Bahn-Streik Was Sie beim Streik beachten müssen

Die Lokführer haben beschlossen, in den Streik zu treten. Ab Mittwoch werden nach Angaben der Bahn rund fünf Millionen Menschen davon betroffen sein. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Streik.

Reicht ein Bahn-Streik als Grund aus, nicht am Arbeitsplatz zu erscheinen?

Vor allem Berufspendler werden von einem bundesweiten Streik der Bahn betroffen sein und vor dem Problem stehen, pünktlich an ihren Arbeitsplatz zu gelangen. Dazu sind sie grundsätzlich verpflichtet, wie die Deutsche Anwaltauskunft erklärt. Auch wenn der Zugverkehr lahmgelegt ist, haben Pendler keine Ausrede, einfach im Bett liegen zu bleiben. So müssen Arbeitnehmer zumutbare Vorkehrungen treffen, um nicht zu spät zu kommen. Dazu gehört nach Einschätzung der Juristen, aufs Auto umzusteigen oder auch eine Fahrgemeinschaft mit Kollegen zu bilden. Im Fall des Streiks bei der Bahn könne sich angesichts der Berichterstattung in den Medien auch niemand damit herausreden, er habe von nichts gewusst. Unter Umständen drohe sogar eine Abmahnung. Besonders wichtig sei es aber, den Arbeitgeber im Ernstfall schnellstmöglich über eine mögliche Verspätung zu informieren. Denn wie im Krankheitsfall kann es zwar gute Gründe für ein Fernbleiben geben. Wenn der Arbeitgeber davon aber nichts erfährt, droht Ärger. Nach Einschätzung der Fachleute haben Arbeitnehmer schlechte Karten, wenn sie die verpasste Arbeitszeit wie im Krankheitsfall bezahlt haben wollen. Zwar gibt es im Bürgerlichen Gesetzbuch den Paragrafen 616, der eine Weiterbezahlung bei einer vorübergehenden Verhinderung vorsieht, die aus persönlichen Gründen und ohne eigenes Verschulden geschieht. Damit gesteht das Gesetz etwa Heiratswilligen zu, von der Arbeit fernzubleiben. Beim Bahnstreik gilt nach Ansicht des Heidelberger Arbeitsrechtlers Michael Eckert aber der Grundsatz: Ohne Arbeit kein Geld. Häufig könne man sich - gerade bei flexibler Arbeitszeit - einigen und die verpasste Zeit nacharbeiten.

Wie bereitet sich die Bahn auf den Streik vor?

Die Bahn arbeitet seit Tagen an Noteinsatzplänen. Außerdem werden die Lokführer vermehrt zum Einsatz kommen, die verbeamtet sind. Denn Beamte dürfen nicht streiken. Sie stellen 40 Prozent aller Lokführer.

Wo erfährt man, ob ein Zug ausfällt?

Die Bahn hat eine kostenlose Hotline eingerichtet: Unter 08000/996633 erfährt man alles Wichtige zum Streik. Im Internet gibt es unter www.bahn.de weitere Informationen.

Bekomme ich mein Geld für die Fahrkarte zurück, wenn der Zug nicht fährt?

Vor dem ersten Gültigkeitstag werden Fahrkarten immer erstattet. Für Sparpreisfahrkarten gilt das allerdings nicht. Danach muss der Kunde eine Erstattungsgebühr von 15 Euro zahlen. Während des Streiks will die Bahn auf diese Gebühr verzichten. Im Falle einer Verspätung, durch die ein Anschluss verpasst wird, hat der Fahrgast laut geltender Rechtslage folgende Möglichkeiten: Er kann auf Weiterfahrt verzichten und die Erstattung des Fahrpreises für die nicht gefahrene Strecke verlangen. Er kann auch auf die Weiterfahrt verzichten und entgeltfrei mit dem nächsten Zug zum Abgangsbahnhof zurückkehren.

Darf der Kunde mit seiner Fahrkarte auf andere Strecken ausweichen??

Ja, das ist möglich. Die Bahn will während des Streiks auch auf die vorgeschriebene Zugbindung bei Sparpreisen verzichten.

Zahlt die Bahn für Verspätungen und lange Wartezeiten?

Bei einem Streik beruft sich die Bahn auf höhere Gewalt. Es besteht also kein Rechtsanspruch. Normalerweise bekommen Kunden einen Reisegutschein im Wert von 20 Prozent des Fahrpreises, wenn ein Fernzug mehr als 60 Minuten verspätet ist. Reiserechtexperten empfehlen aber trotzdem, den Gutschein zu verlangen.

