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Banken: Krieg der Zahlungssysteme fordert Tribut

Der Kampf um die Vorherrschaft beim sicheren Bezahlen im Internet ist in vollem Gang - und immer mehr Beteiligte steigen aus.

Die Verträge der Deutschen Bank 24 mit Kunden des eingestellten Online-Zahlungssystems eCash sind nach Angaben des Instituts ausgelaufen. Nicht genutzte eCash-Beträge könnten aber noch bis Ende Juni auf Bankkonten zurücküberwiesen und so umgetauscht werden, sagte ein Sprecher der Deutschen Bank. Der Grund: Bisher zahlen nur 1,5 Prozent der Online-Shopper mittels elektronischer Geldbörse. Wie viele Kunden betroffen sind, war am Freitag bei dem Geldinstitut nicht zu erfahren. Im August 2000 bezahlten früheren Angaben der Bank zufolge 5.000 Kunden bei 90 Online-Händlern ihre Einkäufe mit eCash.

Virtuelle Münzen sind ein Flop

Die Deutsche Bank 24 hatte die virtuellen Münzen für das Bezahlen per Computer im Frühjahr 2000 gestartet und wollte sie vom Frühjahr diesen Jahres an auch für mobile Dienste anbieten. Am PC wurde die digitale Geldbörse vom Bankkonto des Kunden aufgefüllt, der das virtuelle Geld dann anonym bei Online-Händlern ausgeben konnte. Bereits Anfang April hatte die Deutsche Bank 24 mitgeteilt, eCash wieder einstellen zu wollen. Der Banksprecher sagte weiter, damals sei den Kunden fristgerecht zum 25. Mai gekündigt worden.

Paybox als Alternative

Als Alternative zu eCash wird den Kunden jetzt das System der Firma Paybox angeboten, bei dem per Handy bezahlt werden kann. Die Deutsche Bank ist zu 50 Prozent an Paybox beteiligt. Beim Paybox-System wird einer Zentrale eine spezielle Paybox-Nummer des Zahlenden übermittelt, der dann eine Geheimnummer auf dem Handy eingibt und so die Transaktion autorisiert. Paybox hat nach eigenen Angaben europaweit 260.000 Kunden und 5.000 Händler in Deutschland, Österreich, Schweden und Spanien unter Vertrag.

Konventionelle Rechnung bevorzugt

Die Vielzahl von Bezahlsystemen im Internet schreckt die Nutzer ab. Drei von vier Neulingen beim Online-Shopping bevorzugen die konventionelle Rechnung. Die Folge fuer die Händler: Zusätzliche Kosten durch das notwendige Forderungsmanagement und die hohe Betrugsquote beim Online-Shopping. Bestellungen per Nachnahme kosten die Händler mindestens drei Mark. Das Ergebnis: Ein einheitliches Internet-Zahlungssystem ist zumindest aus Händlersicht dringend erforderlich.

Die Zukunft gehört E-Payment-Systemen, die den Zugang zu existierenden Zahlmitteln via Internet oder Handy benutzen. Dabei spielen insbesondere psychologische Gründe wie die Vertrautheit mit bekannten Zahlmitteln eine Rolle: Noch immer hegt ein Grossteil der Internetnutzer Sicherheitsbedenken. Immerhin vertreten 64 Prozent der Verbraucher die Auffassung, dass eine sichere, verschlüsselte Uebertragung den Online-Einkauf attraktiver machen würde.

Geringe Marktdurchdringung

Vorausbezahlte Systeme, sogenannte elektronische Geldbörsen, haben nach Experteneinschätzung kaum Überlebenschancen. Der Grund: Die geringe Marktdurchdringung macht eine kostengünstige Abwicklung bei vorausbezahlten Systemen unmöglich. E-Pay-Systeme hingegen sind für Kunden und Händler gleich einfach zu nutzen. Auch für die Banken ist die kostengünstige Abwicklung der Transaktionen über die bestehende Infrastruktur interessant. Sie können ihre Kunden durch ein Angebot eines Internet-Zahlungssystems an sich binden und neue Kunden gewinnen. 73 Prozent der Kreditinstitute geben an, dass Mobile Payment mittels UMTS in Zukunft die grösste Bedeutung haben wird. 78 Prozent erwarten, mit dem mobilen Bezahlen den grössten Umsatz im M-Commerce zu erzielen, ergab eine Studie der Mummert + Partner Unternehmensberatung.