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AUTO: BMW-Chef Milberg geht mit Rekordgewinn

Knapp zwei Jahre nach dem milliardenteuren Rover-Ausstieg geht es dem Münchener Autobauer BMW so gut wie nie zuvor. Sogar eine höhere Dividende ist möglich.

Analysten erwarten, dass der Gewinn 2001 im gewöhnlichen Geschäft nach HGB-Rechnungslegung im Durchschnitt bei 2,78 Milliarden Euro liegt. Obwohl von Rover-Verlusten belastet, hatte BMW ein Jahr zuvor mit 1,66 Milliarden Euro bereits einen operativen Rekordgewinn erzielt. BMW-Finanzchef Helmut Panke, zugleich der Nachfolger des im Mai scheidenden Vorstandschefs Joachim Milberg, hatte zuletzt eine Umsatzrendite von »deutlich mehr als sechs Prozent« in Aussicht gestellt.

Rendite: Nummer zwei nach Porsche

Sollten die Analysten recht behalten, wäre es eine Rendite von 7,3 Prozent, die BMW nach der Porsche AG zum zweit-profitabelsten Autohersteller der Welt machen würde. »Wir haben bisher kein Zeichen für irgend einen Schwachpunkt in den Zahlen entdeckt«, sagte Nicholas Hirth von Morgan Stanley Dean Witter. Der BMW-Umsatz wuchs 2001 um 7,1 Prozent auf 37,85 Milliarden Euro. Die Aktie stieg vergangene Woche auf ein Rekordhoch von 45,12 Euro, seit Jahresbeginn hat sie um 13 Prozent zugelegt.

Höhere Dividende?

BMW hat noch keinen genauen Termin für die Veröffentlichung der vom Aufsichtsrat abgesegneten Zahlen genannt.. Eine Erhöhung der Dividende ist nach Einschätzung der Analysten angesichts des Gewinns möglich, auch wenn BMW stets auf die hohen anstehenden Investitionen in eine Reihe neuer Modelle verweist, die wie üblich aus dem Mittelzufluss finanziert werden sollen. Spekuliert wird darauf, ob mit dem Ergebnis auch der Nachfolger Pankes als Finanzchef bekannt gegeben wird. Als heißer Favorit wird Bilanzierungschef Wolfgang Stofer genannt.

Neuer Bilanzstandard

»Das wird ein Riesen-Zahlensalat«, stöhnte aber im Vorfeld ein Analyst. BMW legt nämlich erstmals auch Geschäftszahlen nach Internationalen Bilanzierungsstandards (IAS) vor. Auto-Analyst Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank geht davon aus, dass die Zahlen wegen unterschiedlicher Abschreibungsgrundsätze unter dem Strich um etwa elf Prozent höher ausfallen als nach HGB.

Erfolg mit 'Mini'

Für das laufende Jahr hat sich Panke auf dem Autosalon in Genf für BMW-Verhältnisse ungewöhnlich zuversichtlich gezeigt. Der Absatz soll auf mehr als eine Million BMW und Mini steigen, mit dem Umsatz auch das Ergebnis nochmals steigen. Freilich ist die siebenstellige Verkaufsprognose nicht besonders gewagt: Wenn der im Moment stark gefragte »Mini« wie geplant 100.000 Käufer findet, kommt BMW allein schon auf mehr als 980.000 Fahrzeuge. Bis Ende Februar waren es 14.186, und im März erst wird der Mini auch in Übersee eingeführt. Und die angestammte Marke BMW hat in den ersten beiden Monaten um 6,7 Prozent auf 138.042 verkaufte Fahrzeuge zugelegt. In Deutschland war der Absatz im Februar jedoch leicht rückläufig.

7-er zum Erfolg verdammt

Aber die Zuversicht bekommt einen Dämpfer: Kaum neue Modelle, aber hohe Vorlaufkosten für die Produktoffensive, die 2003 starten wird, könnten das Ergebnis 2002 zumindest bis zum Herbst belasten. »Hier ruhen alle Hoffnungen auf einer erfolgreichen Markteinführung der 7er Reihe«, heißt es in ihrer Studie. »Das Flaggschiff (...) muss die Kastanien für BMW aus dem Feuer holen.« Mit einem erwarteten Absatz von 55.000 Stück im ersten Modelljahr des 7er wagen sie sich dennoch weiter nach vorne als Panke, der 50.000 Einheiten anpeilt.

Alexander Hübner