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ARD-Markencheck So schneiden Billig-Jeans im Vergleich zu teuren ab


Die ARD lässt in ihrem Markencheck Jeans von Levi's und G-Star gegen Kik und H&M antreten. Die Qualitätsunterschiede sind deutlich - auch wenn man es den Hosen nicht immer sofort ansieht.
Von Daniel Bakir

Wie peinlich sind Zehn-Euro-Jeans von Kik? Wie schnell reißen die H&M-Hosen? Und halten teure Markenmodelle, was sie versprechen? Mit großem Aufwand versucht die ARD (ab 20:15 Uhr, danach in der Mediathek abrufbar) im vorerst letzten Teil ihrer Markencheckserie herauszufinden, welche Jeans cooler sind, länger halten, und wie die Hersteller ihre chinesischen Zulieferer schuften lassen.

Dafür bedient sich der Sender einmal mehr aus dem bewährten Werkzeugkasten vergangener Markenchecks. Es gibt eine nette Musterfamilie, lustige Straßenumfragen, kuriose Praxistests und eine investigative Recherche in chinesischen Fabriken. Und um das vorweg zu nehmen: Viel schlauer ist man am Ende auch nicht, wie der Beitrag dankenswerterweise selbst vorführt. Die Mitglieder der Vater-Mutter-Teen-Familie, die am Anfang der Sendung ihre bevorzugte Marke nennen sollen, entscheiden sich nach Vorführung aller Recherchen fast genauso wie vorher.

Pferde als Praxistester

Dazwischen wird man aber immerhin einigermaßen anständig unterhalten. Den Reißtest etwa übernehmen zwei Pferde, die sonst in Diensten der Karl-May-Festspiele in Elspe stehen. Wie auf dem legendären Levi's-Logo abgebildet, ziehen die beiden kräftigen Gäule so lange an den Hosen bis sie reißen. Die Kik-Hose ist nach fünf Sekunden hinüber, das H&M-Modell (immerhin 40 Euro) reißt schon nach vier Sekunden, G-Star hält zwölf Sekunden durch. Levi's rettet seine Ehre halbwegs und gewinnt den Test mit 15 Sekunden Reißzeit. Getestet wird auch im Labor: Beim Abfärbe- und Scheuertest fallen die Kik-Hosen deutlich ab.

Die Pferde aus Elspe eignen sich als Einkaufsberater jedenfalls besser als viele Modeexperten, die das ARD-Team auf der Messe "Bread & Butter" in Berlin trifft. Von den interviewten Damen und Herren, die das Kik-Modell für eine hochwertige Hose halten, möchte man sich im Laden jedenfalls nicht beraten lassen. Besseres Gespür beweisen die Passanten bei einer improvisierten Modenschau in einem Chemnitzer Einkaufszentrum: Die Markenmodelle kommen bei der Publikumsabstimmung besser an als die Billighosen.

Fragwürdige Arbeitsbedingungen

In puncto Fairness bleiben bei allen vier Marken große Fragezeichen. Was die Reporter in den chinesischen Fabriken und Jeans-Wäschereien vorfinden ist gruselig: Viele Arbeiter, die tagtäglich mit giftigen Chemikalien in Berührung kommen, haben keine Masken oder Handschuhe. Die konkreten Fabriken zu finden, in denen die vier getesteten Marken herstellen lassen, erweist sich als schwierig, weil die teilweise nicht preisgegeben werden. Aber zumindest Kik und G-Star kommen den Reportern bei ihren Undercover-Recherchen unter. Das Fazit der Markenchecker: "Weder bei den billigen noch bei den teuren Marken ist auf eine transparente und faire Produktion wirklich Verlass."

Übrigens: Das nächste Duell Billig- gegen Markenjeans gibt es schon am Donnerstag - diesmal vor Gericht. Das Oberlandesgericht Hamburg verhandelt im Fall des US-Herstellers Levi Strauss gegen die deutsche Modekette New Yorker. Die Amerikaner werfen den Deutschen vor, für ihre Billig-Marke das Design der Levi's-Jeans zu plagiieren.

"Der Jeans-Check", 20:15 Uhr in der ARD und danach in der Mediathek abrufbar


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