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Anonymer Datensatz: Geheime Geschäfte in Steueroasen enttarnt

Eine anonyme Quelle hat internationalen Medien Dokumente zugetragen, die schmutzige Geschäfte der Wirtschafts-Elite in dubiosen Steueroasen belegen sollen. Mit dabei: der verstorbene Gunter Sachs.

Eine anonyme Quelle hat internationalen Medien nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" und des Norddeutschen Rundfunks (NDR) einen riesigen Datensatz über geheime Geschäfte in Steueroasen zugänglich gemacht. Wie SZ und NDR am Donnerstag berichten, finden sich in den Unterlagen auch Hunderte deutsche Fälle. Prominentester Fall ist der inzwischen verstorbene Playboy und Unternehmer Gunter Sachs.

Sachs' Nachlassverwalter weisen die Vorwürfe zurück. Sie erklärten, die betroffenen Firmen seien den Steuerbehörden "schon zu Lebzeiten von Herrn Sachs" offengelegt worden. Die bislang vertrauliche Dateien belegen jedoch den Angaben zufolge, auf welchen geheimen Wegen Reiche Kriminelle Briefkastenfirmen und sogenannte Trusts nutzten, um große Vermögen zu verstecken und zweifelhafte Geschäfte zu verschleiern, schreibt die "Süddeutsche". Von diesem Donnerstag an präsentieren Medien aus insgesamt 46 Ländern erste Ergebnisse der Daten-Analysen. In Deutschland sind sie exklusiv der SZ und dem NDR zur Verfügung gestellt worden.

Schlag gegen "schwarzes Loch der Weltwirtschaft"

Die Datenmenge aus insgesamt zehn Steueroasen umfasst laut den Berichten 260 Gigabyte, es handelt sich danach um 2,5 Millionen Dokumente. 130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern sind in den Unterlagen aufgelistet, heißt es weiter. Die Dokumente stammten von zwei Firmen, die auf die Errichtung sogenannter Offshore-Gesellschaften spezialisiert seien. Sie gehörten zu den größten Anbietern weltweit. In den Unterlagen finden sich den Angaben zufolge die Namen von Oligarchen, Waffenhändlern und Finanzjongleuren. Ein Insider spricht laut SZ von dem "bislang größten Schlag gegen das große schwarze Loch der Weltwirtschaft".

Die Daten sind laut den Berichten im vergangenen Jahr dem Internationalen Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ) in Washington übergeben worden. Die "Süddeutsche Zeitung" gibt an, sie habe die Informationen unabhängig verifiziert und monatelang ausgewertet. Europäische Fachleute, so das Blatt, vergleichen das neue Datenleck mit dem Fall der Steuer-CDs, deren Aufkommen zuletzt Liechtenstein und die Schweiz unter Druck gebracht und in beiden Ländern erhebliche Veränderungen bewegt haben.

kng/dho/DPA/AFP / DPA
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