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BETRIEBE: Krankenstand auf Rekordtief

Wie die Krankenkassen mitteilten, melden sich wesentlich weniger Arbeitnehmer krank als in den letzten Jahren. Dass die Menschen wirklich gesünder sind, ist nicht unbedingt gesagt.

Der Krankenstand in Deutschland ist auf den zweitniedrigsten Stand der letzten 27 Jahre gesunken. Dies teilte das Bundesgesundheitsministerium am Montag mit. Im vergangenen Jahr waren nach vorläufigen Berechnungen pro Arbeitstag durchschnittlich 4,19 Prozent der Beschäftigten krank gemeldet - 4,18 Prozent in West- und 4,26 Prozent in Ostdeutschland. Nur 1998 war demnach bundesweit ein niedrigerer Krankenstand von 4,13 Prozent registriert worden, 1997 waren es ebenfalls 4,19 Prozent. 1999 und 2000 wurden dagegen die höheren Werte von 4,27 und 4,22 Prozent verzeichnet. Die Zahlen basieren auf den Meldungen der gesetzlichen Krankenkassen.

Angst um den Arbeitsplatz ist die Ursache

Der Leiter des Wissenschaftlichen Instituts der Allgemeinen Ortskrankenkassen, Christian Vetter erklärte, der Trend zu niedrigen Krankmeldungen sei in den letzten Jahren ungebrochen gewesen. Dies sei zum Teil auf das konjunkturelle Klima zurückzuführen. Viele Beschäftigte blieben aus Angst um ihren Arbeitsplatz auch bei gesundheitlichen Beschwerden nicht zu Hause.

Niedriger Krankenstand durch mehr jüngere Arbeitnehmer

Aber auch strukturelle Faktoren sind laut Vetter ausschlaggebend. So hätten immer mehr Unternehmen ihre Belegschaft verjüngt, und jüngere Arbeitnehmer würden erfahrungsgemäß seltener krank. Zugleich zeigten innerbetriebliche Schritte zum Arbeits- und Gesundheitsschutz positive Wirkung, etwa ergonomisch optimale Arbeitsplätze und Maßnahmen zur Verbesserung des Betriebsklimas.

Beschäftigte im öffentlichen Dienst hingegen melden sich häufiger und länger krank als andere Arbeitnehmer. Die Hauptursachen dafür liegt am höheren Alter und der größeren Zahl schwerbehinderter Mitarbeiter. Bei einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen im Jahr 2000 von 27 610 Euro (54 000 Mark) ergeben sich für die öffentliche Verwaltung und Sozialversicherung Kosten in Höhe von 2,6 Milliarden Euro auf Grund von Produktionsausfällen durch Arbeitsunfähigkeit.

Mitarbeiter der Banken und Versicherungen sind gesünder

Banken und Versicherungen dürfen sich hingegen - bei anderen Personalstrukturen - über relativ niedrige Fehlzeiten freuen. Dies Ergebnisse gehen aus dem Fehlzeitenreport 2001 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor, der am Donnerstag in Bonn vorgestellt wurde. Nach Auswertungen des WIdO auf der Basis der Daten der AOK- Mitglieder lag der Krankenstand im öffentlichen Dienst auch im Jahr 2000 wie in den Vorjahren wieder am höchsten. Er betrug 6,3 Prozent und übertraf damit deutlich den Gesamtwert von 5,4 Prozent. Daraus errechnen sich 19,7 Krankheitstage pro Beschäftigtem. Den niedrigsten Krankenstand verzeichneten mit 3,6 Prozent die Banken und Versicherungen.