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Börse: Sektlaune im Krisenjahr - Dax plus 24 Prozent

Wer im Krisenjahr 2009 auf einen Börsencrash am deutschen Aktienmarkt gewettet hat, ist leer ausgegangen: Der Dax legte seit Jahresbeginn um fast ein Viertel zu. Für 2010 reichen die Prognosen von Höhenflug bis Absturz.

Der Deutsche Aktienindex hat das Krisenjahr 2009 mit einem Plus von knapp 24 Prozent beendet. Der Dax schloss am Mittwoch mit leichten Abschlägen bei 5957 Punkten. Damit wird 2009 in die Börsengeschichte als das neuntbeste Jahr seit der Einführung des Deutschen Aktienindexes 1988 eingehen. Statt eines befürchteten Kursabsturzes kamen Kursgewinne - vereinzelt sogar im dreistelligen prozentualen Bereich.

Doch obwohl das wichtigste deutsche Börsenbarometer noch in den letzten Handelstagen des Jahres die 6000-Punkte-Marke kurzzeitig knackte, blieben die Börsianer skeptisch. Zum einen dürften nur wenige Anleger viel von dem Anstieg haben. Denn nachdem der Dax 2008 gut 40 Prozent einbüßte, zogen sich viele vom Aktienmarkt zurück. Die Umsätze schmolzen kontinuierlich.

Prognosen reichen von Absturz bis Höhenrausch

Zudem hat der Dax in den vergangenen Monaten die Verluste des Vorjahres bei weitem nicht ausgeglichen: Das Jahr 2007 hatte der Leitindex mit 8067 Punkten deutlich höher geschlossen. Immerhin hat sich der Dax bis auf rund 200 Zähler dem Niveau genähert, das er vor der spektakulären Lehman-Pleite Mitte September 2008 hatte.

Für 2010 gehen die Einschätzungen der Börsianer nun weit auseinander: Während einige dem deutschen Kursbarometer einen Anstieg bis auf 7500 Punkte zutrauen, rechnen andere mit einem Rückschlag bis auf 4150 Zähler. Die durchschnittliche Schätzung für das Jahresende 2010 liegt bei 6200 Punkten.

Renaissance der Technologiewerte

Aber nicht nur das Leitbarometer verbuchte in den vergangenen Monaten Aufschläge. Vor allem die Technologiewerte erlebten eine ungeahnte Renaissance. Der TecDax kletterte um fast 61 Prozent und lief damit dem MDax mit plus 34 Prozent und dem SDax mit knapp 27 Prozent den Rang ab. Dies verdankte der im März 2003 als Nachfolger des Neuen Marktes eingeführte Index vor allem der Aktie von Infineon, die im März vom Dax in den TecDax abgestiegen war. Im September kehrten die Titel des Chipherstellers wieder in den Dax zurück.

Die einst als Stars des Neuen Marktes gefeierten Infineon-Titel haben 2009 eine rasante Achterbahn hinter sich gebracht. Im ersten Quartal waren die Titel zeitweise nur noch 34 Cent wert. Von diesem Tief arbeiteten sich um über 1000 Prozent nach oben auf 3,88 Euro. Zum Vorjahresschluss hat die Aktie 353 Prozent zugelegt. Als Grund für das eindrucksvolle Comeback nannten Händler die Einschätzung, dass der Konzern das Gröbste hinter sich gelassen habe.

Deutsche Bank im Steilflug

Zweitbester Dax-Wert waren die Aktien der Deutschen Bank. Die Aktien des Frankfurter Branchenprimus stiegen zum Vorjahresschluss um 77,7 Prozent auf 49,42 Euro. Noch eindrucksvoller sieht die Bilanz im Vergleich zum Rekordtief von 15,38 Euro aus, das die Titel im Januar erreicht hatten: Der Kurs hat sich mehr als verdreifacht.

Von einer solchen Kursentwicklung können die Aktionäre der vor einem Jahr teilverstaatlichten Commerzbank nur träumen: Die Titel haben über 11,4 Prozent verloren und halten damit im Dax die rote Laterne. Nur den Stammaktien von VW, die seit kurzem aber wegen zu geringen Streubesitzes im Zuge der Übernahme von Porsche nicht mehr im Dax sind, erging es mit minus rund 70 Prozent schlechter. Doch die Vorzugsaktien, die für die Stammaktien in die erste Börsenliga rückten, stiegen um 73 Prozent und zählten damit zu den Top-Dax-Werten.

Reuters/AFP / Reuters