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Airbus-Krise: Werksverkäufe wahrscheinlich

Im EADS-Konzern bahnt sich ein Konflikt um die Kostensenkung bei Airbus an: Durch den 2003 vereinbarten Tarifvertrag sind bis 2012 Kündigungen bei der deutschen Airbus-Stammbelegschaft ausgeschlossen.

Von Gerhard Hegmann, München

Um die Senkung dennoch zu erreichen, wird der Verkauf von deutschen Airbus-Werken immer wahrscheinlicher, heißt es in Konzernkreisen. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" teilte Airbus-Deutschlandchef Gerhard Puttfarcken der Belegschaft mit, dass es keinen Beschluss gebe, den Tarifvertrag abzuschaffen. Damit reagierte er auch auf Spekulationen über eine Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich.

Belegschaft darf nicht streiken

Beim Festhalten an dem Tarifvertrag hat die Belegschaft formal kein Recht auf einen Streik. Der Konzern befürchtet, dass durch einen Arbeitskampf in den deutschen Werken das Produktionsziel 2007 verfehlt wird. Airbus will in diesem Jahr die Produktion von 434 Flugzeuge auf 440 bis 450 Maschinen steigern. Gleichzeitig soll das Kostenniveau bis 2010 um 2 Mrd. Euro gedrosselt werden.

Hat sich EADS übernommen?

Bei EADS wird aber auch die Gefahr gesehen, dass sich Airbus Deutschland nur wegen des Drucks zum Kostensenken von Werken mit großem Know-how trennen muss. Dadurch könnte Technologie abwandern. "Wenn wir 5000 Stellen ohne Streikrecht abbauen wollen, dann geht das nur über Werksverkäufe", sagte ein Airbus-Insider.

Warten auf den 20. Februar

Einzelheiten zu den Einschnitten will Airbus am 20. Februar bekannt geben. Der deutsche Betriebsrat fürchtet, dass fast 8000 der 23.000 Stellen wegfallen. Zudem drohe europaweit der Abbau von 10.000 Jobs. Die Gewerkschaften wollen auf europäischer Ebene am 27. Februar über ihre Protestaktionen beraten. Für Dienstag haben französische Gewerkschaften die Airbus-Beschäftigten zu einer einstündigen Arbeitsniederlegung aufgerufen.

Neben Airbus zeichnen sich auch in anderen Sparten Stellenkürzungen ab. Die französische Gewerkschaft CFDT hat darauf hingewiesen, dass in Frankreich in der Sparte Trägerraketen von EADS Astrium zwischen 2007 und 2009 jedes Jahr 110 Stellen abgebaut werden sollen. Zudem würden etwa 600 Stellen bei Zulieferfirmen gestrichen.

FTD