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Arbeitsbedingungen bei Amazon: "Ich war bei Microsoft und Google - Amazon kann nicht schlimmer sein"

Zu Beginn der Woche entbrannte eine Diskussion um die Arbeitsbedingungen bei Amazon und Jeff Bezos hohe Ansprüche. Jetzt plaudert ein ehemaliger Microsoft-Programmierer aus dem Nähkästchen.

Eine Silhouette vor einer Wand mit Binärcode

Jobs in der Tech-Branche sind anspruchsvoll. Doch gute Programmierer sind zu selten, um sie so schlecht zu behandeln, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter von Google und Microsoft. 

Am Wochenende veröffentlichte die amerikanische Tageszeitung "New York Times" einen Artikel über die Arbeitsbedingungen beim Versandriesen Amazon. Die Zeitung sprach dafür mit ehemaligen Mitarbeitern, die von enormen Druck, Überstunden und Mobbing sprachen. "Darwinistische Arbeitsbedingungen" würden dort herrschen. Kurz danach wandte sich Jeff Bezos in einer Mail an seine Mitarbeiter: Dies sei nicht das Amazon, dass er kenne. Weitere Amazon-Mitarbeiter und Silicon-Valley-Größen eilten Bezos zur Seite und wiedersprachen den Anschuldigungen.

10 Jahre bei Microsoft und Google

Doch wie schlimm ist es wirklich, in der Tech-Branche als Programmierer zu arbeiten? David Auerbach hat zehn Jahre lang als Software-Designer bei Microsoft und Google gearbeitet, und bezweifelt, dass es bei Amazon so viel schlimmer ist, als bei anderen Firmen, schreibt er bei dem amerikanischen Portal "Slate".
Bewertungstools wie bei Amazon seien in der Branche durchaus üblich. So erzählt er von der "Stapel-Bewertung", die zu seiner Zeit bei Microsoft stattgefunden hat. Dafür schrieben Abteilungsleiter die Namen ihrer Untergebenen auf Karteikarten und stapelten sie nach ihren Fähigkeiten und ihrer Leistung.

Die Bankenbranche ist härter

Ein Freund von Auerbach arbeite bei Amazon und habe ihm am Samstag geschrieben: "Eigentlich war ich beim Wandern, aber ich wurde ins Büro gerufen für einen Notfall-Social-Media-Einsatz um auf den absurden Unfug des Artikels zu antworten. Ich habe die ganze Nacht durchgearbeitet und mein Boss hat mich angeschrien", nur um dann hinterher zu schieben: "Nur Spaß. Bin immer noch wandern."
Als er 2004 bei Google angefangen hat, kamen viele seiner Kollegen aus der Bankenbranche und haben das Unternehmen allesamt als stressfreier und weniger konkurrenzbetont empfunden. Die Anzahl der Stunden sei hart, 60 bis 80 Stunden zu besonders stressigen Zeiten keine Seltenheit – doch in der Bankenbranche sei es ähnlich, doch dort stünden Kündigungen an der Tagesordnung. Ja, Software-Design habe seine dunklen Seiten: Vetternwirtschaft, Sexismus, ein verrottetes Management oder Disfunktion bei der Verwaltung. Doch gute Programmierer seien noch immer Mangelware und die Einarbeitung dauere zu lange, als dass ein Unternehmen wie Amazon es sich leisten könnte, sie so zu verheizen. "Das bedeutet nicht, dass die Fälle aus der 'Times' nicht wahr sind – aber ich vermute, dass der Artikel sie überproportional aufzieht", so Auerbach. 

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