VG-Wort Pixel

Kurioser Email-Streich Barclays-Chef fällt auf Bank-Kunden herein, der sich als sein Boss ausgibt

Jes Staley, CEO der britischen Barclays-Bank
Jes Staley, CEO der britischen Barclays-Bank
© Angela Weiss/AFP
Sie lästerten, schmierten sich Honig ums Maul und schickten sich Gedichte. Was der mächtige Barclays-CEO Jes Staley nicht bemerkte: Der Mann, mit dem er sich per Mail austauschte, war gar nicht der Vorsitzende der Bank, sondern ein einfacher Kunde. Nun ist der Spott groß.

Die sogenannte "Chef-Masche" ist ein übler Trick professioneller Betrüger: Die Kriminellen geben sich dabei telefonisch als Chef der angerufenen Firma aus und fordern die sofortige Überweisung einer bestimmten Geldsumme. Im Glauben, sie hätten tatsächlich den Boss in der Leitung, lassen sich immer wieder Mitarbeiter überrumpeln. In abgewandelter Form funktioniert der Chef-Trick offenbar auch bei Chefs, wie nun Barclays-CEO Jes Staley unfreiwilligerweise demonstrierte.

Der oberste Manager einer der größten Banken der Welt hat sich von einem einfachen Kunden weismachen lassen, dieser sei der Chef-Aufseher von Barclays - und sich mit ihm einen regen Email-Austausch geliefert. Da die Mails der "Financial Times" in die Hände fielen, ist Staley nun das Gespött der Branche.

Scherzkeks mit Gmail-Adresse

Immerhin wollte der Mann, der sich als Barclays-Chairman John McFarlane ausgab, kein Geld, sondern einfach nur ein bisschen seinen Spaß haben. Von einer gewöhnlichen Gmail-Adresse mit dem Nutzernamen "john.mcfarlane.barclays" schickte der Spaßvogel dem CEO mehrere Mails, die dieser im Glauben, es handle sich um den echten Chairman, beantwortete.

Unter dem Betreff "The Fool doth think he is wise" ("Der Idiot denkt, er wäre schlau") verschickte er zunächst eine Mail, in der er gegen einen Großaktionär lästert, der Staleys Rücktritt  gefordert hatte. Darin schimpft der falsche McFarlane auf den Charakter der "wenigen Wütenden" und beschwört die Geschlossenheit der eigenen Reihen. Er schließt mit den Worten: "Du schuldest mir einen großen Scotch." 

13-zeiliges Kitsch-Gedicht

Über die Unterstützung des mächtigen Chairmans freut sich Staley offenbar sehr. "Du bist ein einzigartiger Mann, Mr McFarlane", schreibt der Geleimte. "Du kamst mir heute mit einem Mut zu Hilfe, den nicht viele Leute zeigen. Wie kann ich dir danken? Du hast ein Gespür dafür, was richtig ist und du hast ein Gespür für das Theater. Du vereinst Humor mit Mumm. Danke, John."

In dieser Tour geht der Mailverkehr noch eine Weile hin und her. In seiner letzten Mail krönt der anonyme Scherzkeks den Gedankenaustausch mit einem 13-zeiligen Kitsch-Gedicht. Der Clou: Die Anfangsbuchstaben der Zeilen ergeben das Wort "Whistleblower", was auf eine interne Maulwurfsaffäre anspielt. Weil Staley den Verfasser eines anonymen Beschwerdebriefs mit allzu viel Eifer verfolgte, musste er sich kürzlich öffentlich entschuldigen und auf einen Teil seiner Vergütung verzichten. Doch auch diesen letzten Seitenhieb hat Staley nicht bemerkt. Er antwortet lediglich mit den Worten: "Thanks for sharing the foxhole." - "Danke, dass du mit mir den Schützengraben teilst."

bak

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker