- 2 von 5 Punkten
- Zwei Kommissare auf dem Selbstfindungstrip – letzter Fall mit Corinna Harfouch
Worum geht's in diesem "Tatort"?
Im Berliner Grunewald wird die Leiche eines Obdachlosen gefunden. Der Körper weist Bissspuren auf. Eine Zeugin will einen Wolf gesehen haben und glaubt, dass der Mann von dem Tier getötet wurde. Kommissar Robert Karow (Mark Waschke) hat Zweifel und schließt einen Mord nicht aus. Man müsse ergebnisoffen ermitteln, so wie sie es auf der Polizeischule gelernt hätten, raunt er seine Kollegen an. Karows Partnerin Susanne Bonard (Corinna Harfouch) wirkt dagegen abwesend. Ihr bevorstehender Ruhestand beschäftigt sie mehr als der Fall. Bei ihren Ermittlungen stoßen Karow und Bonard im Wald auf die Wildnislehrerin Prof. Dara Kimmerer (Anne Ratte-Polle). Sie veranstaltet Survival-Camps in der freien Natur. An ihrer Seite ist Noah Farrell (Nils Kahnwald), ein wohlhabender Unternehmer, der unter freiem Himmel das Überleben trainieren will. Als Farrell erfährt, dass sich ein Wolf herumtreiben soll, fährt er mit Kommissar Karow zurück in die Stadt. Bonard hingegen trifft eine überraschende Entscheidung: Sie schließt sich der Wildnislehrerin an. Ohne richtige Ausrüstung, ohne Handy und Dienstwaffe bleibt sie zum Entsetzen Karows im Wald zurück.
Warum lohnt sich der Fall "Gefahrengebiet"?
Anfang Januar sorgte ein Brandanschlag auf eine Kabelbrücke im Berliner Westen für einen großflächigen Blackout. Rund 100.000 Menschen waren plötzlich ohne Strom, Heizung, Internet und Mobilfunk – und das bei winterlichen Temperaturen. Die Reparaturen dauerten fast eine Woche. Das Ereignis hat gezeigt, dass Deutschland nicht ausreichend auf einen Katastrophenfall vorbereitet ist. Mit solchen Szenarien beschäftigt sich auch der "Tatort". Der Film taucht ein in die Szene der Prepper und Survivalisten, die sich gegen den drohenden Untergang wappnen. Dabei wird es durchaus gesellschaftskritisch. Während die Masse im Wald das Überleben trainiert, verbarrikadiert sich eine wohlhabende Elite im Luxus-Bunker.
Was stört?
Es ist eher ein Selbstfindungstrip der Ermittler als ein echter Krimi. Während Bonard im Wald umherirrt, in einem Müllsack schläft und gegen ihre Furcht ansingt, vergnügt sich Karow in der Stadt. Man sieht den Kommissar beim ausgelassenen Feiern im Club – und beim Sex. All die privaten Befindlichkeiten der Kommissare lassen fast vergessen, dass die beiden noch einen Fall zu lösen haben. Bonard und Karow wirken bei ihren Ermittlungen ungewohnt dilettantisch und naiv. Spannung kommt so nicht auf. Wenig hilfreich ist dabei auch die Tatsache, dass viele Szenen im Dunkeln spielen – im Wald, im Club, im Bunker. Da möchte man eher die Augen schließen als gebannt am Bildschirm zu kleben. Zudem gibt es das alte Problem mit dem Zeitpunkt der Ausstrahlung, der Film spielt an Halloween. Es ist ein Detail, sorgt aber zusätzlich für Verwirrung.
Die Kommissare?
Kommissarin Susanne Bonard geht in den Ruhestand. Ein Umstand, der ihr mehr zu schaffen macht, als sie zugeben will. Die Aussicht, in ihrem Job nicht mehr gebraucht zu werden, stürzt die Ermittlerin in eine Sinnkrise. Auch Karow hadert mit dem bevorstehenden Abschied seiner Partnerin und wünscht sich, Bonard könnte bleiben. "Ich gehe Ende der Woche. Das ist der Lauf der Dinge. Dem ist nichts hinzuzufügen", erklärt Bonard. Auch für ihren letzten Arbeitstag hat sie klare Vorstellungen: "Sekt und Schnittchen – das ist nichts für mich."
Ein- oder ausschalten?
Nach nur sechs Fällen verabschiedet sich Schauspielerin Corinna Harfouch von der Krimireihe. "Es wäre ja auch absurd, wenn ich mit 75 immer noch 'Tatort'-Kommissarin wäre und im Rollstuhl die Verbrecher jage", sagt Harfouch. Wer sie noch ein letztes Mal als Ermittlerin Susanne Bonard sehen möchte, darf gerne einschalten. Alle anderen können sich den Film sparen.