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Versandhändler am Pranger: So lässt Amazon Mitarbeiter in Polen schuften

Schwere Vorwürfe gegen Amazon: Die Mitarbeiter in den polnischen Zentren sollen nicht nur einen Hungerlohn bekommen, sondern auch noch unter unwürdigen Bedingungen arbeiten müssen. Nun schlagen staatliche Prüfer Alarm und erhöhen den Druck auf Amazon.

Mitarbeiter bei Amazon in Polen verpacken Waren.

Amazon steht in Polen in der Kritik: In den Versandzentren sollen unzumutbare Arbeitsbedingungen herrschen.

Seit Jahren streitet sich der Versandriese Amazon mit seinen deutschen Mitarbeitern um den richtigen Tariflohn. Streiks, auch während des wichtigen Weihnachtsgeschäfts, müssten das Unternehmen eigentlich hart treffen. Doch Amazon hat vorgesorgt: Ende 2014 eröffnete der Konzern zwei neue Versandzentren - allerdings in Polen. Von dort aus kann Amazon den deutschen Markt bedienen. Die günstigeren Löhne machen die Standorte besonders lukrativ. Doch nun wurde bekannt, unter welchen miserablen Arbeitsbedingungen Amazon seine polnische Mitarbeiter schuften lässt.

Maximal 13 Zloty in der Stunde verdienen die Amazon-Mitarbeiter in Posen und Breslau - das sind rund drei Euro. Zum Vergleich: In Deutschland verdient ein Amazon-Mitarbeiter rund 10 Euro pro Stunde. Ein Schnäppchen für das Unternehmen. Allerdings speist Amazon die polnischen Mitarbeiter nicht nur mit einem Bruchteil des deutschen Lohns ab - auch die Arbeitsbedingungen seien unwürdig, berichtet die "Welt".

Viele Missstände entdeckt

Die StaatlicherArbeitsinspektion (PIP), die in Firmen die Einhaltung des Arbeitsrechts und der Sicherheit am Arbeitsplatz kontrolliert, schlägt Alarm: Überstunden würden nicht bezahlt, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gäbe es trotz gesetzlicher Vorschriften nicht. Auch seien in der Vergangenheit Löhne sehr spät gezahlt worden.

Doch nicht nur beim Lohn stoßen die staatlichen Prüfer auf Missstände. So wurden Arbeitsunfälle vertuscht und auch Schutzkleidung gebe es nicht. Auf Arbeitszeugnisse müssten Mitarbeiter viel zu lange warten, schreibt die "Welt".

Amazon behandelt Mitarbeiter "wie Sklaven"

Auch die Gewerkschaft Solidarnosc prangert die Arbeitsbedingungen an. Mitarbeiter würden "wie Sklaven" behandelt, sagt ein Gewerkschaftsvertreter der "Welt". Die schlechte Bezahlung und die große Zahl der Zeitarbeiter kritisiert er scharf.  

Amazon betont, dass die "Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter für die Firma oberste Priorität" habe. Die ersten Mängel, die durch die staatlichen Prüfer aufgedeckt wurden, seien bereits behoben. Andere Weisungen bräuchten mehr Zeit, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Mehr Lohn gefordert

Die Mitarbeiter reagieren selbst auf die Missstände. Als Streiks die deutschen Versandzentren lahm legten, wurden die Schichten in Polen von zehn auf elf Stunden erhöht. Die Mitarbeiter protestierten dagegen, indem sie ihre Arbeitsabläufe in der elften Stunde verlangsamten. Und auch beim Gehalt drängen die Mitarbeitern auf Nachbesserung: Sie fordern 16 Zloty, rund vier Euro, Stundenlohn. Der Mindestlohn in Polen liegt derzeit bei 10,12 Zloty, also ungerechnet rund 2,40 Euro. 

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