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100 TAGE EURO: Verbraucher beklagen Preiserhöhungen

Die meisten Verbraucher haben immer noch den Eindruck, dass sie seit der Euro-Bargeldeinführung mehr für ihre Lebenshaltung ausgeben müssen.

Nach einer Umfrage der Verbraucherzentralen gelang der Währungswechsel aber aus Sicht der Konsumenten ohne größere Problem, lautete die Bilanz nach den ersten hundert Tagen mit der Gemeinschaftswährung. Von den knapp 2.900 Verbrauchern, die sich in der ersten Märzhälfte an einer Fragebogenaktion der Verbraucherzentralen beteiligten, hatten nur vier Prozent große Probleme bei der Bargeldeinführung beklagt. Neun von zehn der Befragten rechnen nach wie vor Euro in D-Mark um.

Alte Währungen tief verwurzelt

Auch in der gesamten Euro-Zone denken erst 17 Prozent der Bevölkerung nur noch in Euro, wie das jüngste Eurobarometer der Europäischen Kommission ergab. 84 Prozent der befragten deutschen Verbraucher hatten den Eindruck, beim Einkauf seit der Euro-Einführung mehr Geld ausgeben zu müssen. Das galt auch für drei von vier Bürgern in der Euro-Zone. Notenbanken und Statistikämter hatten dagegen immer wieder beteuert, der Euro habe das Preisniveau nicht steigen lassen.

Statistiker sehen kaum Teuerung

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ist die gesamte Lebenshaltung wegen der Euro-Einführung kaum gestiegen, Preistreiber zu Jahresbeginn waren vielmehr die kalte Witterung und höhere Ölpreise. Bei einzelnen Produkten und Dienstleistungen hat aber auch das Amt ähnlich wie die Verbraucherschützer Preisanhebungen beobachtet.

Verbraucher deutlich zurückhaltender

»Wir denken nicht, dass der Euro ein Teuro ist, aber man hätte es viel besser machen können«, sagte Ruth Büttner von der Verbraucherzentrale Hessen, welche die Umfrageergebnisse in Frankfurt vorstellte. So hat sich die Selbstverpflichtung des Einzelhandels, den Euro nicht zu Preiserhöhungen zu nutzen, als unzureichende Regelung herausgestellt. Ein gesetzlich verordnetes Verbot wie in Frankreich und Österreich hätte den Einzelhandel womöglich stärker diszipliniert und das Vertrauen der Konsumenten gestärkt. Der Euro hat zwar kein schlechtes Image, doch die Verbraucher sind wegen der Unsicherheit sehr vorsichtig mit ihren Ausgaben gewesen. Auch der Einzelhandelsverband hatte kürzlich die Euro-Einführung neben der schwachen Konjunktur als Grund für die merkliche Konsumzurückhaltung im ersten Quartal genannt.

Wichtiges Ereignis der europäischen Geschichte

Hundert Tage nach der Einführung des Euro sind die Meinungen über die Gemeinschaftswährung, die mit der größten Geldtauschaktion der Geschichte Zahlungsmittel für 300 Millionen Menschen in zwölf europäischen Ländern wurde, in Deutschland nach wie vor geteilt. Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der »Wirtschaftswoche« gaben 46 Prozent der Bundesbürger an, mit dem Euro nicht so zufrieden zu sein wie mit der D-Mark. Etwa genauso viele Befragte sagten, sie sind genauso zufrieden, sechs Prozent mögen den Euro lieber als die D-Mark. Wie das EU-Eurobarometer ergab, betrachten acht von zehn Bürgern die Euro-Einführung als wichtiges Ereignis in der Geschichte Europas.