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Produktplatzierung: Verkommt das Dschungelcamp zur Dauerwerbesendung?

Anfangs galt das Dschungelcamp als Schmuddel-TV, die Werbeplätze wurden zu Schnäppchenpreisen verramscht. Doch längst haben sich die Kakerlaken knabbernden K-Promis zum Reklamehit gemausert. Ab Freitag beginnt die große Werbeschlacht.

Dschungelcamp 2017 - eine Dauerwerbesendung?

Dschungelcamp 2017: Die Moderatoren Produktplatzierung 

Ab Freitag ist wieder Dschnugelzeit: TV-Sender RTL steckt ein paar C-Promis - oder zumindest ehemalige Lebensgefährten von mäßig bekannten Personen - in ein abgelegenes Dschungelcamp in Australien. Känguru-Hode und Kakerlaken inklusive. Dass dieses Format zu Beginn als widerliches Unterschichten-Spektakel angetan wurde, wundert nicht. Das mag doch keiner sehen - oder?

Längst hat sich die Ekel-Sendung gemausert. Sicherlich, hochintellektuelle Edel-Unterhaltung wird man im Dschungel nicht finden. Doch die Zuschaueranalysen zeigen: Dschungel-Gucker verfügen über einen überdurchschnittlich hohen Bildungsgrad und verdienen auch gut. Das ruft natürlich Unternehmen auf den Plan, schließlich ist das eine attraktive Zielgruppe. Und so entwickelte sich das Dschungelcamp vom Schmuddel-TV zum Werbehit. Bei der ersten Staffel 2004 kostete ein Werbeplatz noch 10.880 bis 32.400 Euro brutto, so "Horizont", in diesem Jahr  werden für einen 30-Sekunden-Spot 126.600 Euro fällig.

Dschungelcamp: Kissen, Kajal und Körperpuder - das nehmen die Stars mit in den Urwald
Mallorca-Jens im Dschungelcamp

Nicht ohne meine Liebsten: Mallorca-Jens nimmt ein Kissen mit ins Dschungelcamp, das seine Familienmitglieder zeigt. Dazu nimmt er Parfum mit in den Urwald: "Ich bin parfümsüchtig", sagt er, "verbrauche 100 Milliliter in einer Woche und will auch im Dschungel für die Kakerlaken gut riechen."

Vorwurf ans Dschungelcamp: Schleichwerbung

Ein Schnäppchen ist Werbung rund ums Dschungelcamp also nicht mehr. Doch das scheint die Unternehmen nicht zu schrecken. Zum sechsten mal in Folge ist Bahlsen dabei - und das trotz großem Ärger im vergangenem Jahr. Damals wurde der Keksriegel Pick-Up-Riegel deutlich zu werblich in der Sendung eingeblendet und die Camp-Bewohner schwärmten von dem leckeren Keks. Das geht so nicht, urteilte das Verwaltungsgericht Hannover. Die unzulässige Produktplatzierung scheint aber weder Bahlsen noch RTL zu bremsen. Der Kekshersteller ist auch 2017 dabei.

Doch allein ist Bahlsen nicht im Dschungel. Firmen wie McDonald's, Rewe, Opel, Seat und sogar Weight Watchers sind mit von der Partie, berichtet "Meedia". Die Firmen bekommen als Werbepartner besondere Möglichkeiten, wie speziell auf den Dschungel zugeschnittene Werbespots oder exklusive Gewinnspiele. „Zusammen mit unseren teilweise langjährigen Kunden toben wir uns hier jedes Jahr erneut kreativ aus und so entstehen immer wieder aufsehenerregende, mutige Sonderinszenierungen“, sagt Lars-Eric Mann vom RTL-Vermarkter IP Deutschland gegenüber "Meedia". "Das Dschungelcamp ist der deutsche Super Bowl der Sonderwerbeformen."

Dschungelcamp: Hohe Produktionskosten

Doch die teuren Werbeplätze braucht RTL auch, denn das Dschungelformat ist nicht billig. Im Jahr 2013 soll die Staffel rund 1,7 Millionen Euro gekostet haben, berichtet der "Focus", dem ein Bericht der australischen Wirtschaftsberatungsagentur "Location IQ" vorliegt. 1,52 Millionen Euro habe RTL allein für die Gehälter der damals 235 Produktionsmitarbeiter ausgegeben.

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kg