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- Abtreibungskrimi zum Internationalen Frauentag
Worum geht’s in diesem „Polizeiruf 110“?
Ein tödlicher Fahrradunfall erschüttert Magdeburg: Ein gezielter Anschlag, bei dem die Bremskabel durchgeschnitten wurden. Hauptkommissarin Brasch (Claudia Michelsen) ermittelt: Die Tote arbeitete in einer Frauenarztpraxis, die auch Schwangerschaftsabbrüche vornimmt und deshalb im Kreuzfeuer radikaler Abtreibungsgegner steht. Zwischen Hass, Drohungen und Protesten sucht Brasch nach dem Motiv.
Zur gleichen Zeit kommt die junge Polin Dania (Nicola Magdalena Lüders) für einen legalen Abbruch nach Deutschland und zur Praxis – begleitet von Aktivistin Lara (Luna Jordan), die als „Abortion Buddy“ Frauen ehrenamtlich unterstützt. Im Spannungsfeld von medizinischer Aufklärung, moralischer Verurteilung und persönlicher Verunsicherung muss Dania eine Entscheidung treffen, die ihr niemand abnehmen kann.
Brasch muss derweil herausfinden: War der Anschlag eine direkte Botschaft an die Praxis? Oder steckt ein ganz anderes, persönliches Motiv dahinter?
Warum lohnt sich der Fall „Your Body, My Choice“?
Weil dieses Thema seit Jahrzehnten weltweit hart umstritten ist: Dürfen Frauen über ihren eigenen Körper bestimmen? In vielen Ländern steht genau dieses Menschenrecht unter Druck. „My Body, my Choice“ riefen die Frauenrechtsaktivistinnen bereits in den 70ern in den USA, setzten mit ihrem Protest die legendäre Grundsatzentscheidung am Obersten Gerichtshof zur Selbstbestimmung bei Schwangerschaftsabbrüchen durch.
Die wurde 2022 gekippt, seither ist die medizinische Versorgung für Frauen je nach Bundesstaat teilweise prekär. In Deutschland ist der Versuch, den Abbruch bis zur zwölften Woche zu legalisieren, zuletzt im Februar 2025 gescheitert. In Frankreich will der – übrigens selbst kinderlose – Präsident Emmanuel Macron demnächst die jungen Französinnen per Mahnbrief zum Kinderkriegen drängen. Die Debatte über die Entscheidung für oder gegen Mutterschaft wird immer absurder. Deshalb ist der Fall passend zum Internationalen Frauentag gut gewählt. Auch die schauspielerischen Leistungen überzeugen.
Was stört?
Leider wirkt das Ganze stellenweise wie ein Aufklärungsfilm über den Stand der Abtreibungsrechte. Vom Ärztemangel über Gehsteigbelästigungen bis hin zu Versuchen von rechtspopulistischen Politikern, sich mit fundamentalen Christen zusammenzuschließen, wird alles einmal durchdekliniert. Ironischerweise fehlt gerade bei dieser hochemotionalen Angelegenheit das Gefühl: Zu wenig wissen wir etwa über die schwangere Dania, die aus Polen alleine nach Deutschland kommt, um sicher abzutreiben.
Einzig die Wut, die auf beiden Seiten herrscht, wird deutlich. Und das ist immerhin etwas. Denn dass in Deutschland im Jahr 2026 Schwangerschaftsabbrüche noch immer im Strafgesetzbuch stehen, ist und bleibt ein Skandal.
Die Kommissarin?
Kommissarin Brasch (Claudia Michelsen) berührt das Thema ungewollte Schwangerschaft persönlich: Sie kann gut mit der jungen Dania mitfühlen, weil sie einst in einer ähnlichen Lage war – und sich dann doch für das Kind entschieden hat. Mit ihrem Sohn hat sie heute keinen Kontakt mehr, die beiden haben ein schwieriges Verhältnis. Sie wisse noch nicht mal, ob er noch lebt, so Brasch. Bereut sie die Mutterschaft? Darauf gibt sie keine Antwort. Was aber deutlich wird: Die Gefühle, die die Entscheidung rund um eine Abtreibung begleiten, waren und sind kompliziert – deshalb wird sie keine Frau leichtfertig treffen.
Ein- oder ausschalten?
Wer glaubt, in Deutschland seien wir mit der Gleichberechtigung doch schon so gut wie fertig, bekommt hier eine Aufklärungsstunde. Wer einen packenden Krimi sucht, wird zufrieden, aber nicht begeistert sein.