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Billigtickets: Lob für Bahn, Schimpfe für Lidl

"Nur solange der Vorrat reicht" - mit diesem Satz sichern sich Schnäppchen-Anbieter ab, um keinen Ärger mit Verbraucherschützern zu bekommen. So auch Lidl. Dennoch droht dem Discounter nun Unheil.

Dem Discounter Lidl könnte wegen des schnellen Ausverkaufs von Billigtickets der Bahn eine Abmahnung der Wettbewerbszentrale kassieren. "Es ist nicht in Ordnung, damit zu werben, dass es die Tickets eine Woche lang gibt, und nach einer halben Stunde ist dann Schluss", sagte der Geschäftsführer der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs in Bad Homburg, Reiner Münker der Nachrichtenagentur DPA. Bei dem bis 28. Mai angekündigten Sonderverkauf waren mehr als eine Million Tickets bereits am Donnerstagmorgen vergriffen. Politiker und Verkehrsexperten forderten weitere attraktive Angebote der Bahn.

"Die Aktion ist aus Verbrauchersicht sehr zu begrüßen. Sie zeigt, dass man mit geschicktem Marketing Bahnfahren attraktiv und populär machen kann", sagte Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) der "Berliner Zeitung". Auch der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßte die Aktion mit zwei Fahrscheinen für beliebig weite Fahrten für zusammen 49,90 Euro. Günstige Preise und unkomplizierte Pauschaltarife seien auch im regulären Angebot interessant, sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann. Die Karten sind bis 3. Oktober gültig. Die Bahn wollte damit vor allem Kunden ansprechen, die sonst nicht Zug fahren. Den ICE und Intercity macht Konkurrenz der Billigflieger zu schaffen.

Bei Verbraucherschützern und der Wettbewerbszentrale gingen viele Beschwerden verärgerter Kunden ein, die schon kurz nach dem Start der Sonderaktion keine Tickets mehr bekamen. "Wenn kein ausreichender Vorrat da ist, muss ich mich mit der Werbung zurückhalten", sagte Münker. Nach Angaben von Lidl gab es in ländlichen Gebieten noch "geringe Restmengen" an Tickets, die umgehend an andere Filialen vor allem in Großstädten weitergeleitet werden sollten. Viele Kunden hatten sich mit Adresse und Telefonnummer in Wartelisten eingetragen, zunächst aber vergeblich auf einen Rückruf gewartet.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg warnte davor, dass die Adressen zu Werbezwecken genutzt oder weiterverkauft werden könnten. Eine Lidl-Sprecherin wies dies als abwegig zurück. Geschäftsführer Gerd Chrzanowski sagte der Tageszeitung "Die Welt", Lidl sei an einer Neuauflage des Angebots interessiert. Die Bahn plant dagegen vorerst keine weiteren Ticket-Aktionen beim Discounter. Im Juli soll es aber andere Sonderangebote geben.

DPA / DPA