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Wer wieviel forscht: So wichtig sind Deutschlands Wissenschaftler in der Corona-Forschung weltweit

Weltweit läuft ein Forschungswettlauf, um Mittel gegen die Coronavirus-Pandemie zu finden. Eine Studie zeigt, wieviel hiesige Wissenschaftler dazu beitragen - und wo die deutschen Corona-Forschungshochburgen sind.

Virologie

Forschung im Schutzanzug im Labor des Instituts für Virologie der Universität Marburg

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Die Welt lechzt nach Mitteln im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie, am besten einem Impfstoff. Doch um wirksame Gegenmittel zu finden, ist zunächst viel Forschung nötig. Wissenschaftler versuchen daher seit Monaten fieberhaft, das Virus und seine Auswirkungen besser zu verstehen. Weltweit führend sind dabei deutsche Forscher, wie eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln zeigt.

Für ihren Report über den "Corona-Innovationswettlauf in der Wissenschaft" werteten die IW-Autoren bibliometrische Daten des Europe Pubmed Central (PMC) aus. Die Plattform bietet Zugang zu Millionen naturwissenschaftlichen Forschungsartikeln weltweit - und dokumentiert so auch den Forschungsdrang in Sachen Coronavirus. Zwischen Dezember 2019 und 25. April 2020 finden sich dort laut IW 15.552 Forschungsartikel zu Sars-CoV-2 beziehungsweise Covid-19, wobei die Zahl der Veröffentlichungen seit Ende März sprunghaft in die Höhe schießt. Etwa ein Viertel davon sind Pre-Prints, die den wissenschaftlichen Begutachtungsprozess noch nicht durchlaufen haben, aber aufgrund des allgemeinen Interesses vorab veröffentlicht wurden.

Hohe Qualität deutscher Forschung

Die IW-Analyse zeigt, dass die meisten Veröffentlichungen aus den USA stammen, nämlich mehr als 2500. Auf Platz zwei liegen chinesische Forscher mit rund 2000 Veröffentlichungen. Deutschland kommt mit rund 500 Publikumsbeiträgen rein zahlenmäßig hinter Italien und Großbritannien auf Rang fünf.

Neben dieser rein quantitativen Betrachtung erstellen die IW-Forscher auch ein Ranking, das die Qualität der Beiträge berücksichtigt. Grundlage ist der sogenannte "Cite Score" der Datenbank Scopus, der Beiträge in wichtigeren wissenschaftlichen Zeitschriften höher gewichtet. Betrachtet man den mittleren "Cite Score" der Beiträge, stehen die deutschen Wissenschaftler ganz an der Spitze des Rankings - knapp vor den USA und Großbritannien. Mit etwas Abstand folgen China, Australien und Kanada. "Es zeigt sich, dass Wissenschaftler mit einer Affiliation aus Deutschland hinsichtlich der Qualität der Forschung führend sind", schreiben die IW-Autoren.

Die deutschen Corona-Forschungshochburgen

Auch wo in Deutschland am eifrigsten rund um das Coronavirus geforscht wird, arbeitet die IW-Analyse heraus. Auch hier gibt es wieder eine quantitative und eine qualitative Betrachtung. Am produktivsten ist demnach das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München, gefolgt von der Berliner Charité, deren Virologie von Christian Drosten geleitet wird. Auch die Uniklinik Freiburg, die Uni Leipzig, Uni Marburg und die Uniklinik Jena forschen eifrig rund um das Coronavirus.

Grafik: Institutionen mit den meisten Publikationen

Gewichtete Anzahl an Publikationen zum Coronavirus; Quelle: IW Köln (mit Daten von Europe PMC, Scopus)

Gewichtete Anzahl an Publikationen zum Coronavirus; Quelle: IW Köln (mit Daten von Europe PMC, Scopus)

Das Robert Koch-Institut steht bei der Zahl der Beiträge nur auf Rang 14, bei der Qualität laut mittlerem "Cite Score" dagegen auf Rang 1. Dahinter folgt die Berliner Charité, die nicht nur viele, sondern auch qualitativ mit die wichtigsten Beiträge liefert. Forscher der Charité kooperieren laut Analyse auch am intensivsten mit anderen Institutionen, was ihre zentrale Stellung für die deutsche Covid-19-Forschung untermauert. Weniger, aber ebenfalls bedeutende Beiträge steuern die Uniklinik Hamburg-Eppendorf sowie die Universitäten in Düsseldorf und Bonn bei.

Grafik: Qualität der Publikationen

Mittlerer "CiteScore" der Publikationen; Quelle: IW Köln (mit Daten von Europe PMC, Scopus)

Mittlerer "CiteScore" der Publikationen; Quelle: IW Köln (mit Daten von Europe PMC, Scopus)

Von der Grundlagenforschung zum Impfstoff

Diese vorwiegend an staatlichen Hochschulen betriebene Grundlagenforschung ist die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen wirksame Medikamente und Impfstoffe entwickeln und an den Markt bringen können. Daher betont das Institut der deutschen Wirtschaft in seiner Analyse auch die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen staatlicher Grundlagenforschung und der angewandten Forschung der Pharmaindustrie. Diese sei in Deutschland bereits gut eingeübt, was sich nun auch in der Corona-Forschung bezahlt mache.

So liefen aktuell allein rund um die Forschungshochburg München sechs unternehmerische Forschungsprojekte von Biotechunternehmen. In Nordrhein-Westfalen zählt das IW aktuell ebenfalls sechs Unternehmensprojekte zur Impfstoff- und Medikamentenentwicklung. Das vielversprechendste deutsche Impfstoffprojekt aber ist in Mainz angesiedelt. Die dort beheimatete Firma Biontech befindet sich bereits in klinischen Tests für einen Corona-Impfstoff, der bei entsprechendem Erfolg weltweit verfügbar gemacht werden soll. Dabei kooperiert Biontech mit dem US-Pharmariesen Pfizer, ein Beleg für die starke globale Zusammenarbeit bei der Corona-Forschung. National wie international beobachten die IW-Autoren derzeit eine große gemeinsame Kraftanstrengung gegen das Virus. "Die große Bereitschaft der Forscher zur Kooperation – sowohl zwischen öffentlichen als auch zwischen unternehmerischen Forschungseinrichtungen – und das Teilen von neuesten Erkenntnissen stellt dabei einen wichtigen Schlüssel auf der Suche nach einem Gegenmittel dar."

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