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Deutsche Bank: Ackermanns Milliardengewinn lässt Investoren kalt

Erfolgssträhne für Josef Ackermann: Erst wird sein Vertrag verlängert, dann präsentiert der Chef der Deutschen Bank einen unerwartet hohen Milliardengewinn. Nur die Börse wollte nicht in die Euphorie einstimmen - die Aktie ging auf Talfahrt.

Die Deutsche Bank ist nach den schweren Verlusten 2008 überraschend stark ins neue Jahr gestartet. Unter dem Strich verdiente der deutsche Branchenprimus im ersten Quartal knapp 1,2 Milliarden Euro nach einem Verlust von 141 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Damit fiel das Ergebnis 50 Prozent besser aus als von Analysten im Schnitt erwartet. Grund für die guten Zahlen ist vor allem eine massive Erholung des zuletzt krisengeschüttelten Investmentbankings. Mit dem Gewinnsprung hat die Bank auch wieder ihre anvisierte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent erreicht.

Die Aktie brach nach anfänglichen Gewinnen dennoch ein. Die mit den Zahlen verbundenen Hoffnungen nach positiven Berichten in den vergangenen Tagen in der Presse schon sehr hoch gewesen, sagte ein Börsianer. Die Aktien sackten als schwächster Wert im Dax um 6,4 Prozent ab. Der Kurs hat sich seit Anfang März mehr als verdoppelt, so dass viele Investoren jetzt Gewinne einsackten.

Trotz des starken Starts äußerte sich Vorstandschef Josef Ackermann am Dienstag vorsichtig zum weiteren Jahresverlauf: "Was die weiteren Aussichten angeht, müssen wir mit anhaltenden Schwierigkeiten in unserem Geschäft rechnen", schrieb er in einem Brief an die Aktionäre. Der Schweizer hatte am Vorabend überraschend angekündigt, drei Jahre länger an der Spitze der Bank zu bleiben als geplant.

Vor Steuern landete der Gewinn zwischen Januar und März bei 1,82 Milliarden Euro nach minus 254 Millionen Euro im Vorjahr. Dabei profitierte die Bank vor allem von einem starken Währungsgeschäft und dem Boom an den Anleihemärkten. Das Investmentbanking, das zuletzt für tiefrote Zahlen gesorgt hatte, erzielte vor Steuern einen Gewinn von 1,54 Milliarden Euro.

Die sogenannten stabilen Geschäftsfelder - neben dem Geschäft mit Privat- und Firmenkunden auch die Vermögensverwaltung - mussten allerdings deutlich Federn lassen und blieben zusammengenommen nur knapp in den schwarzen Zahlen. Bei der Vermögensverwaltung fiel sogar ein Verlust an. Ackermann befürchtet hier eine weitere Abschwächung. "Die kurzfristigen Perspektiven für die Weltwirtschaft sind aktuell sehr schlecht", schrieb er. Damit dürfte sich seiner Ansicht nach auch das Kreditumfeld nochmals verschlechtern. "Davon werden wahrscheinlich alle unsere Kunden betroffen sein."

Doch Ackermann sieht auch Hoffnungsschimmer: Es gebe erste Anzeichen für eine Erholung auf den Aktien- und anderen Finanzmärkten, betonte er. Im Vergleich zu den extrem turbulenten Monaten gegen Ende des Jahres 2008 seien die Schwankungen im ersten Quartal geringer ausgefallen. Der Manager betonte erneut, dass die Bank das notwendige Kapital habe, um die Finanzkrise durchzustehen.

Die Deutsche Bank hatte am Montagabend überraschend mitgeteilt, dass Ackermann drei Jahre länger im Amt bleibt. Der Aufsichtsrat habe ihm die Vertragsverlängerung bis 2013 vorgeschlagen, und Ackermann habe zugestimmt, hieß es. Der förmliche Beschluss soll in einer Aufsichtsratssitzung am 28. Juli fallen. Noch im Februar hatte der 61-jährige Schweizer bekräftigt, er werde wie angekündigt mit der Hauptversammlung 2010 aus dem Amt scheiden.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters