe Rabatte vor Schlussverkauf


Eine Woche vor dem Startschuss zum SSV wähnt sich mancher Kunde schon im Schnäppchenparadies. Viele Händler locken bereits jetzt mit satten Rabatten.

Das Paar Damenschuhe für 79 Euro statt für 149, vier T-Shirts für 20 Euro, das Duschbad runtergesetzt von 9 auf 4,50 Euro. In Deutschlands Einkaufsstraßen geht es zu wie auf dem Höhepunkt des Sommerschlussverkaufs (SSV) - dabei hat dieser nicht einmal begonnen. Eine Woche vor dem Startschuss zum SSV am 25. Juli wähnt sich mancher Kunde schon im Schnäppchenparadies. Während Verbandsvertreter noch auf dem gemeinsamen Start am nächsten Montag pochen, sind viele Händler schon im "Sale"-Fieber und locken mit satten Rabatten die Kunden.

"Die wirklichen Schnäppchen werden drei bis vier Wochen vor dem Schlussverkauf gemacht", sagt Fabiola Peiniger, die Sprecherin des Einkaufszentrums Potsdamer Platz-Arkaden in Berlin. Dort haben die Händler schon vor drei Wochen die Rabatt-Plakate aufgehängt. So verspricht H&M bis zu 70 Prozent Abschlag, Benetton 50 und Wöhrl immerhin 30 Prozent.

Immer weniger Händler halten sich an die Schlussverkäufe

Möglich macht die vorzeitige Rabattrallye der Wegfall der Ausverkaufsklausel im Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb. Damit fiel der gemeinsame Schlussverkauf 2004 weg, preisreduzierte Ware darf nun das ganze Jahr über in die Regale. Die Schlussverkäufe, die am letzen Januar- und Juli-Montag dennoch beginnen, sind freiwillige Initiativen - an die sich immer weniger Händler halten.

"Wir merken den Kundenandrang schon deutlich", sagt Elisabeth Weyermann, Sprecherin von "The Body Shop". Die internationale Kosmetik-Kette hat ihren "Sale" in diesem Sommer erstmals vorgezogen, um weltweit im Gleichschritt aufzutreten.

Doch was die Kunden freut, beunruhigt die Einzelhandelsverbände. Sie mahnen ihre Mitglieder zur Disziplin. "Auf keinen Fall darf es passieren, dass der Schlussverkauf nach vorne gezogen wird", bläute der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels seinen Mitgliedern ein - vergeblich. Viele tauften ihren Schlussverkauf einfach in "Sale" um und griffen zum Rotstift.

Der freiwillige SSV wird ein Erfolg

"Es wird einen Sommerschlussverkauf geben und der startet am 25. Juli", beharrt dennoch Einzelhandelssprecher Hubertus Pellengahr vom Branchenverband HDE. Er rechne damit, dass zwei Drittel der Geschäfte mitspielen. Doch auch er muss der laufenden Schnäppchenjagd Rechnung tragen. "Natürlich nehmen die Rabattaktionen dem SSV etwas weg", sagt Pellengahr mit Blick auf Nachlässe von 50 und 70 Prozent. "Das kann man nicht toppen."

Dabei rechnet der schwer gebeutelte Einzelhandel für das erste Halbjahr 2005 erneut mit einem Minus von rund 0,75 Prozent, wie Pellengahr sagt. Schon deshalb verbreitet er Optimismus: Der freiwillige SSV werde ein Erfolg. Viel zu verdienen gebe es wegen der Rabatte zwar nicht. Doch es sei wichtig, dass die Kunden wieder in die Geschäfte kommen. Von einem Ende des gemeinsamen SSV will Pellengahr nichts wissen: "Solange wir merken, dass die Kunden in die Innenstädte strömen, solange wird es den SSV geben."

Wer jetzt nicht kauft, ist selber schuld

Derweil verkünden Zeitungsanzeigen und Plakatwände in großen Lettern den "Sale" oder auch den "Männerschlussverkauf", wie ein Herrenausstatter wirbt. Ein Teppichhändler schreibt "Gelegenheit des Jahres", weil er schon jetzt seine Lager räumt. Die Botschaft ist klar: Wer jetzt nicht kauft, ist selber schuld.

Dennoch könnte den Schnäppchenjägern die Lust zur Pirsch vergehen, fürchten Händler - wegen der Mehrwertsteuerdiskussion. Schon die Aussicht auf höhere Steuern darauf dämpfe die Kauflust, meint Pellengahr. Auch Verbraucherschützer nehmen dem anrollenden Schlussverkauf lieber etwas Wind aus den Segeln - aber aus anderem Grund. "Man sollte nicht jedem Schnäppchen blind hinterherlaufen", sagt Christian Fronczak, der Sprecher des Verbraucherzentrale Bundesverbandes. Der Kunde habe längst den Überblick verloren, weil sich Rabatt an Rabatt reihe, seit der Schlussverkauf freigegeben wurde. Deshalb raten Verbraucherschützer: Nach dem Bedarf kaufen, nicht nach Schnäppchen-Angeboten.

Burkhard Fraune/DPA


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker