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5800 Mitarbeiter betroffen Schlecker-Tochter IhrPlatz ist pleite


Die Insolvenz der Drogeriekette Schlecker trifft nun auch die Tochter IhrPlatz. Das Osnabrücker Unternehmen galt eigentlich als Aushängeschild. Doch die Abhängigkeit von der Mutter ist groß.

Wenige Tage nach der Drogeriemarktkette Schlecker ist auch die erst 2007 aus der Insolvenz heraus übernommene Tochter IhrPlatz pleite. Nur kurz nach der Einigung von Schlecker mit dem Einkaufsverbund Markant - einem der wichtigsten Gläubiger - musste IhrPlatz am Donnerstag beim Amtsgericht Ulm Antrag auf ein Insolvenzverfahren stellen. Nun sollen beide zusammen saniert werden mit dem Ziel, möglichst viele Filialen und Arbeitsplätze zu erhalten.

Noch am Montag hatte es geheißen, IhrPlatz mit seinen rund 5800 Mitarbeitern in rund 670 Märkten deutschlandweit sei von der Insolvenz der Mutter nicht betroffen. Es habe sich aber über die Tage gezeigt, dass die Verknüpfungen zu groß seien. Deshalb sei die Entscheidung für einen Insolvenzantrag getroffen worden, erläuterte ein Schlecker-Sprecher. "IhrPlatz befindet sich in einem starken Abhängigkeitsverhältnis zu Schlecker, so dass jetzt eine gemeinsame Lösung für den Konzern gesucht werden kann", erklärte der vorläufige Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Schlecker hatte IhrPlatz 2007 von den Investoren Goldman Sachs und Fortress übernommen. Das Unternehmen hatte zuvor lange mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten gekämpft und war zwischenzeitlich in die Insolvenz gegangen.

Schlecker hatte am Montag Insolvenzantrag gestellt und will damit einen Großteil der gut 7000 verbliebenen Filialen mit rund 30.000 Arbeitsplätzen retten. Um das Geschäft normal fortführen und die Regale füllen zu können, war es vordringlich, eine Einigung mit Markant zu erzielen. Der Einkaufsverbund organisiert einen Großteil des Einkaufs für Schlecker. Am Mittwoch entschieden die beiden Unternehmen, ihre Kooperation fortzusetzen. Zu den Hintergründen wollte ein Schlecker-Sprecher nichts sagen. Eine Markant-Sprecherin sagte lediglich, der Einkaufsverbund äußere sich nicht zu Geschäftspartnern. Im Laufe des Tages werde auch eine Einigung mit Markant zu den Auslandsfilialen erwartet, ergänzte der Schlecker-Sprecher. Diese seien von der Insolvenz nicht betroffen.

Einigung mit Markant

Nach Aussage des Schlecker-Sprechers bezieht die Kette 75 bis 85 Prozent ihrer Waren über den Verbund, der auch mit den Konkurrenzketten wie dm, Rossmann oder Müller zusammenarbeitet. Mit den restlichen Zulieferern, etwa der Eigenmarken, verhandle die Kette selbst. Schlecker kaufe über Markant bei den meisten großen Markenherstellern ein, wie den Nivea- und Tesa-Hersteller Beiersdorf (Nivea, Tesa), Procter & Gamble - bekannt für Marken wie Pampers, Ariel, Blend-a-Med, Wick, Gilette oder Braun - oder Unilever - mit Marken wie Domestos, Coral, Dove oder Rexona.

Weder Beiersdorf, Procter & Gamble noch Henkel wollten sich zu ihren Beziehungen zu Schlecker äußern. Ein Henkel-Sprecher sagte nur: "Unsere Forderungen an Schlecker sind abgesichert." Eine Sprecherin von Kraft Foods sagte, die Situation werde im Moment beraten. Bei Unilever war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

jwi/Reuters/DPA/AFP DPA Reuters

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