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Defekte EC- und Kreditkarten: Finger weg vom Klebeband

Das Kartendebakel der Banken ist mehr als ein Ärgernis. Es kann viel Geld kosten - etwa wenn Kunden im Ausland Gebühren entrichten müssen oder Händler Waren nicht verkaufen. Was falsch gelaufen ist, was Betroffene tun können - und was sie besser lassen sollten.

Welcher Fehler ist bei den Karten aufgetreten?

Rund 30 Millionen EC- und Kreditkarten in Deutschland hatten zu Jahresbeginn plötzlich ein Problem, wie es schon zur Jahrtausendwende bei manchen technischen Geräten befürchtet worden war - die Software des Chips auf den Karten konnte die Datumsangabe des neuen Jahres 2010 nicht korrekt verarbeiten. Die Folge: An zehntausenden von Geldautomaten und rund 200.000 Bezahlterminals an Ladenkassen im Einzelhandel funktionierten die Karten nicht mehr.

Wie werden die Karten wieder in Gang gebracht?

Zunächst mit einer Art Erster Hilfe: Eine neue Programmversion für die Geldautomaten und Bezahlterminals sorgt vorerst dafür, dass sie nicht auf den defekten Chip, sondern wie vorher lange üblich auf den Magnetstreifen zugreifen, der mit auf der Karte ist. Die Geldautomaten sollen dadurch wieder funktionieren, wie der Zentrale Kreditausschuss (ZKA) mitteilte - um am Donnerstag zu verkünden, dass das Geldabheben nicht immer nicht an allen Automaten möglich sei. Bei den Ladenterminals soll es bis Anfang kommender Woche so weit sein. Verlassen sollte man sich auf die Ansage aber nicht, denn laut ZKA-Mitteilung vom vergangenen Montag sollte das Problem schon längst behoben sein. Manche Tüftler behelfen sich derweil mit einer Methode "Marke Eigenbau" - mit einem Streifen Klebeband auf dem Chip. Die Finanzbranche warnt aber eindringlich davor, auch wegen unklarer Haftungsfragen.

Wie sollen die Chips der Karten repariert werden?

Quasi aus der Ferne mit einem Software-Update. Wie der französische Chiphersteller Gemalto mitteilte, arbeitet er mit den Banken und Sparkassen gerade an einem Korrekturverfahren. Der Plan: Der Chip wird beim Einführen der Karte in einen Geldautomaten umprogrammiert, so dass der Datumsfehler nicht mehr auftritt. Die Einzelheiten müssen aber noch geprüft werden. Es gilt zudem als ungewiss, ob eine solche Reparatur auch bei Kreditkarten funktioniert.

Warum werden die fehlerhaften Karten nicht einfach ausgetauscht?

Ein massenhafter Umtausch wäre aufwändiger und teuer. Die Probleme sollten für die Kunden aber möglichst rasch und bequem beseitigt werden, sagte ein ZKA-Sprecher. Bei einem Austausch müssten Kunden erst einige Zeit auf eine neue Karte warten und sich auch eine neue Geheimzahl merken.

Was fordern Verbraucherschützer?

Die Verbraucherzentralen forderten unterdessen Banken und Sparkassen auf, ihre Kunden für die Pannen zu entschädigen. "Die Institute müssen den Kunden zusätzliche Aufwendungen schnell, unbürokratisch und kulant erstatten", sagte Manfred Westphal, Bankenexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband. Für viele Konsumenten gehe es um mehr als ein Ärgernis. Ihnen entstand demnach ein Schaden, etwa wenn sie beim Abheben an EC-Automaten fremder Institute Gebühren zahlen oder sich Geld ins Ausland schicken lassen mussten. Auf diesen Kosten dürften die Institute ihre Kunden nicht sitzenlassen, fordern die Verbraucherschützer.

Was fordert der Einzelhandel?

Der Einzelhandel befürchtet deutliche Umsatzeinbußen. Er will aber wegen der Panne keinen Schadenersatz von der Kreditwirtschaft fordern. Das sei schon deswegen nicht möglich, weil es keine Verträge zwischen Händlern und Geldinstituten gebe, sagte der Zahlungsexperte des Handelsverbands Deutschland (HDE), Ulrich Binnebößel. "Wir behalten uns Schadenersatzforderungen vor", sagte dagegen ein Sprecher von Telecash, einem der drei Kartenzahlungsabwickler in Deutschland. Das zum US-Konzern FirstData gehörende Unternehmen betreibt 215.000 Kartenterminals. Wie die Geschäftsbeziehungen von Banken, Terminalbetreiber und Handel aussehen, erläuterte Binnebößel: Für die Nutzung des Kartensystems schließen die Händler Verträge mit den Betreibern. Diese Dienstleister erledigen die Abrechnung mit den Banken. Von den Händlern erhielten sie Mietgebühren für die Terminals sowie einige Cent für jede Buchung. Bei einem Systemausfall können die Einzelhändler deshalb allenfalls einen Teil der Mietgebühren zurückverlangen, aber selbst dies ist laut dem HDE-Experten häufig per Klausel ausgeschlossen.

DPA/Reuters / DPA / Reuters
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