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Kassierer packt aus: Discounter-Insider: So werden Mitarbeiter ausgebeutet

Discounter überzeugen mit Wochenangeboten und Eigenmarken. Das stärkste Argument für den Einkauf beim Discounter ist aber der günstige Preis. Doch offenbar wird zulasten der Mitarbeiter gespart. Ein Insider packt aus.

Discounter-Mitarbeiter: So werden wir ausgebeutet

Discounter-Mitarbeiter: So werden wir ausgebeutet

Discounter sind beliebt: Aldi, Lidl, Netto, Penny und Co. bieten qualitativ ordentliche Hausmarken, listen zunehmend auch Markenprodukte, backen frisch und locken darüber hinaus mit wöchentlicher Aktionsware. Allerdings: "Die Deutschen gelten als äußerst preissensibel, besonders, wenn es um Lebensmittel geht", so das Kölner Handelsforschungsinstitut EHI. Also entscheidet am Ende der Preis. Und den drücken die Discounter radikal - offenbar so sehr, dass Mitarbeiter den finanziellen Druck zu spüren bekommen. Kontrolle des Personals und der Arbeitsleistung und Mobbing von oben scheinen an der Tagesordnung.

Druck auf Mitarbeiter von Discountern

"Der Duck ist brutal", schreibt ein Mitarbeiter eines deutschen Discounters auf der Plattform "Reddit". Dort können ihm andere User Fragen stellen. Reddit hat den Mitarbeiter verifiziert, er konnte also nachweisen, dass er tatsächlich bei einem deutschen Discounter angestellt ist.

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"Wir sind nur Material. Wer zu teuer wird, wird rausgemobbt. Wer sich nicht 100% fügt, wird leiden", schreibt der Discounter-Mitarbeiter. "Die Verkaufsleiter sind leider zu oft überbelastet, dementsprechend geht da einiges verloren. Wer ihnen nicht passt, wird entfernt. So hart ist das. Finden sich immer neue Angestellte." 

Supermärkte und Discounter in der Kritik

Tatsächlich vergeht kein Jahr, in dem nicht eine Supermarkt- oder Discounter-Filiale mit massiver Kritik wegen Ausbeutung der Mitarbeiter kämpfen muss. So sorgte ein Skandal bei Edeka in Niedersachsen 2014 für Aufsehen. Dort berichteten Mitarbeiter dem "NDR" von starkem Personalmangel, hoher Fluktuation und Mobbing. Auch der "MDR" berichtete von Ausbeutung. Eine Marktleiterin hatte bis zu 600 Überstunden im Jahr gemacht - alle unbezahlt. Lidl gab 2008 zu, die eigenen Mitarbeiter bespitzelt zu haben.

Wer nicht schnell genug arbeitet, bekommt Probleme

Ähnliches berichtet auch der Discounter-Mitarbeiter. In seiner Filiale würden Mitarbeiter direkt kontrolliert. Wichtig sei in den Kassenschichten, wie viele Artikel pro Minute über den Scanner gezogen werden.  "Gab bei zwei Kollegen mit 22 und 24 Artikeln pro Minute 'Fürsorgegespräche'", berichtet der Angestellte. Sein Marktleiter kontrolliere die Kassiergeschwindigkeit genau - obwohl dies eigentlich seit zwei Jahren anonymisiert wird. Doch der Chef hat einen Trick gefunden, die Namen der langsameren Kollegen zu erfahren. Der Mitarbeiter, der auf Reddit Auskunft gibt, schaffe 40 Artikel und habe daher keine Probleme. 

Ein User will wissen, ob er nicht einfach den Job wechseln könne - und was er dann gerne machen würde. "Was ich gerne machen würde?", schreibt der Mitarbeiter. "Aktuell würde ich meine Seele verkaufen, um einen normalen Job zu haben."

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kg
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