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Bahn-Tarifstreit: Schell ruft Politiker zu Hilfe

Verwirrung im Bahn-Tarifstreit: Schriftlich hat GDL-Chef Manfred Schell auf das Treffen mit Bahn-Chef Mehdorn am Mittwoch reagiert. Die Grundlage für Tarifverhandlungen seien "entzogen", schrieb Schell und rief die Politik zu Hilfe. Ob der Brief vor oder nach dem jüngsten Bahn-Angebot entstand, ist unklar.

Im Tarifstreit mit der Deutschen Bahn glaubt GDL-Chef Manfred Schell einem Zeitungsbericht zufolge nicht an eine schnelle Einigung. Die "Bild am Sonntag" zitierte in einem Vorabbericht aus einem Brief, den Schell nach seinen jüngsten Gesprächen mit Bahnchef Hartmut Mehdorn an Verkehrspolitiker geschrieben habe.

Über sein mehrstündiges Treffen mit Mehdorn am Mittwoch berichtete Schell demnach, der Bahnchef habe unmissverständlich klargestellt, dass er der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) keinen eigenständigen Tarifvertrag zuerkennen wolle. "Unter dieser Voraussetzung ist damit aus unserer Sicht die Grundlage für Tarifverhandlungen entzogen", zitierte die Zeitung aus dem Schreiben Schells. Der GDL-Chef habe die Politiker gebeten, einen "Beitrag zur Verhinderung einer erneuten Eskalation des Tarifkonfliktes" zu leisten.

Die GDL war am Sonntagmorgen für eine Stellung zunächst nicht zu erreichen. Es war unklar, ob Schell sich in dem Schreiben auf das neue Bahn-Angebot bezog. Mehdorn hatte am Samstag Details aus dem Gespräch mit Schell bekanntgegeben und erklärt, die Bahn habe der GDL eine Tariferhöhung zwischen acht und 13 Prozent angeboten. Einen eigenständigen Tarifvertrag für Lokführer schloss er aus: "Nein, das ist nicht Gegenstand des Angebots", sagte Mehdorn. Ein Abschluss mit den Lokführern müsse sich konfliktfrei in ein einheitliches Tarifwerk bei der Bahn einfügen.

Mit seinen Äußerungen brach er das zwischen beiden Seiten vereinbarte Stillschweigen. Schell hatte sich zu Mehdorns Vorstoß nicht äußern wollen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer will am Montag in Berlin mitteilen, ob sie auf Grundlage des neuen Angebots Verhandlungen mit dem Bahn aufnimmt und damit bis auf weiteres auf Streiks verzichtet.

Reuters/AP / AP / Reuters