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Chaos an den Börsen: Insider steigen wieder ein

Ob Gerüchte oder Fakten: Insider wissen mehr. Und so stimmt eine Analyse hoffnungsfroh inmitten des Börsenchaos: Topmanager kaufen wieder verstärkt Aktien. Experten sind überrascht.

Wohin geht es mit der Börse? Die Frage ist ohnehin selbst für Experten schwer zu beantworten - und in diesen Tagen ist es geradezu unmöglich. Der Dax kannte zuletzt am Handelsende zwar meist nur eine Richtung: nach unten. Dabei sprang er im Tagesverlauf munter vom Minus ins Plus - und wieder zurück. So rätseln Analysen und Volkswirte, wie es kommende Woche weitergeht. Einen Anhaltspunkt könnte ihnen eine Analyse der "Financial Times Deutschland" geben - und die macht Hoffnung.

Denn trotz extremer Nervosität an den Märkten, wachsenden Sorgen um die Konjunktur und der globalen Schuldenkrise decken sich die Topmanager vieler großer Konzerne mit Aktien ihrer Unternehmen ein. In den vergangenen fünf Börsentagen orderten sie europaweit Aktien für 164,1 Millionen Euro - und verkauften nur Papiere für 6,6 Millionen. Das Frankfurter Analysehauses 2iQ Research ermittelte die Zahlen für die Wirtschaftszeitung.

Deutsche besonders hoffnungsvoll

Besonders optimistisch sind deutsche Topmanager. Sie kauften seit dem 1. August für knapp 24 Millionen Euro Aktien, die Verkaufsorders lagen nur bei 1,4 Millionen. Besonders Vorstände und Aufsichtsräte von BASF, Merck oder der Commerzbank griffen zu.

Das Verhalten der Führungskräfte gilt als guter Indikator für die künftige Entwicklung. Sie wissen über den Zustand und die Zukunftschancen ihrer Unternehmen am besten Bescheid, sind daher ein guter Indikator für die Börsenaussichten. Die Unternehmen müssen Insidergeschäfte der jeweiligen Finanzaufsicht melden, in Deutschland ist das die BaFin, die auf ihrer Internetseite die Käufe und Verkäufe veröffentlicht.

Dass Insider gefallene Kurse zum Wiedereinstieg nutzen, ist nicht ungewöhnlich. 2iQ-Geschäftsführer Robert Hable bezeichnete sie im Gespräch mit der FTD als "antizyklische Investoren: Je tiefer der Aktienindex fällt, umso mehr Topmanager greifen zu." Das Ausmaß der Käufe überrascht den Fachmann aber. "Selbst nach dem Kurssturz 2008 und 2009 griffen die Insider nicht so stark zu wie jetzt."

Der Rest ist ratlos

Und dabei hat sich das Wachstumstempo der Dax-Konzerne nach einem fulminanten Jahresstart im zweiten Quartal deutlich verlangsamt. Die 30 Unternehmen steigerten zwar im zweiten Quartal den Umsatz durchschnittlich um acht Prozent und den operativen Gewinn um zwölf Prozent, wie eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young ergab, die die Deutsche Presse-Agentur veröffentlichte. Aber damit blieben sie deutlich hinter den Raten des ersten Quartals zurück, als der Gewinn noch um satte 61 Prozent gestiegen war.

Außerhalb der Topmanager herrscht an der Börse das gewohnte Bild: Ratlosigkeit. Der Dax stieg am Donnerstag, verlor am Freitagmorgen aber schon wieder. "Wie gewonnen, so zerronnen", sagte ein Händler. "Die Anleger sind immer noch hochgradig nervös. Außerdem nutzen einige von ihnen offenbar jeden Kursanstieg zum Verkauf." Kurz darauf gings dann allerdings kräftig nach oben. Erklärungen dafür: Fehlanzeige. Kaufen die Manager etwa weiter?

ben
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