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Standort Winsen Amazon vernichtet weiter Neuware – weil das Gesetz dagegen wirkungslos ist

Ein Einbahnstraßenschild ist vor einem Amazon-Schriftzug zu sehen.
Im Logistikzentrum im niedersächsischen Winsen wird laut Greenpeace mindestens eine Lkw-Ladung nicht verkaufter Ware pro Woche vernichtet
© Philipp Schulze / DPA
Amazon soll eigentlich durch ein Gesetz daran gehindert werden, Retouren einzustampfen. Doch weil eine Verordnung fehlt, kann der Versandhändler straflos weitermachen. Greenpeace deckte auf, wie viel Neuware noch immer eingestampft wird.

Amazon vernichtet nach Recherchen von Greenpeace auch weiterhin Neuware: Am Standort Winsen in Niedersachsen würden an acht Arbeitsplätzen originalverpackte Produkte für die Vernichtung vorsortiert, berichtete die Umweltorganisation am Donnerstag. Das zeigten Filmaufnahmen eines Greenpeace-Rechercheurs, der mehrere Wochen als Angestellter im Amazon-Logistikzentrum in Winsen gearbeitet habe. Amazon nenne diese Arbeitsplätze "Destroy"-Stationen. 

Amazon rechtfertigt sich: Zerstörte Neuware im "Promillebereich"

Der Konzern entsorge allein an diesem Standort jede Woche mindestens eine Lkw-Ladung nicht verkaufter Ware, von T-Shirts über Bücher bis hin zu Elektroartikeln, berichtete Greenpeace. Die Umweltorganisation kritisierte, dies geschehe, obwohl im vergangenen Jahr ein Gesetz gegen diese Form von Ressourcenverschwendung in Kraft getreten war. Die sogenannte Obhutspflicht soll verhindern, dass intakte Ware zerstört wird. Doch bisher werde die Obhutspflicht weder umgesetzt noch von den Behörden überwacht. 

Amazon erklärte gegenüber der ARD-Sendung "Panorama", der Versandhändler arbeite daran, möglichst gar keine Produkte zu deponieren. "Nur wenn wir keine andere Möglichkeit mehr haben, geben wir Artikel zum Recycling oder zur Energierückgewinnung – oder als allerletzte Option – zur Deponierung", zitierte die ARD am Donnerstag. Es handle sich dabei um wenige Produkte, die Zahl befinde sich im "Promillebereich". 

Rechtsverordnung fehlt – deshalb wird keine Strafe gegen Amazon verhängt

"Amazon setzt allein auf schnellen Umsatz und hält deshalb den Platz im Regal für wichtiger als das Produkt darin – eine klimaschädliche Ressourcenverschwendung", kritisierte Greenpeace-Konsumexpertin Viola Wohlgemuth. Der Konzern nutze aus, dass es bisher an einer Rechtsverordnung zur Obhutspflicht fehlt, weshalb keine Strafen verhängt werden.

Greenpeace hatte Ende 2019 erstmals dokumentiert, welche Neuwaren in Winsen regelmäßig weggeworfen werden. Dies hatte dazu beigetragen, dass der Bundestag 2020 im Zuge einer Reform des Kreislaufwirtschaftsgesetzes neue Regeln für Händler einführte. Die Obhutspflicht schreibt laut Gesetzestext vor, "beim Vertrieb der Erzeugnisse, auch im Zusammenhang mit deren Rücknahme oder Rückgabe, dafür zu sorgen, dass die Gebrauchstauglichkeit der Erzeugnisse erhalten bleibt und diese nicht zu Abfall werden". 

Wohlgemuth forderte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zum Handeln auf. "Das Vernichten von Neuwaren muss noch in dieser Legislaturperiode strafbar werden."

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