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Arbeitsmarkt-Studie: Leiharbeiter fühlen sich ausgeschlossen

Unsicher Beschäftigte fühlen sich nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) von der Gesellschaft ausgeschlossen. Besonders betroffen sind Leiharbeiter - und deren Zahl nimmt deutlich zu.

Leiharbeiter und befristet Beschäftigte fühlen sich schlechter in die Gesellschaft integriert als unbefristet Beschäftigte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Donnerstag in Berlin vorstellte. Am stärksten empfinden demnach Selbstständige, ein vollwertiger Teil der Gesellschaft zu sein.

Ein fehlendes Integrationsempfinden wirkt sich laut der Studie negativ auf die Betroffenen selbst und auf die Allgemeinheit aus. Die Arbeitnehmer fühlten sich eher physisch und psychisch angeschlagen. Das Empfinden fördere außerdem aggressives und strafbares Verhalten und verringere die Motivation, anderen zu helfen und sich sozial und politisch zu engagieren.

Unter den Menschen mit Arbeit fühlten sich die Leiharbeiter am wenigsten als Teil der Gesellschaft. Das hänge vermutlich damit zusammen, dass gerade sie sich "im sozialen Vergleich mit Festangestellten häufig als 'Arbeitnehmer zweiter Klasse' sehen", vermuten die Wissenschaftler. Die Betroffenen übten oftmals die gleiche Arbeit wie Festangestellte aus, würden aber in Bezug auf Entlohnung, Urlaub oder betriebliche Zusatzleistungen häufig nicht gleich behandelt.

Laut IAB hat sich die Zahl der Zeitarbeiter seit 2004 mehr als verfünffacht - auf zuletzt annähernd eine Million. Mehr als die Hälfte von ihnen sind weniger als drei Monate im Einsatz - und verdienen im Schnitt 20 Prozent weniger als die Stammbelegschaft, hat das Institut unter dem Dach der Bundesagentur für Arbeit herausgefunden.

Das vielfach genannte Argument, Leiharbeit biete eine Brücke in den Arbeitsmarkt und zu regulärer Beschäftigung, sehen die Wissenschaftler in der Praxis nur als Ausnahme bestätigt: Vom Brücken- und Klebeeffekt profitiere jeder zehnte Leiharbeiter. "Die Integrationseffekte sind zu schwach", sagte IAB-Chef Möller.

Nach seinen Worten war vor zehn Jahren noch weniger als jede dritte Neueinstellung befristet, mittlerweile sei es fast jede zweite. Er hält für angemessen, dass die Entlohnung von Leiharbeitern innerhalb von sechs Monaten stufenweise auf das Entgeltniveau der Stammbeschäftigten angehoben wird.

cjf/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters
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