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Ausland: US-Rentnern soll es ans Portemonnaie gehen

US-Notenbankchef Alan Greenspan (78) denkt eigentlich nicht an die Rente, zumindest nicht an seine eigene. Doch mit seiner jüngsten Forderung nach Leistungskürzungen hat er eine kleine Granate in den US-Wahlkampf geschossen.

US-Notenbankchef Alan Greenspan (78) denkt eigentlich nicht an die Rente, zumindest nicht an seine eigene. Von Präsident George W. Bush hat er sich schon eine neue Amtszeit zusagen lassen. Dafür macht er sich aber um das Altersgeld seiner Landleute Sorgen. Mit seiner jüngsten Forderung nach Leistungskürzungen hat er eine kleine Granate in den Wahlkampf geschossen. Das Thema ist ein heißes Eisen, das weder die Republikaner um Präsident George W. Bush noch die Demokraten in diesem Jahr gerne anpacken möchten.

"Ich glaube, wir müssen unsere Zahlungsverpflichtungen gründlich überprüfen und einige Anpassungen vornehmen", sagte Greenspan unlängst. Dass das Rentenalter ab 2008 schon auf 67 Jahre hochgesetzt wurde, ist dem Währungshüter nicht genug.

Einwanderer helfen mit hoher Geburtenrate

Die Lage der Rentenkasse ist in den USA zwar längst nicht so dramatisch wie in vielen europäischen Ländern. Durch Einwanderung - in den vergangenen 20 Jahren rund 20 Millionen Menschen - und die hohe Geburtenzahl bei vielen dieser Neuankömmlinge wird das Durchschnittsalter der US-Bevölkerung 2050 bei etwa 35 Jahren liegen, in Europa dagegen eher bei 50, hat Bill Frey, Bevölkerungsstatistiker an der Michigan-Universität errechnet. Dennoch verdoppelt sich die Zahl der über 65-Jährigen nach einer Studie der unabhängigen Haushaltsbehörde des Kongresses bis 2030. Die Rentner machen dann 20 Prozent der Bevölkerung aus (heute 13 Prozent). Auf einen Rentner kommen heute 4,8 Beitragszahler, dann nur noch 2,9.

Noch ist die Rentenkasse in finanziell guter Verfassung. Sie nahm im vergangenen Jahr beispielsweise 553 Milliarden Dollar (heute 456 Mrd Euro) ein, die Auslagen beliefen sich auf 404 Milliarden Dollar. Doch ab 2018 sind die Renten aus den jeweiligen Einnahmen nicht mehr zu zahlen. Wie es danach weitergehen soll, ist umstritten. Die Demokraten wettern gegen Bushs Steuersenkungen, die das Defizit in die Höhe trieben. Deshalb müssten die jetzigen Überschüsse der Rentenkasse für den Staatshaushalt abgezweigt werden. Ohne die Steuerausfälle sei das System auch langfristig rentabel.

Bush will private Vorsorge

Bush will dagegen eine andere Lösung. Arbeitnehmer sollen einen Teil der Beiträge, die sie jetzt zur Rentenkasse leisten (je 6,2 Prozent von Arbeitgeber und Arbeitnehmer) privat investieren. Das IPI-Forschungsinstitut schlägt fünf Prozent der Gesamtabzüge vor. Das Vermögen auf diesen Privatkonten könnte auch weitervererbt werden.

Die staatliche Durchschnittsrente liegt zur Zeit bei umgerechnet 740 Euro im Monat. Die Amerikaner sind es seit jeher gewohnt, höchstens 40 Prozent ihres letzten Lohns als Altersgeld zu erhalten. Bei wesentlich geringerer Steuerbelastung als etwa in Deutschland haben viele in den geburtenstarken Jahrgängen Vermögen angesammelt. Die staatliche Rente macht laut Statistik rund 40 Prozent der Einkommen der über 65-Jährigen aus. 20 Prozent der Renter haben allerdings keinerlei zusätzliche Einkommen.

Zwischenfinanzierung wäre zu teuer

Bush beauftragte eine Kommission mit Vorschlägen, doch als die Experten vorrechneten, wie teuer die Zwischenfinanzierung wäre, ließ Bush seine Pläne in der Schublade verschwinden. Wenn Arbeitnehmer Geld von ihren jetzigen Rentenbeiträgen in private Konten abzweigen, entsteht für diejenigen, die nach dem alten System eine bestimmte Rentenhöhe zusteht, eine Deckungslücke. Bush: "Meine Position ist klar: die Zahlungen an diejenigen, die schon in Rente sind oder kurz davor stehen, dürfen nicht gekürzt werden." Schätzungen zufolge müsste die Regierung bis zu vier Billionen Dollar zuschießen, um die Rentenzahlungen zu garantieren.

Sollte Bush die Wahlen im November gewinnen, könnte die private Rente eines seiner wichtigsten innenpolitischen Projekte werden.

Christiane Oelrich, dpa / DPA