Muss die Bahn die Kosten für Hotelübernachtungen oder ein Taxi übernehmen, wenn Reisende nicht vom Bahnhof wegkommen?

Das lehnt die Bahn ab. Sie beruft sich wieder auf die höhere Gewalt. Reiserechtler empfehlen Kunden, trotzdem die angemessene Kostenerstattung einer Übernachtung oder einer Taxifahrt zu fordern.

Kann es passieren, dass ein Zug auf freier Strecke hält, wenn der Streik beginnt?

Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) versichert, dass dies nicht der Fall sein wird. Die Lokführer seien angehalten, den nächsten Bahnhof anzufahren. Ein Halt auf freier Strecke wäre aus Sicht von Reiserechtlern ein Verstoß gegen die Verhältnismäßigkeit des Streikmittels. Sie empfehlen in diesem Fall, Strafanzeige zu stellen.

Welchen Schaden bringt ein Streik für die Bahn?

Ein Arbeitskampf bedeutet für den bundeseigenen Konzern Schäden in Millionenhöhe. Schon jetzt gingen Einnahmen verloren, wenn Kunden aus Verunsicherung mit dem Ticketkauf zögerten. Bei einem Stillstand drohen weitere Einnahmeausfälle. Bei rechtswidrigen Aktionen will die Bahn Schadenersatz von der GDL fordern.

Was verdienen Lokführer aktuell?

Die Deutsche Bahn hat rund 20.000 Lokführer. Etwa 8000 von ihnen sind Beamte und fallen deshalb nicht unter die Tarifverträge. Sie wurden noch vor Umwandlung des Staatskonzerns in eine Aktiengesellschaft im Jahr 1994 eingestellt. Nach Angaben der Gewerkschaft GDL, die für einen eigenständigen Tarifvertrag streiken will, sind bei ihr rund zwei Drittel der Lokführer organisiert, die übrigen bei Transnet und GDBA. Eine präzise Mitgliederzahl der der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) liegt nicht vor, auch nicht, wieviele von ihnen Beamte sind.

Verbeamtete und angestellte Lokführer machen zwar die gleiche Arbeit, arbeiten beide 40 Stunden pro Woche - bekommen dafür aber unterschiedlich viel Geld. Die meisten angestellten Lokführer bei der Bahn verdienen nach Unternehmensangaben rund 33.000 Euro brutto. In den ersten vier Berufsjahren liegt das Gehalt darunter, bei rund 31.000 Euro.

Ohne Zulagen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld bekommen Lokführer laut Bahn in den ersten vier Jahren 1935 Euro brutto monatlich, danach sind es 2100 Euro. Gezahlt werden 13 Monatsgehälter. Das Nettogehalt liegt - abhängig von Steuerklasse und Familienstand - inklusive Zulagen laut Konzernangaben anfangs zwischen 1703 und 1972 Euro monatlich. Nach vier Berufsjahren sind es dann 1792 und 2076 Euro. GDL-Chef Manfred Schell sprach wiederholt von 1500 Euro Nettogehalt. Netto bleibt Beamten in der Regel mehr übrig als Angestellten. Wegen des zuletzt stark gestiegenen Güterverkehrs werden Lokführer derzeit gesucht.

Offiziell heißen Lokführer heutzutage Triebfahrzeugführer - die moderne Technik hat auch die Bezeichnung verändert. Mindestvoraussetzung ist ein guter Real- oder ein sehr guter Hauptschulabschluss. Die Ausbildung zum "Eisenbahner im Betriebsdienst, Fachrichtung Lokführer und Transport (EiB L/T)", so die bahninterne Bezeichnung, dauert drei Jahre. Sie besteht jeweils etwa zur Hälfte aus einem theoretischen und einem praktischen Teil.

Zu den Schwerpunkten gehört die Signal- und Fahrwegtechnik. Dabei erfährt der angehende Lokführer alles über Gleise, Weichen und die Hinweise an der Strecke sowie die elektronisch übermittelten Daten während der Fahrt. Am Ende der Ausbildung steht eine Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer für das Facharbeiterzeugnis und einen Lokführerschein. Bis der Triebfahrzeugführer einen ICE fahren darf, dauert es einige Zeit. Anfangs wird er im zumeist im Rangier- und Güterverkehr eingesetzt. Später kann der Personenverkehr hinzukommen, bis hin zum Führen von IC- und ICE-Zügen.


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