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Berliner Charter-Airline: Small Planet ist pleite – Flugbetrieb soll dennoch weitergehen

Offenbar unter dem Druck von Schadenersatz-Forderungen wegen Verspätungen hat die deutsche Charter-Airline Small Planet Insolvenz beantragt. Die Leidtragenden sind wahrscheinlich die Passagiere.

Small Planet Airline - Insolvenz

Eine Maschine der deutschen Airline Small Planet auf dem Rollfeld

Picture Alliance

Unter dem Druck hoher Entschädigungsforderungen von Passagieren hat die Berliner Charter-Airline Small Planet GmbH Insolvenz angemeldet. Der Flugbetrieb vor allem im Auftrag großer Reiseveranstalter solle aber unverändert weitergehen, versicherte das Unternehmen am Dienstagabend. Man habe beim Amtsgericht Charlottenburg eine Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt, um den Flugbetrieb langfristig aufrecht zu erhalten.

Auf seiner Webseite nannte die deutsche Tochtergesellschaft der litauischen Small Planet Airlines die "angespannte finanzielle Situation durch die Ereignisse des laufenden Sommers" als Grund. Gemeint sind zahlreiche Unregelmäßigkeiten im Flugbetrieb, die zu hohen Entschädigungsansprüchen der betroffenen Passagiere geführt haben. Die gesamte Branche kämpft in diesem Sommer mit Engpässen bei der Flugsicherung, Streiks und Wetterphänomenen, die sich auf den Flugverkehr auswirken. Bei Small Planet sollen laut Branchenkreisen noch interne Organisationsprobleme hinzugekommen sein. 

Small Planet: Flugpläne und Tickets bleiben gültig

Das Amtsgericht Charlottenburg bestätigte am Mittwoch den Antragseingang und die Bestellung des Rechtsanwalts Joachim Voigt-Salus zum vorläufigen Sachwalter. Sollte das Insolvenzverfahren eröffnet werden, müssten sich die Passagiere mit ihren Entschädigungsforderungen bei den Gläubigern einreihen und würden möglicherweise kaum etwas erhalten. Die deutsche Small Planet beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. 

Small Planet versicherte, dass alle Flugpläne und verkauften Tickets gültig blieben. Sämtliche Flüge würden durchgeführt. Nach Informationen der Fachzeitschrift "fvw" betreibt die Airline derzeit neun Maschinen in Deutschland und den Niederlanden und ist unter anderem für TUI, Thomas Cook und FTI auf den gängigen Ferienrouten unterwegs. Direkte Anfragen von Passagieren wollte die Airline "aufgrund des hohen Arbeitsaufkommens" nicht beantworten. 

Nach Informationen des Fluggast-Sofortentschädigers EUflight.de sind bei der Airline nach einem chaotischen Sommer Entschädigungsforderungen von mehr als 20.000 Passagieren aufgelaufen. "Wir gehen von rund 9 Millionen Euro gemäß EU-Fluggastrechte-Verordnung bestehender Ansprüche aus", sagte Geschäftsführer Lars Watermann. Für seine Firma wie auch für Fluggäste sei die Insolvenz nicht absehbar gewesen, weil Small Planet in der Vergangenheit regelmäßig gezahlt habe. 

Airline droht bilanzielle Überschuldung

Vermutlich drohte nun bei der Airline wegen der notwendigen Rückstellungen eine bilanzielle Überschuldung, während Liquidität vorhanden gewesen sei. EUflight.de hat nach eigenen Angaben bis vor Kurzem Forderungen von Passagieren gegen Small Planet angekauft und muss nun mit einem weitgehenden Verlust rechnen. "Die vollständige Übernahme des Ausfallrisikos von den Fluggästen gehört zu unserem Geschäftsmodell", erklärte Watermann.

mod / DPA